Usability-Studie Windows 8

Benutzerfreundlichkeit: Mangelhaft

Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
Windows 8 unterscheidet sich radikal von seinen Vorgängern. Der IT-Dienstleister Usability wollte daher in einem Test wissen, wie Anwender mit dem Betriebssystem zurechtkommen. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Beim Blick auf Windows 8 fällt sofort auf, dass sich im Vergleich zum traditionellen Windows Desktop vieles verändert hat. Microsoft bezeichnet die Software als "integriertes Betriebssystem", das auf herkömmlichen Computern aber auch Tablet-PCs funktioniert. Die Bedienung ist per Geste oder klassisch via Maus und Tastatur möglich. Aufgrund neuer Feature und Bedienungsmöglichkeiten hat der IT-Dienstleister Usability Anwender das Betriebssystem testen lassen. Die ausgewerteten Erfahrungen wurden in der Studie "Windows 8 aus Usability-Perspektive" zusammengefasst.

Insbesondere acht Bereiche wurden von den Studienteilnehmern bemängelt:

  • Die Anwender vermissten bekannte Windows-Funktionen. So erschwert das fehlende Start-Icon die Navigation durch das neue Betriebssystem. Den Teilnehmern fehlten darüber hinaus Windows Explorer, Arbeitsplatz, Programm- sowie Systemsteuerungsbereich und die Taskleiste.

  • Damit verbunden kritisierten die Testteilnehmer die fehlenden Funktionen "Fenster minimieren/verkleinern" und "Fenster schließen". So müssen Nutzer zum Schließen eines Fensters einen neuen Weg gehen: Fährt man in die linke obere Ecke, öffnet sich eine Übersicht aktiver Anwendungen. Über einen Rechtsklick kann man den Befehl "Schließen" ausführen. Zudem lässt sich das Programm bei gedrückter linker Maustaste auf den unteren Bildschirmrand ziehen und loslassen - die Anwendung schließt automatisch. Die Funktion "minimieren" wurde komplett abgeschafft.

  • Schwierig wird es auch beim Wechsel zwischen geöffnetem Programm und Metro-Ansicht - die Hälfte der Teilnehmer hatte hier Probleme. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass sich Programme standardmäßig im Vollbildmodus öffnen. In diesem Zusammenhang bemängelten die Testpersonen, dass sich Programme scheinbar nur über den Metro-Task-Manager schließen lassen. Wie unter Punkt 2 beschrieben, gibt es hierfür Alternativen.

  • Durch die erzwungene Vollbildansicht lassen sich geöffnete Programme und Fenster nicht nebeneinanderlegen. Zwar gibt es den sogenannten Snap-Modus, allerdings lassen sich mit diesem maximal zwei Anwendungen gleichzeitig anzeigen - wenn er denn gefunden wird. Im Laufe des Tests erkannte die Mehrheit der Teilnehmer diese Funktion nämlich gar nicht erst. Hatten die Anwender den Snap-Modus gefunden, störte sie wiederum das vorgegebene Größenverhältnis der Fenster zueinander von 1:3 beziehungsweise 3:1.

Windows 8 herunterfahren - aber wie?

  • Auch bei der Nutzung der "aktiven Ecken" haben die Nutzer Schwierigkeiten. So wissen viele nicht, wie die Funktionen auftauchen und was sich dahinter verbirgt. Dass sich die einzelnen Ecken unterscheiden, kann die Mehrheit der Usability-Testpersonen ebenfalls nicht nachvollziehen.

  • Ein weiterer Kritikpunkt ist der Startbildschirm. So versuchte über die Hälfte der Studienteilnehmer, Ordner in der Metro-Ansicht anzulegen, obwohl dies nicht möglich ist. Um Ordner anzulegen, muss der Anwender in die Desktop-Ansicht wechseln. Allerdings werden diese anschließend nicht in der Metro-Ansicht angezeigt, beziehungsweise ist eine Verknüpfung nicht möglich. Die individuelle Anordnung der Apps stellte die Probanden vor große Probleme.

  • Da die Bildelemente im Metro-Design sehr großflächig angelegt sind, fiel es den Teilnehmern schwer, verschiedene Kontextmenüs zu finden. Viele Funktionen und Menüs werden unter Windows 8 erst mit einem Rechtsklick auf bestimmte Flächen sichtbar. Die Testpersonen mussten häufig längere Zeit suchen, bis sie die gewünschte Funktion fanden. Das Ein- und Ausblenden der Menüs war hier das Hauptproblem.

  • Schließlich stellte das Herunterfahren des Computers die Testteilnehmer vor eine fast unüberwindliche Hürde. Fast allen fiel es schwer, diese Funktion zu finden. Die Autoren der Studie weisen daher süffisant darauf hin, dass es mittlerweile ein eigenes Video-Tutorial von Microsoft unter dem Namen "Wie schalte ich meinen PC aus?" gibt. Wer seinen Windows-8-Rechner ausschalten möchte, muss über das Menü auf der rechten Seite gehen und auf "Einstellungen" tippen oder klicken. Über den Punkt "Energie" gelangt der Anwender nun endlich zur Option "Herunterfahren".

Für die Studie ließ Usability acht Teilnehmer (vier Männer und vier Frauen im Alter von 22 bis 47 Jahren) Windows 8 testen. Alle Testpersonen waren laut Usability mit früheren Betriebssystemen von Microsoft vertraut. Gleichzeitig hatte keiner der Teilnehmer bis zum Test Erfahrungen mit Windows 8 gesammelt.