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Bertelsmann setzt auf Napster

04.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bertelsmann will die MP3-Musikbörse Napster zur zentralen Medienplattform für seine digitalen Angebote ausbauen. Andreas Schmidt, Vorstandschef der Bertelsmann E-Commerce Group, setzt dabei vor allem auf den hohen Bekanntheitsgrad des Online-Dienstes. "Es gibt sehr wenige globale Marken, die in kürzester Zeit eine solche Bekanntheit erreicht haben", sagte Schmidt auf dem Deutschen Multimedia Kongress in Stuttgart. "Das ist für uns eine entscheidende Weichenstellung. Wir wollen künftig alle Medienangebote digitalisieren und auf Plattformen zur Verfügung stellen", so der Vorstandschef weiter.

Dafür will der Konzern auch andere Unternehmen mit ins Boot holen. Im Sommer dieses Jahres soll das neue legale und gebührenpflichtige Napster-Modell an den Start gehen. Daran würde zumindest die Allianz MusicNet, an der außer Bertelsmann auch die Konzerne AOL Time Warner und EMI mitwirken, beteiligt sein. Nach Möglichkeit sollen auch andere Partner hinzukommen. MusicNet sei von der vor kurzem gescheiterten Fusion zwischen der Bertelsmann Music Group (BMG) und EMI nicht berührt, sagte Schmidt. Der Kunde sei nicht daran interessiert, ob die Musik von Universal oder Bertelsmann kommt, sondern ob er Madonna oder Britney Spears hören kann.

Nach Ansicht von Schmidt steht die Musikindustrie unter Zeitdruck. Immer mehr Nutzer würden endgültig in die Illegalität abwandern. Über den neuen Abonnentenservice, der den Schutz der Urheberrechte gewährleisten soll, will der Gütersloher Konzern künftig auch Filme und Bücher anbieten. Das Mitgliedsmodell ist laut Schmidt bereits durch die traditionellen Buch-Clubs des Konzerns bekannt: "Bertelsmann ist zurück bei seinen Wurzeln." Die E-Commerce-Group rechnet in diesem Jahr mit einen Umsatz von 2,5 Milliarden Mark. Davon sollen mindestens 35 Prozent über den rein elektronischen Handel erwirtschaftet werden.