Standard-iPhone-Apps ersetzen

Bessere Alternativen zu Mail, Kamera, Safari und Co.

Diego Wyllie hat Wirtschaftsinformatik an der TU München studiert und verbringt als Softwareentwickler und Fachautor viel Zeit mit Schreiben – entweder Programmcode für Web- und Mobile-Anwendungen oder Fachartikel rund um Softwarethemen.
Vorinstallierte iPhone-Apps kann man zwar nicht löschen, doch im App Store finden sich oft bessere Alternativen. Im Folgenden ein Überblick über die besten Alternativen zu den Standard-iPhone-Apps von Apple.
Foto: aey, Fotolia.com

Das iPhone kommt mit über 20 vorinstallierten Apps, die von Apple selbst designt und entwickelt wurden. Über die Qualität dieser Anwendungen kann man eigentlich nicht meckern. Doch unter den fast einer Million Apps, die mittlerweile im App Store zum Download bereit stehen, können iPhone-Anwender für Mail, Kamera, Musik, Safari und Co. Alternativen finden, die besser, einfacher oder überraschend anders sind als die Apps aus Cupertino.

Auf den folgenden Seiten stellen wir die besten Alternativen für die wichtigsten Standard-iPhone-Apps vor. So unterschiedlich diese Programme hinsichtlich Funktionalität, Einsatzszenario und Preis sind, so haben sie eines gemeinsam: Sie alle sind für iOS 7 und für das größere Display des iPhone 5 optimiert.

Statt Kamera: Camera+

Foto: Diego Wyllie

"Camera+” zählt mit über 10 Millionen Downloads weltweit zu den populärsten Kamera-Apps im App Store. Die Anwendungsoberfläche ist schick und elegant, während die Bedienung selbst für Laien kinderleicht sein dürfte. Was diese App jedoch so beliebt macht, ist die Tatsache, dass damit wohl jeder wirklich tolle Fotos schießen kann. Dafür sorgen eine Reihe nützlicher Features, die man bei der Standard-App vergeblich sucht. Dazu zählen unter anderem eine Gitternetzansicht, um Elemente auf dem Bild besser platzieren zu können, ein sechsfacher Digital-Zoom, ein digitaler Bildstabilisator, eine Auslöseverzögerung von fünf Sekunden, sowie die Möglichkeit, Fotoserien aufzunehmen.

Besonders praktisch und für Profis ein Muss: Durch gleichzeitiges Tippen mit zwei Fingern auf beliebige Stellen im Bild kann man Fokus und Belichtung getrennt voneinander einstellen. Die Fotos lassen sich anschließend mit zahlreichen Spezialeffekten und Filtern bearbeiten. Wenn das Bild fertig ist, kann man es unter anderem via Twitter, Facebook und E-Mail mit Freunden und Familie teilen.

Preis: Camera+ kostet 1,79 Euro (Download).

Statt Fotos: SnapSeed

Foto: Diego Wyllie

Die Fotos-App dient als zentraler Ablageort für Fotos und Bilder auf dem iPhone. Als mobiles Bildbearbeitungsprogramm lässt sie allerdings viel zu wünschen übrig. Kein Wunder also, dass in der Kategorie Foto und Video des App Stores so viele entsprechende kleine Foto-Helfer zu finden sind. Eins der besten davon dürfte "SnapSeed” sein. Die App besticht mit einem durchdachten Userinterface und mit zahlreichen Editiermöglichkeiten. Dass der Internet-Riese Google letztes Jahr Nik Software, die Softwareschmiede, die die App entwickelt hat, übernommen hat, ist ein Beleg für die überdurchschnittliche Qualität der App.

Überzeugen kann SnapSeed in erster Linie mit zahlreichen professionellen Effekten und Werkzeugen, die sich intuitiv per Touch-Gesten einsetzen lassen. Zu den zentralen Funktionen zählen unter anderem Autokorrektur, selektive Anpassung, Ausrichten und Drehen, Feinabstimmung, und Beschneiden.

Preis: Seitdem Google die App übernommen hat steht sie kostenlos zur Verfügung (Download).

Statt Musik: Djay

Foto: Diego Wyllie

Die vorinstallierte Musik-App des iPhone ist eigentlich sehr gut gelungen. Sowohl was Funktionalität als auch Design angeht: Die App macht einen rundum guten Eindruck. Wer jedoch Wert auf eine besondere Benutzererfahrung legt, der sollte "Djay” ausprobieren.

Die App wurde von der Münchner Softwareschmiede Algoriddim entwickelt. Sie verwandelt das iPhone in einen virtuellen Plattenspieler und bietet Zugriff auf die Musiksammlung der Musik-App. Sie kommt in einem detailreichen und realistischen Outfit daher, das sofort ins Auge sticht. In Kombination mit der direkten Reaktionszeit, den vielen leistungsfähigen Effekten, und der exzellenten Audioqualität ermöglicht die Anwendung ein natürliches Mix-Erlebnis, das selbst professionelle DJs zufrieden stellt.

