Tablet, Home Office & Sternekoch als Bonus

Benefits neben dem Gehalt aushandeln

Michael Sudahl arbeitet als freier Journalist und Medienberater bei der Medienberater GbR in Schorndorf.
Fachkräfte zu finden oder zu halten wird für Unternehmen immer schwieriger. Für Arbeitgeber ist es daher ratsam, neben guten Argumenten in Sachen Gehalt auch mit einem Katalog an Incentives in Gespräche mit Bewerbern oder Mitarbeitern zu gehen. Gleiches gilt für die High Potentials. Sie sollten sich nicht scheuen, Prämien anzusprechen.

In den Vereinigten Staaten von Amerika häufen sich ungewöhnliche Mitarbeiter-Benefits. Hier einige Beispiele: Beim World Wide Fund For Nature (WWF) ist jeder zweite Freitag "Panda Friday". Alle Mitarbeiter haben frei. Beim Sportartikelhersteller Burton können Angestellte kostenlose Skipässe aushandeln, und der Immobilienriese Zillow sponsert Müttern im Außendienst den Transport der Muttermilch zum Kind nach Hause. Aber auch hierzulande wird längst nicht mehr nur in barer Münze vergütet.

Für die Mitarbeiterbindung sind nicht unbedingt Dinge entscheidend, die Unternehmen mehr Geld kosten.
Für die Mitarbeiterbindung sind nicht unbedingt Dinge entscheidend, die Unternehmen mehr Geld kosten.
Foto: Wright Studio - shutterstock.com

In Zeiten um Fachkräfte konkurrierender Unternehmen sollten High Potentials ihren Marktwert ausnutzen und kreativ verhandeln. Ein erster Schritt in diese Richtung ist, schon im Vorstellungs- oder Mitarbeitergespräch offen nach Boni zu fragen. Hier braucht es Kreativität und Eigeninitiative, denn kleinere und mittelständische Firmen haben oft keinen Katalog vorliegen, aus dem sich Mitarbeiter ein Extra aussuchen können.

Mitarbeiterfürsorge gehört zur Firmenkultur

Gesprächsbereit und kreativ sind die meisten Betriebe, wenn es darum geht, gut ausgebildete Leute zu akquirieren oder zu halten. "Sich konsequent auf die besten Mitarbeiter einzustellen, ist eine Frage der Firmenkultur", konstatiert Personalexperte Jörg Knoblauch. Er kennt Unternehmen, die ihre Kantine mit einem Sternekoch ausstatten oder höchst flexible Arbeitszeitmodelle einführen.

So etwa Mindsquare. Umsatz und Mitarbeiterzahl des IT-Beratungsunternehmens schnellen seit der Gründung vor sieben Jahren nach oben. Das Durchschnittsalter aller Informatiker im Haus liegt unter 30 Jahren - bei inzwischen 150 Beschäftigten. Es gibt fas keine Fluktuation. Für Personalleiter Timm Funke liegt der Schlüssel dafür auch in den Benefits wie zum Beispiel der Vier-Tage-Woche. Jeder Berater kann seine Arbeitswoche beim Kunden so trimmen, dass er am fünften Tag von zu Hause arbeitet.

Sport schweißt zusammen

Genauso sieht das bei der Direkt-Gruppe aus. Allerdings treffen sich die meisten am Freitag in einem der drei Büros in Hamburg, Köln und München. "Das ist unser langer Tag", erzählt Geschäftsführer Gerald Jenner, denn die Berater nutzen die Zeit, um sich mit Kollegen auszutauschen. Darüber hinaus fördert der IT-Dienstleister, dessen 220 Mitarbeiter vor allem in der Finanzwirtschaft und im Einzelhandel tätig sind, Sportmaßnahmen. Beispielsweise finanziert die Geschäftsführung der Laufgruppe die Reise zu Wettbewerben und den Hotelaufenthalt. Dabei treffen sich die Teilnehmer meist einen Tag zuvor und sprechen über Projekte.

Feelgood-Managerin für die Mitarbeiter

In vielen Firmen gibt es inzwischen Sabbatical- und Elternzeitmodelle oder Mentoren-Programme. Darüber hinaus gönnt sich Mindsquare eine eigene Akademie und Persönlichkeitstraining für die vielen Hochschulabsolventen, die bei der Firma direkt nach der Uni durchstarten. "Wir rücken wirklich unsere Mitarbeiter in den Mittelpunkt", sagt Funke und meint damit, dass die Firmenstrategie an die Bedürfnisse der Leute angepasst wird. Denn neben Vergünstigungen wie kostenlosem Obst und Wasser, vier Firmenfeiern pro Jahr sowie einer Feelgood-Managerin will der Mittelständler künftig Consultants aus der Generation Y möglichst lange an die Firma binden. Das Top-Benefit dürfte ein Ausleihmodell werden, das es Angestellten ermöglicht, etwa während der Familienzeit an einem festen Standort zu bleiben - wenn nötig bei einer Partnerfirma, die Jobs für nicht reisende IT-Berater hat.

Übrigens: Bei Kununu bewerten 127 Bewerber und Mitarbeiter das Beratungshaus. Fazit: ganz viel Plus, nur beim Gehalt maulen ein paar Bewerter. Doch auch da ist Funke dran. So schwebt ihm vor, dass ein Berater nach fünf Jahren in der Firma mit einem Jahresgehalt von 75.000 Euro nach Hause geht.

Tablet oder Notebook für das Home Office

Bei der Direkt-Gruppe bekommt jeder Mitarbeiter ein Tablet oder Notebook, um im Home Office arbeiten zu können. Nicht nur Berater, sondern auch Angestellte aus dem Back Office können von zu Hause arbeiten, wenn es möglich ist. Jenner: "Wichtig ist, dass jeder seine Ergebnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt liefert, so dass die Prozesse ineinandergreifen." So können Eltern auch mal ihre kranken Kinder betreuen und bleiben über Telefon, Skype und den Zugriff auf die Firmendaten in den Ablauf eingebunden.

Knoblauch, selbst Geschäftsführer der Unternehmensberatung Tempus Consulting, setzt ebenfalls Benefits ein. Dafür können die Leute unter 33 Incentives wählen, die in einem Booklet zusammengestellt sind. Jeder neue Mitarbeiter bekommt dieses Büchlein am ersten Arbeitstag überreicht. Auswählen können sich Angestellte zum Beispiel den monatlichen Mitarbeiterabend in einem Restaurant. Außerdem kann jeder statt Gehaltserhöhungen Anteile am Gewinn des Unternehmens aushandeln.

Oder: Die kommenden Strategietage verbringt das achtköpfige Personalteam nicht im Allgäu, sondern auf Mallorca. Günstige Flüge und familiäre Ferienwohnung machen die Auszeit kaum teurer, für die Mitarbeiter ist es aber ein Highlight. "Es zeigt sich immer wieder, dass für die Mitarbeiterbindung nicht die Dinge entscheidend sind, die mehr Geld kosten", sagt der Personalberater, sondern Wertschätzung und offene Kommunikation. (pg)