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BenQ-Mobile-Interessent Bacoc springt endgültig ab

02.02.2007
Im Ringen um eine Rettung des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile ist auch der letzte bekannte Interessent abgesprungen.

Am Donnerstag gab die Hamburger Bacoc-Gruppe bekannt, dass sie kein Kaufangebot für das Unternehmen abgeben werde. Bei der Entscheidung habe der "Zeitfaktor" eine große Rolle gespielt, hieß es. Die Chancen für einen erfolgreichen Neustart des Unternehmens seien in den vergangenen Wochen rapide gesunken und zahlreiche wichtige BenQ- Mobile-Mitarbeiter seien mittlerweile abgewandert, auch aus dem Management. Eine Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager sagte, die Nachricht komme nicht überraschend, allerdings verwundere die Argumentation: "Bacoc hat mehr als zwei Monate an einer Finanzierung gebastelt."

Die Bacoc-Gruppe hatte Anfang Januar ihr Interesse an BenQ Mobile bekräftigt. Es war jedoch stets unklar, ob die Firma über die nötige Finanzkraft und das Know-how verfügt, die frühere Siemens-Handysparte mit ursprünglich mehr als 3000 Beschäftigten zu übernehmen. Zuvor war auch eine Interessentengruppe um den ehemaligen DaimlerChrysler-IT-Manager Hansjörg Beha abgesprungen, die ursprünglich die Übernahme von rund 800 Beschäftigten des insolventen Unternehmens in Aussicht gestellt hatte. Pragers Sprecherin bekräftigte aber auch am Donnerstag, noch hätten nicht alle Interessenten abgesagt. "Es gibt noch Gespräche, aber die Hoffnung ist nicht groß."

Der taiwanische Elektronikkonzern BenQ Corp. hatte den Handyhersteller 2005 einschließlich einer Mitgift von mehreren hundert Millionen Euro von Siemens übernommen. Nach Umsatz- und Marktanteilsverlusten drehte die taiwanesische Mutter dem Unternehmen im vergangenen Jahr den Geldhahn zu, so dass BenQ Mobile Ende September 2006 Insolvenz anmelden musste. Die meisten der früheren Beschäftigten sind in zwei Transfergesellschaften in Bayern und Nordrhein-Westfalen gewechselt. Im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort war die Produktion von BenQ Mobile angesiedelt. Am Dienstag war in dem niederrheinischen Werk das letzte Handy aus Restbeständen für den Verkauf fertig gestellt worden. (dpa/tc)