Preis: Djay 2 für iPhone kostet 1,79 Euro (Download).

Statt Safari: Google Chrome

Foto: Diego Wyllie

Wenn es um mobilen Internet-Traffic und mobile Web-Browser geht, ist Safari nach wie vor der eindeutige Gewinner. Nach aktuellen Statistiken nutzen sage und schreibe 61 Prozent der mobilen Internet-Nutzer den Browser aus Cupertino. Der Android-Browser, der an zweiter Stelle steht, wird von nur knapp 22 Prozent der Nutzer verwendet. Im Desktop-Bereich zeichnet sich allerdings ein komplett anderes Bild. Hier ist Google Chrome der am meisten genutzte Browser. Seit gut einem Jahr können iPhone-Nutzer, die auf dem Desktop-PC Chrome verwenden, auch unterwegs auf Safari verzichten. Der mobile Chrome-Browser für iPhone synchronisiert offene Tabs, Lesezeichen, Passwörter und mehr mit der Desktop-Version. Ein weiteres, nettes Features besteht darin, dass man Tabs wie Spielkarten auffächern und überfliegen kann.

Preis: Chrome für iOS ist kostenlos erhältlich (Download).

Statt Karten: Google Maps

Foto: Diego Wyllie

Eine weitere vorinstallierte iPhone-App, die man mit einem Google-Produkt ersetzen kann, ist Karten. Seit dem Start des iPhone vor über sechs Jahren war Googles Kartendienst fest installiert. Da es sich hier jedoch um einen strategisch wichtigen Service handelt, hat Apple in September 2012, bei der Einführung von iOS 6, den Google-Dienst durch seine eigene Kartenanwendung ersetzt. Der Start von Apples Kartendienst war ein Fiasko. Im Laufe des letzten Jahres hat die App allerdings 35 Millionen neue Nutzer gewinnen können und ist damit heutzutage beliebter als die Google-Alternative. Zwischen beiden Lösungen gibt es mittlerweile kaum Unterschiede, sowohl was die Datenqualität als auch was die Benutzererfahrung betrifft. Wenn es eine Alternative zu Apples eigener Karten-App gibt, dann Google Maps. Ob man sich für die eine oder andere App entscheidet, dürfte letztlich Geschmackssache sein.

Preis: Wie bei den meisten Produkten des Internet-Giganten üblich, ist auch Google Maps für iOS kostenlos verfügbar (Download).

Statt Mail: Evomail

Foto: Diego Wyllie

Das E-Mail-Programm des iPhone ist eine der wichtigsten und am meisten verwendeten Apps überhaupt. Vor diesem Hintergrund muss eine Alternative wirklich gut sein. Neben Gmail ist Sparrow eine beliebte E-Mail-Lösung, die dieses Potenzial hat, das Original zu ersetzen. Nachdem sie aber durch Google übernommen und ihre Entwicklung eingestellt wurde, kann man sie mittlerweile nicht mehr empfehlen, wenngleich sie weiter im App Store verkauft wird. "Evomail” ist eine weitere interessante Option, die vor allem mit einer modernen, auf Touch-Gesten basierenden Benutzererfahrung aufwarten kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die angebotene Flexibilität. So ist Evomail nicht nur mit den populären E-Mail-Diensten von Google, Yahoo und iCloud kompatibel, sondern auch mit jedem weiteren Standard-E-Mail-Dienst.

Preis: Evomail ist kostenlos erhältlich (Download).

Statt Kontakte: Contacts+

Foto: Diego Wyllie

Nachdem "Contacts+” auf dem Android-Markt über vier Millionen Anwender überzeugen konnte, ist diese schlichte, aber gleichzeitig funktionsreiche Kontakt-App letzten Sommer im App Store erschienen. Sie kann Apples eigene Kontakt-App problemlos ersetzen und stellt zusätzliche Features parat, die einen echten Mehrwert bieten. So ist mit der App aus Palo Alto möglich, Kontaktdaten aus Twitter, Facebook und LinkedIn unter einen Hut zu bringen. In der Detailansicht eines Kontakts werden dann nicht nur seine Adresse, Telefonnummer, E-Mails und so weiter angezeigt, sondern auch seine letzten Tweets, sein Facebook-Profilbild und seine LinkedIn-Posts.

Preis: Contacts+ ist kostenlos erhältlich (Download).

