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Bericht über SAP treibt Aktienkurs von Commerce One in den Keller

17.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Aufgrund eines Zeitungsberichts ist die Aktie der kalifornischen Softwareschmiede Commerce One am gestrigen Mittwoch um 30,6 Prozent auf 2,68 Dollar abgestürzt. Die britische Zeitung "Financial Times" hatte sich noch einmal das Thema der veränderten Partnerschaft zwischen der SAP AG und Commerce One vorgenommen. So wurde Hasso Plattner, Chef des Walldorfer Unternehmens, mit den Worten zitiert, er habe Commerce-One-Chef Mark Hoffman dazu aufgefordert, künftig auch unabhängig von SAP seinem Geschäft nachzugehen.

Dass sich die beiden Unternehmen voneinander lösen, ist jedoch nicht neu. Bereits vor Weihnachten hatten sie ihre Zusammenarbeit eingeschränkt: Das Cross-Selling der "Enterprise-Buyer"-Produktlinien wurde eingestellt (siehe COMPUTERWOCHE, Ausgabe 51/52 vom 21. Dezember 2001). Enterprise Buyer gibt es in zwei Ausprägungen: die Professional-Version stammt von SAP, die Desktop-Variante von Commerce One. Desktop zielte ursprünglich auf die Beschaffung indirekter Güter und MRO-Produkte (Maintenance, Repair and Office), Professional auf die stärker in das Backend eingebundene Beschaffung direkter Güter. Letztere Lösung ist nun Bestandteil der neuen SAP-Lösung "Mysap SRM" (Supplier Relationship Management), die die Walldorfer vor kurzem vorstellten (Computerwoche online berichtete). Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die SAP auf der E-Procurement- und

Sourcing-Seite in direkte Konkurrenz zum Partner und dessen Anwendung "Commerce One Source" gehen würde.

Die strategische Partnerschaft, so hatten beide Seiten immer wieder betont, bleibe jedoch bestehen. Schließlich besitzt SAP nach wie vor 20 Prozent an der kalifornischen Softwareschmiede. Wie Peter Graf, Vice President Marketing bei SAP Markets, gegenüber der COMPUTERWOCHE ausführte, habe man daher ein Interesse daran, dass Commerce One wirtschaftlich erfolgreich ist. Hasso Plattner richtete sich in Anbetracht der jüngsten Medienberichte erneut an die Öffentlichkeit: "SAP und Commerce One setzen die strategische Entwicklung der Marktplatzlösungen sowie der Business-to-Business-Integration fort. Der Erfolg von Commerce One als ein unabhängiges Unternehmen ist sowohl für Commerce One als auch für SAP/SAP Markets von Vorteil."

Dass das gemeinsam entwickelte Online-Marktplatz-Produkt "Marketset" auch in Zukunft von beiden Unternehmen weiter vertrieben wird, stand nie zur Debatte. Nur zusätzliche Weiterentwicklungen sind nicht geplant. "Unsere Zusammenarbeit mit Commerce One hat sich nicht verändert. Was sich verändert hat, ist der Markt", erklärte SAP-Sprecherin Doyle Kelly. Vor zwei Jahren habe man noch gedacht, Online-Handelsplattformen würden den Markt erobern. Inzwischen seien die Kunden aber kaum noch daran interessiert.

Im Rahmen der Partnerschaft mit Commerce One waren 17 gemeinsame Entwicklungsteams an den kalifornischen Standorten Palo Alto, Pleasanton und Cupertino entstanden. Mit Marketset wollten SAP und Commerce One gegen die damalige Produktallianz IBM, Ariba und i2 Technologies antreten. Diese löste sich bereits im Mai 2001 aufgrund der mangelnden Nachfrage nach Marktplatzlösungen auf. Statt dessen konzentrierten sich die drei Unternehmen auf eigenständige Anwendungen für die Beschaffung, das Supply Chain Management sowie Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR).

Für die Kunden von Commerce One und SAP, die Marketset bereits einsetzen, werde sich nichts ändern, verspricht Kelly. Es gehe schließlich nicht darum, bestehende Entwicklungen rückgängig zu machen, sondern die Zukunft neu zu gestalten. Die SAP-Sprecherin rechnet damit, dass die Kunden sich künftig mehr auf interne Marktplätze konzentrieren werden: "Obwohl sie sich für Handelsplattformen interessieren, geht es nicht unbedingt darum, den Partnern alle Türen zu öffnen. Es geht vielmehr um eine Optimierung der internen Austauschprozesse." (ka)