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Bieterschlacht um MCI eskaliert

01.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Übernahmeschlacht um den US-Carrier MCI bleibt interessant. Nachdem der zunächst unterlegene Interessent Qwest Communications den Konkurrenten Verizon Ende vergangener Woche mit einem überarbeiteten Angebot von acht Milliarden Dollar unter Druck gesetzt hat (Computerwoche.de berichtete), lieferten sich Manager der beiden Bieter nun einen öffentlichen Schlagabtausch. Ein Merger zwischen Qwest und MCI verfolge nicht die Interessen der Kunden, sagte Tom Tauke, Senior Vice President von Verizon, in einem Statement. Auch Aktionären und Gläubigern, die an einer längerfristigen Wertschöpfung interessiert seien, wäre mit dem Deal nicht gedient. Wegen der prekären Finanzsituation von Qwest würden die Partner nach einem Zusammenschluss voraussichtlich weniger Geld in das internationale Backbone-Netz investieren, erklärte Tauke.

Der Verizon-Manager konterte damit eine Stellungnahme des Qwest-CEO Richard Notebaert. Dieser hatte sich in einem Gespräch mit dem "Wall Street Journal" gegen eine Fusion von Verizon und MCI ausgesprochen. Diese käme den Kunden ebenso wenig zugute wie die Übernahme von AT&T durch SBC, erklärte Notebaert. Anstatt anschließend in mehreren Märkten miteinander zu konkurrieren, würden die beiden entstehenden TK-Riesen in erster Linie den kleineren Wettbewerbern das Leben schwer machen. Als Beispiel verwies der Qwest-CEO auf das besonders lukrative US-Behördengeschäft, das die zwei Top Player bei einem Okay der Regulierungsbehörden zu 79 Prozent kontrollieren würden.

Wie aus einer Präsentation auf der Firmen-Website hervorgeht, ist Qwest bei einer erfolgreichen Übernahme von MCI nicht gerade zimperlich: Der TK-Konzern zieht eine Streichung von 12.000 bis 15.000 Stellen in Erwägung, was 15 bis 18 Prozent der Gesamtbelegschaft entspricht. Mit diesen Maßnahmen will Qwest "Synergieeffekte" von jährlich bis zu 2,7 Milliarden oder insgesamt 14,8 Milliarden Dollar wahrnehmen. Zum Vergleich: Rivale Verizon, der bislang trotz eines Angebots von 6,75 Milliarden Dollar in bar und Aktien von MCI bevorzugt wird, rechnet im Falle der Übernahme mit dem Abbau von "nur" rund 7.000 Stellen. (mb)