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Belgien drängt KPN zu einer Entscheidung über Belgacom-Merger

28.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach fast fünfmonatigen Verhandlungen will die belgische Regierung die Fusion des niederländischen Carriers KPN mit Belgacom zum Abschluss bringen. Die Regierung, die im Besitz von 50,1 Prozent der Anteile des belgischen Telefonkonzerns ist, forderte KPN in einem Brief auf, endlich eine Entscheidung zu treffen. Auch Belgacom erwartet bis Freitag eine Entschluss.

Bei der Planung des Merger im April diesen Jahres wurde die Vereinigung von beiden Parteien als Heirat von Gleichgestellten gesehen. Mittlerweile, nachdem der Aktienkurs von KPN stark gefallen ist, fordert Belgacom aber eine Mehrheitsbeteiligung an den neuen Unternehmen. So hatten die beiden Konzerne ursprünglich vereinbart, den Vorstand mit je zwei Belgacom- und KPN-Vertretern zu besetzen. Nun will Belgacom sicherstellen, dass der Vorstandsvorsitzende aus dem eigenen Haus kommt und in Abstimmungen bei Stimmengleichheit die Entscheidungsgewalt erhält. Der nach Jahresumsätzen gemessen ungleich größere niederländische Carrier KPN sperrte sich gegen diesen Vorschlag. Die KPN-Aktie war im März 2000 über 71 Euro wert, mittlerweile dümpelt der Kurs bei rund vier Euro.

Obwohl die beiden Parteien derzeit noch über die Konditionen uneinig sind, sehen sie in dem Merger klare Vorteile: KPN sucht die Fusion mit den Belgiern, um seinen Schuldenberg von 23,2 Milliarden Euro abzubauen. Belgacoms Hauptinteresse wiederum ist die Expansion in Europa. Die KPN-Vertretungen in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich könnten den Belgiern dabei helfen und die Telefongesellschaft vor Übernahmen durch paneuropäischer Konkurrenten wie die Deutsche Telekom oder Vivendi schützen.