Beratungshäuser stellen weiterhin ein

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
600 neue Mitarbeiter will Capgemini in diesem Jahr engagieren. Der Kampf um gute Köpfe wird sich in der Consulting-Branche verschärfen.

Hört man sich bei den hiesigen Strategie- und Management-Beratungen um, so wollen sie alle einstellen. Egal ob Capgemini, McKinsey, Booz Allen Hamilton, Arthur D. Little oder Steria Mummert und Partner – sie alle strecken ihre Fühler nach hochkarätigen Betriebswirtschaftlern, Naturwissenschaftlern und Informatikern aus. Auch Ingenieure stehen hoch im Kurs. Das Problem ist nur, alle Arbeitgeber fischen im selben Teich. „Natürlich ist der Kampf um die besten Köpfe längst entbrannt“, bestätigt Stefan Eikelmann, der bei Booz Allen Hamilton für Personal verantwortliche Geschäftsführer.

Jährlich 22.000 Bewerbungen

Das liege unter anderem daran, dass die Industrieunternehmen sich durch die Installierung interner Beratungsstäbe verstärkt zu Wettbewerbern entwickelt hätten. Michael Kleer, Direktor und Mitglied der Executive Group bei Arthur D. Little und verantwortlich für den HR-Bereich, sieht seine Rekrutierungsprobleme weniger mit den Hochschulabsolventen als mit Profis: „Diese Hochkaräter können derzeit aus mehreren Angeboten das beste aussuchen.“

Dirk Lippold, Capgemini: "Alle neuen Mitarbeiter werden geschult."
Dirk Lippold, Capgemini: "Alle neuen Mitarbeiter werden geschult."

Dass die Suche nach neuen Leuten im vergangenen Jahr keine Eintagsfliege war, beweist Capgemini. Die internationale Management-Beratung will allein in Deutschland 600 neue Mitarbeiter einstellen, nachdem schon im vergangenen Jahr 500 an Bord kamen. Geschäftsführer Dirk Lippold: „Unser Unternehmen rüstet personell weiter auf.“ Zu gleichen Teilen gesucht werden berufserfahrene Strategie- und IT-Berater sowie Softwareingenieure. Obwohl der Kampf um die Talente nicht einfach sein wird, ist Lippold überzeugt, dass sein Unternehmen die Nase vorn haben wird. Dafür sprechen seiner Ansicht nach die vielen Rekrutierungs-Aktivitäten des Unternehmens sowie die jährlichen 22 000 Bewerbungen, von denen immerhin die Hälfte Initiativbewerbungen sind. Erklärt der Berater: „Im letzten Jahren haben wir mit einem Zehntel der Kandidaten gesprochen. Eingestellt wurden dann die erwähnten 500 Mitarbeiter.“

Für den Management- und IT-Beratungszweig der Gruppe benötigt das Unternehmen 250 Strategie-, Prozess- und Applikationsberater sowie Branchenfachleute. Um eingestellt zu werden, müssen die Kandidaten laut Lippold einiges vorweisen können: „Von den potenziellen Consultants erwarten wir einen sehr guten Hochschulabschluss, praktische Erfahrungen sowie gute Englisch-Kenntnisse. Dazu kommen hohe Mobilität und Flexibilität, hervorragende soziale Kompetenzen sowie Eloquenz – ohne dabei überheblich zu wirken.“ Um den Newcomern den letzten Schliff zu geben, werden sie in einem internen Schulungscenter trainiert. Lippold: „Damit die neuen Mitarbeiter nach dieser Qualifizierung nicht in der großen Capgemini-Organisation verloren gehen, stehen ihnen später Kollegen als eine Art Mentor zur Seite. Unsere Newcomer sollen sich wohlfühlen, das gehört zur Unternehmenskultur.“

Mentoren begleiten Einsteiger

Dieses Wohlgefühl hat Hae-Kyung Park, die jetzt als Strategieberaterin tätig ist, 2006 erfahren: „Ich wurde von Anfang an gut betreut. Das fing mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch an und setzte sich mit meiner Mentorin und der späteren Fortbildung fort.“ Newcomer werden zunächst drei Monate lang für die Beratungs- und Projektarbeit qualifiziert. Auf dem Programm stehen unter anderem kleinere Projekte und Studien. Die Schulung wird von zwei erfahrenen Projektleitern betreut, die die Teilnehmer coachen und ihnen Feedback geben. Park: „In dieser Zeit habe ich nicht nur das Unternehmen und seine Kultur kennen gelernt, sondern ich wurde darüber hinaus gut auf die Projektarbeit beim Kunden vorbereitet.“

Doch nicht nur Management- und Strategieberater sind gefragt. Rund 350 neue Mitarbeiter werden für stärker technologieorientierte Tätigkeiten gesucht. Etwa 300 davon möchte sd&m, die vornehmlich für den Bereich Technology Services zuständige Capgemini-Tochtergesellschaft, einstellen. Vorstandsvorsitzender Edmund Küpper: „Unser Haus sucht für die Individualsoftwareentwicklung sowie Beratung vor allem junge Softwareingenieure mit Hochschulstudium, IT-Berater und Projektleiter.

Zu den Capgemini-Einstellungskriterien kommt bei sd&m verstärkt die technische Komponente hinzu.“ Kein Wunder, dass beim Münchner Beratungshaus 60 Prozent der Beschäftigten Informatiker sind. Bei den übrigen handelt es sich hauptsächlich um Mathematiker und Physiker. Küpper: „Wir stellen sowohl Berufsanfänger als auch erfahrene Leute ein, wobei der Schwerpunkt mit etwa 70 Prozent bei den Hochschulabgängern liegt. Aber egal aus welcher Ecke die Kandidaten kommen – wir nehmen immer nur die Besten."