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Bitkom befürchtet Sparversion der Gesundheitskarte

22.08.2007
Der Branchenverband warnt davor, aus Zeitgründen nur eine Offline-Version der Gesundheitskarte einzuführen.

Aus Sicht des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) erzielt die Karte nur dann Verbesserungen im Gesundheitssystem, wenn ein Datenaustausch über das Internet möglich ist.

"Der Start mit einer Offline-Phase darf nur ein Durchgangsstadium sein", erklärte Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms in einer Stellungnahme. "Zwar werde mit der Einführung der Gesundheitskarte allgemein mehr Tempo in den Prozess gebracht. Nur mit den Online-Anwendungen wie dem elektronischen Rezept, dem elektronischem Arztbrief oder der elektronischen Patientenakte ließen sich jedoch Verbesserungen in der medizinischen Versorgung und Einsparungen im Gesundheitssystem erzielen. Insbesondere die elektronische Patientenakte müsse schnell Bestandteil der Gesundheitskarte werden, mahnte Harms.

Bereits jetzt bieten Krankenkassen wie die Barmer oder die DAK ihren Versicherten inzwischen eigene Patientenakten an – unabhängig von der elektronischen Gesundheitskarte. Auch das Land Rheinland-Pfalz schafft ab 2008 die Möglichkeit einer Internet-basierenden Akte für alle Neugeborenen. Die Krankenhäuser arbeiten mit der Fraunhofer Gesellschaft und Partnern aus der Industrie an einer Lösung für eine elektronische Fallakte, die in der klinischen Behandlung eingesetzt wird. "Es besteht die Gefahr, dass zahlreiche Insellösungen entstehen, die nicht kompatibel sind", sagte Harms.

Das Bundesgesundheitsministerium plant die flächendeckende Ausgabe der Gesundheitskarte an die Patienten im zweiten Quartal 2008. Im ersten Schritt wird die Karte aber nur offline genutzt werden können. Das heißt, ein Austausch von Daten über das Internet ist nicht möglich.

Der Lobby-Verband wies darauf hin, dass es sich bei der Gesundheitskarte auch um ein Vorzeigeprojekt der deutschen Wirtschaft handle. Bitkom-Vize Harms: "Wenn wir in Deutschland zu lange warten, werden wir in zehn Jahren die Lösungen aus dem Ausland einkaufen. Drücken wir aber jetzt aufs Tempo, können wir die Grundlagen für ein Vorzeigeprojekt mit Weltmarktpotenzial legen." (mb)