Berater auf Zeit

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Unternehmensberatungen wollen die besten Bewerber für sich gewinnen. Deshalb locken Roland Berger und die Boston Consulting Group Bachelor-Absolventen mit befristeten Einstiegsprogrammen.

Wer zwischen dem Bachelor- und Master-Abschluss nur eine kurze universitäre Auszeit nehmen möchte, für den bietet sich das neun- bis zwölfmonatige "Consulting Analyst Program" von Roland Berger an. "Die Absolventen sollen unser Unternehmen kennen lernen, Projekt- und Arbeitserfahrung sammeln", erklärt Sven Breipohl, Personalverantwortlicher bei Roland Berger Strategy Consultants. Anschließend sollen die jungen Akademiker zurück an die Hochschule und den Master-Abschluss erwerben. "Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass eine dreijährige universitäre Ausbildung für den Job des Strategieberaters nicht ausreicht", sagt Breipohl.

Roland Berger sucht 150 neue Berater

Trotzdem begrüßt der Roland-Berger-Mann die zweistufige Ausbildung, da sich die Universitäten auf diesem Weg modernisieren und stärker gegenüber der Praxis öffnen würden, indem sie neue Lehrmethoden wie Strategiespiele und Gruppenfallstudien in ihre Curricula integrierten. In diesem Jahr sucht Roland Berger rund 150 neue Berater für den deutschsprachigen Raum. Breipohl schätzt, dass etwa 20 Einsteiger bereits einen Bachelor- oder Masterabschluss mitbringen. Die Recruiting-Methoden ändern sich mit den neuen Studienabschlüssen kaum. "Wir suchen Bewerber aller Fachrichtungen und rekrutieren bevorzugt von rund 30 Hochschulen, deren Ausbildung unseren Anforderungen entspricht; dabei spielen Hochschul-Rankings durchaus eine Rolle für uns, ebenso Kontakte zu Professoren. Fachhochschulabsolventen haben wir bislang grundsätzlich nicht eingestellt."

Philipp Gattner unterschrieb mit 23 Jahren seinen Arbeitsvertrag als Consulting Analyst bei Roland Berger. Nach Abitur und Zivildienst entschied er sich für ein Betriebswirtschaftsstudium in St. Gallen. "Ich bin wegen des guten Rufs der Hochschule nach St. Gallen gegangen, der moderaten Studiengebühren und der guten Betreuung", erläutert Gattner seine Wahl.

Praxiserfahrung statt Reise nach Lateinamerika

In der Schweiz lief für ihn alles nach Plan. Nach sechs Semestern hatte er seinen Bachelor-Abschluss in der Tasche, ein Studiensemester hatte er außerdem an der Singapore Management University in Asien absolviert. Seinen Berufseinstieg wollte der 23-Jährige noch um einige Zeit verschieben, um für neun Monate nach Lateinamerika zu gehen. Doch bevor der Bachelor-Absolvent seine Koffer packte, bewarb er sich noch bei verschiedenen Beratungen. "Ehrlich gesagt habe ich mich für das Einsteigerprogramm hauptsächlich deshalb beworben, um an einem Accessment-Center teilzunehmen." Einen Job wollte er nicht.

Doch nach dem Auswahlverfahren boten ihm die Berater von Roland Berger eine Stelle an, und der Student änderte kurzerhand seine Reisepläne, sagte ein Vorstellungsgespräch bei der Konkurrenz ab und begann im Oktober im Hamburger Büro von Roland Berger. "Ich sammle viel Praxiserfahrung und bekomme einen guten Einblick in die Beratung."