Arbeitszeitmonitor 2016

Berater machen die meisten Überstunden

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Deutsche Arbeitnehmer machen insgesamt weniger Überstunden als noch vor einem Jahr. Trotzdem arbeitet fast die Hälfte mehr als die vereinbarten 40 Stunden pro Woche. Das zeigt der Arbeitszeitmonitor 2016 von Compensation Partner.

Compensation Partner hat für den Arbeitszeitmonitor 2016 über 250.000 deutsche Arbeitsverhältnisse hinsichtlich Urlaubsanspruch, Arbeitszeit, Überstunden und Überstundenausgleich analysiert und ausgewertet. Unterschiede hängen insbesondere mit dem Alter, dem Gehalt, der Unternehmensgröße und der Branche zusammen.

Mehrheit der Arbeitnehmer hat 30 Urlaubstage pro Jahr

Knapp 27,5 Urlaubstage hat der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer. Die Mehrheit (58 Prozent) darf sich jedoch über 30 Tage Urlaub im Jahr freuen. Wer mehr verdient, hat auch mehr Urlaubsanspruch. So haben Arbeitnehmer mit einem Einkommen von bis zu 40.000 Euro pro Jahr mit maximal 27,28 Urlaubstagen weniger freie Zeit, als Arbeitnehmer, die 91.000 bis 100.000 Euro verdienen. Diese haben durchschnittlich 28,43 Tage Urlaub pro Jahr.

Über 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer macht regelmäßig Überstunden.
Über 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer macht regelmäßig Überstunden.
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Über den höchsten Urlaubsanspruch können sich Arbeitnehmer in Industriebranchen, im Großhandel und in Banken freuen. Diese Differenz lässt sich dadurch erklären, dass mehr Gehalt eher in Industriebranchen und großen Unternehmen gezahlt wird, in denen Tarifstrukturen mit höheren Urlaubstagregelungen festgelegt sind.

Unternehmensberater machen 5,5 Überstunden pro Woche

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil derer, die regelmäßig Überstunden machen, von 63 auf 61 Prozent etwas verringert. Der durchschnittliche Arbeitnehmer macht im Vergleich zum Vorjahr zudem weniger Überstunden. 2015 wurden noch 3,73 Stunden pro Woche mehr auf dem Zeitkonto gutgeschrieben, 2016 sind es 3,21 Stunden Mehrarbeit.

Je älter der Arbeitnehmer, desto mehr Überstunden werden gemacht. Die durchschnittliche Überstundenanzahl steigt mit zunehmendem Alter und stabilisiert sich ab dem 40. Lebensjahr auf maximal 3,7 Stunden Mehrarbeit pro Woche. Dieses Ergebnis kann damit zusammenhängen, dass Führungspositionen eher mit Personen besetzt sind, die in die Alterskategorie ab 40 Jahren einzuordnen sind.

Die Anzahl der Überstunden hängt zudem mit der Branche zusammen, in der gearbeitet wird. Im Vergleich zum Durchschnitt aller Branchen (3,4 Überstunden pro Woche) wird in Unternehmensberatungen mit durchschnittlich 5,5 Überstunden 2 Stunden pro Woche mehr gearbeitet. In der Logistik-, Transport- oder Verkehrsbranche werden durchschnittlich 4,3 Überstunden gemacht, Maschinenbauer liegen mit 4 Stunden Mehrarbeit pro Woche immer noch deutlich über dem Durchschnitt.

Hohe Überstundenzahl führt nicht automatisch zum Überstundenausgleich

Zwar sind Unternehmensberater die Arbeitnehmer, mit den meisten Überstunden auf ihrem Arbeitszeitkonto, trotzdem bekommt nur gut ein Drittel (34,5 Prozent) von ihnen einen Überstundenausgleich. Auch die Konsum- und Gebrauchsgüterbranche gleicht nur gut 37 Prozent ihrer Arbeitnehmer die Mehrarbeit aus. Die Branchen Anlagenbau, Hotel/Gaststätten und Maschinenbau hingegen gewähren jeweils mehr als 50 Prozent ihrer Arbeitnehmer einen Überstundenausgleich.

Doch nicht nur die Branche, auch der Arbeitsort wirkt sich auf einen möglichen Überstundenausgleich aus. In Berlin, Brandenburg, im Ruhrgebiet und in den neuen Bundesländern (Postleitzahlgebiet 0) werden Überstunden mehrheitlich nicht ausgeglichen. In Bayern, Thüringen und Niedersachsen erhält die Mehrheit der Arbeitnehmer einen Ausgleich für ihre Mehrarbeit, obwohl in diesen Gebieten die wenigsten Überstunden anfallen.