Kommentar

Besser virtualisieren als verbietenKommentar

Christoph Witte ist freier Publizist und Kommunikationsberater.

Manchmal liegen Problemlösungen viel zu nahe, um sie zu bemerken. So wird Virtualisierung immer als ein Mittel zur Kosten- reduktion gesehen. Viel seltener wird diskutiert, dass vor allem Desktop-Virtualisierung ein Mittel sein kann, um die Produktionsumgebungen auf Firmen-PCs und -Laptops von störenden Einflüssen privater Applikationen frei zu halten.

Mitarbeiter nutzen ihre Rechner für viele Dinge. Vor allem auf Laptops finden sich etliche Programme, die von der zentralen IT weder installiert noch genehmigt worden sind geschweige denn unterstützt werden - allen voran Kommunikationssoftware, aber auch private Bildsammlungen, Musik, Spiele und kleine Werkzeuge, die den Mitarbeitern helfen, ihren Job zu machen. Wer schon einmal gesehen hat, was beispielsweise Google Desktop einer Windows-Umgebung antun kann, braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie schwierig es für den Support wird, plötzlich auftauchende Fehlfunktionen zu beheben.

Das Aufspielen von Software zu verbieten, die nicht von der zentralen IT genehmigt worden ist, ergibt heute nur noch wenig Sinn. Zum einen handelt es sich mitunter um wirklich pfiffige Programme aus dem Netz, die ein ganz bestimmtes Problem lösen. Aus der Nutzerperspektive rechtfertigt die Lösung die Eigeninitiative. Auch aus der Sicht des Unternehmens ist sie sinnvoll, kann der Mitarbeiter doch mit der unautorisierten Software effektiver arbeiten. "Nur" die IT hat damit ein Problem. Aber vor allem jungen Mitarbeitern, die eine Berufswelt ohne Internet gar nicht mehr kennen, ist nicht mehr zu erklären, warum sie ihren Firmen-Laptop nur für geschäftliche Anwendungen nutzen dürfen.

Also muss sich die IT umstellen und auf das konzentrieren, was sie kontrollieren kann. Das sind die Frontends der Enterprise-Anwendungen, das unternehmensweite E-Mail-Programm und die Verbindungen ins Unternehmensnetz. Hier kann Desktop-Virtualisierung wertvolle Dienste leisten. Dabei läuft das Client-Betriebssystem inklusive aller Unternehmensanwendungen in einer virtuellen Maschine auf dem Server. Für jeden Mitarbeiter existiert im Backend ein virtueller Arbeitsplatzrechner. Die Programme und Daten, die er sonst noch zu benötigen glaubt, bleiben lokal und beeinflussen den virtuellen Desktop nicht.

Zwar sind Lösungen zur Offline-Arbeit noch Mangelware. Und die Übertragung der Daten dauert bei schmalen Verbindungen zwischen Server und Client oft noch zu lang. Aber der Ansatz, Arbeitsumgebungen als virtuelle Desktops aufzusetzen, verspricht auf jeden Fall mehr Erfolg als der Versuch, private Software auf Firmenrechnern zu verbieten.

Weitere Meinungsbeiträge und kurze Analysen zu aktuellen Themen finden sich im Blog des Autors unter: www.wittes-welt.eu/blog.