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Bericht: 635 Dienstleistungs-Jobs in Schweinfurt in Gefahr

04.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einem Bericht der Würzburger "Mainpost" zufolge wird es in den nächsten Monaten in Schweinfurt zu einem weiteren massiven Stellenabbau kommen. Bei den Dienstleistern IBM und PD Logistics seien insgesamt 635 Arbeitsplätze gefährdet, heißt es.

Beide Unternehmen gingen in der Vergangenheit aus FAG Kugelfischer hervor. Nachdem der Wälzlagerkonzern 1993 in eine massive Krise geraten war, wurde zunächst der gesamte EDV-Bereich in eine eigene Gesellschaft ausgelagert, die heute komplett zu IBM gehört. Ende der 90er Jahre ging dann die Logistik in einer gemeinsamen Firma von FAG und Microlog, der PD Logistics, auf.

Gestern wurden der Zeitung zufolge die 500 in Schweinfurt bei IBM Beschäftigten darüber informiert, dass ihre Firma in zwei eigenständige Unternehmen aufgeteilt werden soll. 170 Beschäftigte der reinen Software-Betreuung sollen bleiben, 330 vor allem aus der Hardware zu Ende September gehen. Bis dahin sollen sie nach Angaben eines Betriebsrat Arbeitnehmer in China, Tschechien und Ungarn einarbeiten, die später ihre Jobs übernehmen. IBM habe seine Pläne mit den "veränderten Bedürfnissen von Kunden" begründet. Gespräche mit den Gremien werde es nächste Woche geben. Die IG Metall habe aus einer Infoveranstaltung berichtet, dass die Argumente des Managements "nicht nachvollziehbar" gewesen seien.

FAG erklärte, es werde den Vertrag mit PD Logistics aufkündigen. Davon sind allein in Schweinfurt rund 300 Arbeitsplätze betroffen. Die Beschäftigten haben deswegen ihre Arbeit weitgehend niedergelegt. Die Kündigung wird damit begründet, dass INA und FAG künftig Lager und Versand gemeinsam abwickeln wollen und der Neubau eines Logistikzentrums im Raum Saarland/Rheinland wirtschaftliche Vorteile bringe. Eine Verlagerung ins Ausland wäre noch eine wesentlich kostengünstigere Lösung gewesen. Die jetzt getroffene Entscheidung bezeichnte der Konzern als "deutliches Bekenntnis zum Standort Deutschland". Der FAG-Vorstand habe angeboten, mit dem PD-Mehrheitsgesellschafter Microlog und dem Betriebsrat nach "möglichst sozialverträglichen Lösungen" zu suchen.

IBM Schweinfurt hatte sich laut "Mainpost" als eigenständige Gesellschaft rasant entwickelt und EDV-Dienstleistungen für eine Reihe namhafter deutscher Unternehmen übernommen. Im Jahr 2001 ging die GmbH, die damals 1000 Beschäftigte zählte und 200 Millionen Euro Umsatz auswies, in den IBM Business Services mit insgesamt 3000 Mitarbeitern auf. Vor zwei Jahren hat diese Gesellschaft die Informationstechnologie der Deutschen Bank und damit weitere 900 Mitarbeiter übernommen. Spätestens seitdem zeichnete sich ab, dass zu viele Mitarbeiter an Bord seien, zitiert das Blatt den Sprecher des Wirtschaftsausschusses, Betriebsrat Michael Bangert. Die gestern verkündigte Entscheidung nannte Bangert "einen Hammer" und kritisierte, dass die IBM-Führung "keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt" habe. (tc)