Spass am PC

Besser als Big Brother

14.04.2000 | von Cornelius Storm
Hassen Sie manchmal Ihren PC? Zeit für eine vertrauensbildende Maßnahme: ein flottes Computerspiel. Von Cornelius Storm*

Die Sims

Der PC, das geheimnisvolle Wesen. Tagsüber rechnet er unschuldig mit Excel-Stylesheets oder spult brav Access-Präsentationen ab. Dabei kann er bei leicht veränderter Fütterung noch viel mehr: Schieben Sie ihm eine Spiele-CD ins hungrige Laufwerk und schon kann der Fernseher einpacken - wer schaut schon Big Brother, wenn man imPC-Spiel "Die Sims" die eigene Chaos-WG heranzüchten kann?

Computerspiele sind gesellschaftlich nicht gerade akzeptiert, da üble Ballerorgien immer wieder für negative Schlagzeilen in der Boulevardpresse sorgen. Zum Glück gibt es Programme, die nicht nur schön und friedlich sind, sondern auch noch einen Heidenspaß machen: Die Sims sind eine Mischung aus Seifenoper und Strategiespiel. Zu Beginn erschaffen Sie ein Alter Ego, indem Sie grundlegende Charaktereigenschaften, Aussehen und Geschlecht festlegen.

Dann beginnt der Ernst des Lebens: Ein Haus will erstanden und eingerichtet werden. Ihre Figur zieht ein und begutachtet erst einmal das Interieur. Wenn Sie etwa am Fernseher gespart haben, sinkt möglicherweise der Glücklichkeitswert des Computermenschen, und Sie dürfen sehen, wie Sie das wieder hinbiegen. Vielleicht bringt ein schöner Matisse an der Wohnzimmerwand die Stimmung wieder ins Lot? Da solche Extravaganzen natürlich bezahlt werden müssen, sollten Sie Ihrer Figur rasch einen Job suchen. Dabei stehen vom Mediziner bis zum Astronauten zehn verschiedene Karrierezweige zur Verfügung. Da alles nur ein Spiel ist, können Sie´s dabei durchaus vom Krankenpfleger zum Klinikchef bringen: Leistung lohnt sich.

Hardware: Die Sims fühlen sich ab einem Windows-PC mit Pentium II-300-Prozessor und 64 MByte RAM wohl. Eine spezielle 3D-Karte ist nicht nötig. Auch auf Notebooks mit Farbdisplay kommt das Spiel zurecht.

Hersteller Electronic Arts

Preis etwa 90 Mark

Superbike 2000

Ein klassischer Männertraum: Mit einem schweren Motorrad durch die Gegend brettern. Da nicht jeder Zeit und Gelegenheit zu solchen Ausritten hat, will ein PC-Spiel wenigstens auf dem Bildschirm als Ersatzbefriedigung dienen: Bei Superbikes 2000 jagen Sie mit einer mächtigen Maschine der 1000-Kubik-Klasse über die Originalstrecken des amerikanischen Superbike-Wettbewerbs. Die Entwickler haben die Fahrphysik sehr realistisch umgesetzt, Besitzer eines Führerscheins der Klasse A dürften sich zu Hause fühlen.

Aber auch, wenn Sie in Sachen Motorsport eher unbeleckt sind, können Sie viel Spaß haben, falls Sie bereit sind, ein wenig Übungszeit zu investieren. Jedes Rennen besteht aus einer Qualifikation (wie in der Formel 1) und zwei Läufen, deren Ergebnisse miteinander verrechnet werden. Durch die fachkundigen Bemerkungen eines Kommentators kommt sogar ein wenig Sportübertragungs-Flair auf. Falls Sie nicht allein auf die Piste wollen, können Sie auch gegen einen menschlichen Mitspieler fahren. Dazu wird der Bildschirm horizontal geteilt, damit beide gut sehen können.

Hardware: Die Superbikes brauchen ordentlich Hubraum. Ein Pentium III-500 mit 3D-Karte und 64 MByte RAM sollte es schon sein. Ein Notebook-Einsatz ist nicht zu empfehlen.

Hersteller EA Sports

Preis etwa 90 Mark

You don’t know Jack 3

Wer kennt das nicht? Acht Uhr abends, die Party hat noch nicht begonnen, aber die üblichen Zu-früh-Kommer sind schon da. Wenn Sie nicht schon alle Smalltalk-Themen vorzeitig verschießen wollen, gibt es einen Ausweg: Kurz den PC hoch fahren und "You don´t know Jack 3" starten. Diese virtuelle Quizshow strotzt nur so vor absurd-schrägem Humor, der auch notorische Computerspiel-Muffel schnell zu ekstatischen Knobelfans mutieren lässt.

Ein glänzend sprechender Moderator stellt den bis zu drei Mitspielern abgedrehte Fragen. Punkte bekommt, wer sich als erster für die richtige von vier möglichen Antworten entscheidet. Schon die Kategorien sind einigermaßen skurril: Statt Politik oder Geschichte wählen Sie aus Rubriken wie "Dinge mit Kruste" "Harte Kerls & weiche Bärchen". Zwischen den Fragerunden absolvieren Sie spaßige Extra-Spielchen - beim Bleifuß-Quiz beispielsweise erscheinen ständig Begriffe auf dem Schirm, und Sie müssen schnell drücken, falls er zu zwei vorgegebenen Sätzen passt. Ein Tastendruck beim falschen Wort bewirkt, dass Ihnen ein Gummihuhn ins Gesicht fliegt, rein virtuell natürlich.

Hardware: YDKJ 3 läuft ab einem Rechner mit Windows 95/ 98, Pentium-233-Prozessor und 32 MByte. Eine 3D-Karte ist unnötig. Falls Ihr Notebook gute Boxen hat, ist der Einsatz auch darauf problemlos möglich.

Hersteller Take 2

Preis etwa 80 Mark

SWAT 3

Obwohl in SWAT 3 Einsätze von Anti-Terror-Teams simuliert werden, sind Rambos fehl am Platz: Die Gegner sollen möglichst unblutig festgenommen werden. Nur in Ausnahmefällen müssen Sie die Waffe wirklich einsetzen, meist kommen Sie mit Tränengas und Blendgranaten aus. Eine gewaltlos beendete Mission bringt Extrapunkte. SWAT 3 ist ein Actionspiel. Sie gehen selbst als Anführer eines Vier-Mann-Teams in den Einsatz, wobei Sie das Geschehen aus der Ich-Perspektive sehen.

Ein Spiel für Fortgeschrittene

Die Steuerung Ihrer Kollegen übernimmt der Computer, allerdings können Sie den Jungs zusätzliche Befehle geben. Wenn die Kollegen nicht in der Nähe sind, lässt sich ihre Sicht in einem Zusatzfenster einblenden. Meistens geht es darum, Geiseln aus besetzten Häusern zu befreien. Zuweilen können Sie vorher den Grundriss des Gebäudes zwecks besserer Planung einsehen, manchmal müssen Sie sich direkt vor Ort orientieren. Vorsicht: An SWAT 3 sollten sich nur fortgeschrittene Spieler wagen, die spannenden Einsätze sind nicht leicht zu bestehen.

Hardware: SWAT 3 läuft gut auf einem Pentium II-300 mit Windows 95/98 und 32 MByte RAM. Eine 3D-Karte ist nicht notwendig, aber sehr zu empfehlen. Auf Notebooks ist SWAT 3 leider kein Spaß.

Hersteller Sierra

Preis etwa 90 Mark

*Cornelius Storm ist freier Journalist in München.