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Beraterkarriere: Mittelstand oder Konzern?

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die Karriere eines Beraters ist für die Leser der COMPUTERWOCHE immer wieder ein interessantes Thema. Doch wie sehen die Aufstiegsmöglichkeiten in kleineren, mittelständischen Beratungshäusern im Vergleich zu großen Konzernen aus?

Ein Senior-Berater, der seit gut fünf Jahren in einer renommierten großen Unternehmensberatung arbeitet, möchte weiter Karriere in der Consulting-Branche machen - eventuell Partner werden. Er schreibt im Karriere-Ratgeber: "Da der Wettbewerb unter Kollegen bei meinem jetzigen Arbeitgeber sehr intensiv ist und Beförderungen stark damit zusammenhängen, wie ,sichtbar' Leistungen abgeliefert werden und wen man kennt, denke ich über einen Wechsel zu einer anderen - vielleicht kleineren - Beratung nach. Daher würde mich Ihre Einschätzung zu Aufstiegsmöglichkeiten in kleineren und mittelständi­schen Beratungshäusern im Vergleich zu großen interessieren. Erfolgt der Aufstieg anders oder schneller? Muss ich im Gegenzug vielleicht Abstriche an anderer Stelle hinnehmen?"

Welche Aufstiegsmöglichkeiten bietet der Mittelstand im Vergleich zum großen Konzern? Diese Frage stellt ein Leser der COMPUTERWOCHE im Karriere-Ratgeber.
Welche Aufstiegsmöglichkeiten bietet der Mittelstand im Vergleich zum großen Konzern? Diese Frage stellt ein Leser der COMPUTERWOCHE im Karriere-Ratgeber.
Foto: kravka - shutterstock.com

Der Personalprofi Gregor Bleis vom Münchner IT-Dienstleister Q_Perior meint dazu: "Was ich am Markt beobachte: Hochschulabsolventen und junge Berater bevorzugen in der Regel zunächst eine große, renommierten Beratung. Die Gründe liegen auf der Hand: Arbeitgeber mit gutem Image im Lebenslauf, Themen- und Kundenvielfalt sowie Internationalität.

Erfahrene Berater tendieren zu mittelständischen Beratungen

Erfahrene(re) Berater, egal ob aus kleinen, mittleren oder großen Häusern, tendieren oft und zunehmend zu etablierten und leistungsfähigen mittelständischen Beratungen. Die Beweggründe hierfür haben unter anderem auch mit Ihren aktuellen Rahmenbedingungen zu tun. Zwar gibt es bezüglich einer Consulting-Karriere teils deutliche Unterschiede bei Beratungshäusern ähnlicher Größe - am deutlichsten jedoch fallen diese im Vergleich groß versus mittelständisch aus. Der (gewünschte) Wettbewerb unter Kollegen hängt eng mit den Strukturen zusammen. Mittelständische Be­ratungen haben in der Regel keine klassische ­Pyramidenstruktur. Die Karriereleiter wird nach oben nicht zwingend enger, es entfällt meist das Up-or-out. Ein Weiterkommen hängt daher nicht so sehr von verfügbaren freien Stellen ab. Entscheidender für den Aufstieg ist hier vor allem die eigene Leistung und der direkte Mehrwert für das Unternehmen beziehungsweise die Kunden.

Gregor Bleis, Q_Perior, 16:9
Gregor Bleis, Q_Perior, 16:9
Foto: Q_Perior

Das mindert nicht nur den Wettbewerb untereinander, sondern auch den politischen Faktor, sprich: ,Kenne ich die richtigen Leute im Unter­nehmen?' Auch die Sichtbarkeit (und Wirksam­keit) der eigenen Leistung ist in mittelständischen Beratungshäusern höher. Sicher ist es auch eine Typfrage. Auch bei den Großen kann man Karriere machen. Die Strukturen geben das her. Mit Topleistung und der nötigen "Härte" kann es dann auch relativ schnell gehen.

Augen auf bei den Aufstiegsmöglichkeiten

Was die Aufstiegsmöglichkeiten im Mittelstand betrifft, sollten Sie genau hinschauen. Wichtig sind ein professionelles und ausgereiftes Karrieremodell, also eine Karriereleiter mit mehreren Stufen beziehungsweise weiterführenden Rollen, idealerweise mit der Option einer flexiblen Karriereentwicklung (zum Beispiel in einer Experten- und einer Management-Laufbahn), sowie klar definierte, transparente und realistische Anforderungen. Auch ein umfassendes, auf die Karrierestufen zugeschnittenes Weiterbildungsangebot und nicht zuletzt eine Führungskultur, die ein Weiterkommen fordert und fördert (kein "elitärer Partner-Club"), machen den Unterschied. Letzteres erkennt man auch an der Quote an "Eigengewächsen" in der Partnerschaft und im Management. Daraus resultiert dann auch die Möglichkeit, schnell voranzukommen. Konkrete Abstriche sehe ich dann keine - auch nicht beim Gehalt. Hier bewegen sich viele mittelständische Beratungen auf Augenhöhe mit den Großen."