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Big Brother: RFID-Überwachung im Haushalt

10.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einmal im Jahr hält Intel in seiner Firmenzentrale in Santa Clara, Kalifornien, einen Wissenschaftstag ("Research Day") ab. Dort präsentieren Forscher Prototypen, die Konzepte für die Nutzung von Hochtechnologie darstellen. Auch dieses Jahr zeigten die Wissenschaftler etliche Technikstudien. Eins war vielen gemeinsam: Sie greifen alle fundamental in das Leben von Menschen ein, indem sie Möglichkeiten schaffen, sie auf Schritt und Tritt zu überwachen.

In einem Experiment haben Wissenschaftler alle Gegenstände in einem Haushalt mit einem RFID-Sensoren versehen. Auf diese Weise konnte jede winzige Veränderung - und sei es auch nur, dass jemand einen Löffel umgedreht hat - aufgezeichnet und an einen entfernt stehenden Computer übermittelt werden.

Die Forscher beeilten sich, darauf hinzuweisen, dass solch ein System natürlich dazu gedacht ist, beispielsweise Krankenpflegern oder sonstigem Personal Hilfe zu leisten. Auf diese Weise ließen sich nämlich die Lebensgewohnheiten etwa von älteren Menschen besser eruieren. So könne man auch festhalten, ob jemand seine tägliche Medizin genommen habe. Prompt wurde allerdings der Einwand geäußert, mit dieser Überwachung ließe sich nicht feststellen, ob ein zu Behandelnder seine Medikation einhalte. Alles, was sich mit einem mit RFID-Sensoren bestückten Haushalt belegen ließe, sei, ob ein Gegenstand von seinem Platz verrückt wurde.

In einem weiteren Experiment zeigten Forscher ein System zur Beobachtung von Kleinkindern. Wissenschaftler implantierten Sensoren in die Matratze eines Kindes und befestigten eine Kamera an der Zimmerwand. Mit dieser Versuchsanordnung kontrollierten sie den Herzschlag des Kindes, seine Körpertemperatur und seine Bewegungen. Neben einer Videoaufzeichnung hielt die Kamera auch Einzelbilder fest und sandte diese auf den PC der Eltern. Die Ingenieure gingen so weit, eine versteckte Kamera in einem Teddybären einzubauen.

Brooke Foucault, ein Anthropologe, der das Überwachungssystem in 25 Familien getestet hatte, sagte: "Natürlich sind mit solch einem System auch Fragen der Privatsphäre verbunden." (jm)