Vom Einplatzsystem bis zum Server mit 250 Terminals

Big Blues RISC-Systeme rechnen mit "Power", Motif und Nextstep

23.02.1990

FRANKFURT (zek) - Die sechs Modelle der neuen Rechnerfamilie RISC System/6000 bieten drei unterschiedliche Versionen in der Rechenleistung. Sie können wahlweise als Einplatzsystem, als Server im LAN oder als Mehrplatzsystem eingesetzt werden. AIX soll auf Dauer in allen Systemebenen in die SAA-Systemwelt integriert werden.

IBM-Verkaufsleiter und Geschäftsführer Bernhard Dorn betonte, daß die Anwender der Vorgängerserie RT 6150 von IBM weiter unterstützt werden. Man werde sich sowohl um die Wartung kümmern, als auch weiterhin die Geräte ausliefern. Als Kunden kommen aber in erster Linie nur noch Anwender in Betracht, die ihre Installationen erweitern wollen.

Basis für alle Modelle ist die sogenannte "IBM-Power-Architektur". Der von IBM selbst entwickelte "Power"-Prozessor (Performance Optimization With Enhanced RISC) besteht aus drei Einheiten: Integer-, Fließkomma- und Branch-Prozessor. Sie wurden von den Entwicklern parallelisiert und arbeiten unabhängig voneinander. Dadurch können bis zu fünf Instruktionen pro Zyklus durchgeführt werden.

Das Einstiegsmodell 320 ist für Grafikarbeitsplätze konzipiert. Untergebracht im Desktop-Gehäuse, bietet es nach IBM-Angaben eine Rechenleistung von 27 Millionen Befehlen pro Sekunde (MIPS), der Hauptspeicher ist von acht auf 32 MB ausbaufähig, die interne Plattenkapazität liegt bei 640 MB. Zum Peripherieanschluß stehen vier Mikrokanalsteckplätze zur Verfügung. In der Server-Version werden fünf bis 50 Arbeitsplätze unterstützt.

Die Standmodelle 520 und 530 bieten bessere Ausbaumöglichkeiten als das Tischmodell. Modell 530 erreicht außerdem eine Leistung von 34 MIPS. Die Hauptspeicherkapazität variiert hier von 16 bis 128 MB die interne Plattenkapazität beträgt bis zu 128 MB es sind vier Mikrokanal-Steckplätze vorhanden. Beim Einsatz als Server können 25 bis 150 Terminals angeschlossen werden.

Das bisher leistungsstärkste Mitglied der neuen Rechnerfamilie ist Modell 540: Es erreicht 41 MIPS, der Hauptspeicher kann auf 256 MB aufgerüstet werden. Für höchste Grafikansprüche ist das Modell 730 gedacht. Die Ausbaufähigkeit entspricht hier den Modellen 520/ 530, jedoch gibt es sieben Mikrokanal-Slots und einen integrierten Hochleistungs-Grafikprozessor.

Das Schrankmodell 930 ist in erster Linie für den Einsatz als Server gedacht. Es kann in Sachen Peripherie auf bis zu 11,9 GB Plattenkapazität ausgebaut werden, der Anschluß von rund 500 asynchronen E/A-Einheiten ist zwar möglich, die typische Mehrplatzkonfiguration sollte nach IBM-Angaben aber im Bereich von 50 und 250 Bildschirmarbeitsplätzen liegen.

Zusätzlich stellte IBM die Xstation 120 vor, ein Terminal, das über Ethernet und Token-Ring mit allen Systemen, die das X-Window-Protokoll unterstützen, kommunizieren kann.

Mit den Geräten gibt IBM auch die neueste Version seines Unix-Derivates AIX frei. Diese Version 3 bietet durch Änderungen im Systemkern Echtzeitunterstützung, höhere Systemintegrität und mehr Datensicherheit. In Sachen Standards bekennt IBM sich hier zu IEEE Posix 1003.1, den Basisschnittstellen Unix System V.2 und V.3, zu Berkeley-Unix BSD 4.3 und zum X/Open Common Application Environment.

In Sachen Benutzerdialog zeigt die IBM mit den Workstations allem Anschein nach den Weg zu den Standards der Zukunft: Da wurde zum einen Motif, die Standard-Benutzerführung der Open Software Foundation (OSF) implementiert, zum anderen gibt es die "echte" grafische Benutzerführung Nextstep, die ursprünglich für Steve Jobs' Next-Computer entwickelt wurde. Außerdem wird für ASCII-Terminals noch die Benutzerführung JSB Multiview für AIX angeboten.

AIX Version 3 bietet darüber hinaus diverse Werkzeuge für Programmentwickler. Dazu zählen ein Programmverwaltungskonzept, an die Hardware angepaßte Compiler und diverse CASE-Tools, die von Drittanbietern dazukommen. Als Programmiersprachen stehen C, Fortran, Pascal, Cobol und Ada zur Verfügung. Erneuert hat die IBM auch ihre sogenannte "AIX-Familiendefinition". Sie soll jetzt einheitliche Schnittstellen hardwareübergreifend für AIX für PS/2-Rechner, AIX RT, AIX /370 und AIX für System /6000 bieten. Zu den Erweiterungen zählen unter anderem die Protokolle OSI, SNA LU 6.2 sowie ANSI Cobol und ANSI SQL.

Ein weiterer Aspekt, auf den IBM in Sachen AIX Wert legt, ist die Interoperabilität zwischen SAA und AIX. Beide Systemumgebungen sollen in Zukunft zusammenwirken. Verteilte Datenhaltung kann dann über SAA-konforme relationale Datenbanken und über das Network-File-System (NFS) erreicht werden.

Neue AlX-Version mit Echtzeitunterstützung

Durch die Übernahme von Präsentationsdiensten wie X-Windows und AIX-Windows in die SAA-Umgebung werden dort neue Funktionen zur Verfügung stehen. Weitere gemeinsame Sprachen und Protokolle, einschließlich Netzwerkmanagement zur Bildung einer einheitlichen Umgebung, werden demnächst definiert. Die Auslieferung der neuen Rechner wird nach IBM-Angaben im zweiten Quartal beginnen. Bis Jahresende soll die gesamte Produktpalette lieferbar sein. +