Statt Kalender und Erinnerungen: Fantastical

Foto: Diego Wyllie

"Fantastical” von der Softwareschmiede Flexibits aus Kalifornien dient als eine erstklassige Alternative zu den Kalender- und Erinnerungen-Apps des iPhone. Ein besonderes Merkmal der App ist die textbasierte, intelligente Eingabe von Terminen und Aufgaben. Schreibt man beispielsweise "Meeting mit Klaus am Freitag um 08:00 im Büro”, so erkennt das Programm Standort, Anfangs- und Endzeiten, etc. automatisch. Dank der Diktierfunktion moderner iPhones können User die Details eines Ereignisses auch ansagen. Darüber hinaus besticht die App mit einer modernen und durchdachten Anwendungsoberfläche, die ebenfalls zur hohen Usability der Software beiträgt. Die aktuelle Version 2 wurde speziell für iOS 7 optimiert.

Preis: Fantastical 2 für iPhone kostet 3,99 Euro (Download).

Statt Notizen: Simplenote

Foto: Diego Wyllie

"Simplenote” ist eine minimalistische Notizen-Anwendung, die ihrem Namen alle Ehre macht. Hinter der App steht die Firma Autommatic. Das ist die Softwareschmiede, die populäre Web-Anwendungen wie Akismet, Polldaddy und allen voran die quelloffene Blog-Software Wordpress hervorgebracht hat. Gegenüber der ebenfalls extrem schlicht gehaltenen Apple-App kann Simplenote mit nützlichen Synchronisierungsfunktionen punkten. Denn die App ist nicht nur mit iPhone, sondern auch mit Mac OS X, Android und Kindle kompatibel. Notizen lassen sich über alle registrierten Geräte hinweg synchronisieren. An einer Notiz können zudem mehrere Anwender gemeinsam arbeiten. Die Änderungen werden sofort für jedes Teammitglied sichtbar. Ebenfalls praktisch: Mithilfe von Tags lassen sich Notizen flexibel organisieren.

Preis: Simplenote wird kostenlos angeboten (Download).

Statt Wetter: Yahoo Weather!

Foto: Diego Wyllie

Die Wetterdaten bei der fest installierten Wetter-App des iPhone werden von Yahoo geliefert. In April dieses Jahres hat die Internet-Company eine eigene App auf den Markt gebracht, die auf die gleichen Serverdaten zurückgreift, diese aber in einem besseren, schöneren und vor allem durchdachteren Userinterface präsentiert. Bei "Yahoo Weather!” stehen Funktionalität, Design und Usability im Einklang. Nicht umsonst hat Yahoo damit einen der begehrten Apple Design Awards abgreifen können. Eins der besten Features der App besteht darin, dass sie tolle Bilder aus Flickr, Yahoos eigenem Foto-Sharing-Dienst, in die Benutzeroberfläche integriert, die passend zum aktuellen Wetter und Aufenthaltsort ausgewählt werden.

Preis: Yahoo Weather ist kostenlos verfügbar (Download).

Statt Aktien: Bloomberg

Foto: Diego Wyllie

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg bietet eine rundum gelungene App für das iPhone, die tagesaktuelle News und Nachrichten rund um Märkte, Aktien, Anleihen, Währungen und Börsen aus aller Welt liefert. Damit kann sie die Standard-Aktien-App problemlos ersetzen. Die Mischung aus heißen Finanz-News und diversen statistischen Börsendaten, die kontinuierlich aktualisiert werden, machen die App ideal für Anleger, die immer auf dem Laufenden bleiben möchten. Nutzer werden sicher auch die Möglichkeit zu schätzen wissen, eigene Aktien in der App übersichtlich auflisten und Wertpapiere schnell suchen zu können.

Preis: Die Bloomberg-App ist kostenlos verfügbar (Download).

Statt Rechner: PCalc

Foto: Diego Wyllie

Wer mit dem iPhone-Rechner etwas komplexere Rechnungen machen möchten, der stößt schnell an seine Grenzen. Da empfiehlt sich der Einsatz eines wissenschaftlichen Taschenrechners mit mehr Funktionalität. Das Problem ist, dass das Angebot an diesen Tools im App Store undurchsichtig und kaum zu durchschauen ist. Auf viele dieser Apps - vor allem dann, wenn sie kostenlos angeboten werden - können anspruchsvolle Anwender allerdings getrost verzichten. Eine positive Ausnahme ist "PCalc”. Die App wartet mit einem eleganten Interface-Design und mit einigen praktischen Features wie etwa integrierten Konvertierungsfunktionen auf.

Preis: Die Basis-Version von PCalc ist kostenlos erhältlich (Download). Als In-App-Käufe werden weiterführende Features angeboten, zum Beispiel ein Modul für die Rechnung mit binären Zahlen oder weitere Design-Vorlagen. Die Vollversion für Profis kostet knapp neun Euro (Download).