IFA 2015 - Trendthema Smart Home

Beim Smart Home kocht leider jeder sein eigenes Süppchen

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Das Smart Home, Smart Devices oder einfach der Digital Lifestyle ist eines der Trendthemen der diesjährigen IFA. Doch bei aller Euphorie sollte eins nicht vergessen werden: Standards, Usability und Security scheinen für viele Hersteller ein Fremdwort sein.
Ein zentrales Thema der IFA: Das Smart Home.
Ein zentrales Thema der IFA: Das Smart Home.
Foto: Hersteller

Klasse, das Thema intelligentes Haus - pardon auf neudeutsch natürlich das Smart Home - scheint endlich im Markt angekommen zu sein. Und das zu bezahlbaren Preisen. Mit Blick auf die diesjährige IFA scheinen die Zeiten vorbei zu sein, in denen sich nur Besserverdienende den Traum vom Smart Home erfüllen konnten, weil nur wenige Spezialanbieter entsprechendes Equipment zu horrenden Preisen vermarkteten.

Heute dagegen ist der Einstieg in die Smart-Home-Welt schon für wenige Euro zu haben. So zeigt etwa die französische Awox, dass der Einstieg in das Thema Smart Home schon für rund 30 Euro machbar ist. Für diesen Preis vermarktet das Unternehmen einen SmartPLUG über den elektrische Geräte per Bluetooth Smart und Tablet- beziehungsweise Smartphone-App ferngesteuert werden können.

Wie wichtig der Funkausstellung das Thema Smart Home, vernetze Welten mittlerweile ist, zeigt auch, dass die Messe die Halle 11.1 ganz den Zukunftstrends gewidmet hat. Neben 3D-Druckern etc. gehören dazu auch Smart Home und Connected Devices.

Intelligente Waschmaschine von Miele

Waschmittel zu Ende? Kein Problem, die Maschine erstellt den Bestellschein.
Waschmittel zu Ende? Kein Problem, die Maschine erstellt den Bestellschein.
Foto: Miele

Dabei spielen beim Thema Smart Home nicht nur kleine junge Start-Up-Unternehmen mit, sondern auch die Big Shots wie Telekom und Miele entdecken das Thema für sich. So zeigt etwa Miele die Waschmaschine WMH 721 WPS EditionConn@ct mit vernetztem Dosiersystem. Dieses Gerät arbeitet mit einem Zwei-Phasen-Flüssigwaschmittel in wechselbaren Kartuschen. Geht das Waschmittel in einer der Kartuschen zur Neige, erhält der Nutzer über eine App eine Nachricht auf dem Smartphone und kann ebenso einfach wie schnell nachbestellen. Neben der Miele-Technologie sind dafür, wie es heißt, nur ein Smartphone sowie ein handelsüblicher WLAN-Router erforderlich. Im Hintergrund werden die Bestellvorgänge über die Telekom-Plattform ("Connected Industry Platform" oder kurz "CIP" genannt) in einem gesicherten Rechenzentrum des Konzerns abgewickelt mit dem sich die Waschmaschine via WLAN und Internet verbindet. Laut Miele sollen nach dem Pilotprojekt für Waschmaschinen später Geschirrspüler folgen.

Wer erst vor kurzem in teure, noch nicht vernetzte Haushaltsgeräte investiert hat, dem will LG Unterstützung bieten. Die Koreaner zeigen einen SmartThinQ Sensor, der an vielen traditionellen Haushaltsgeräten befestigt werden kann, um diese in ein Smart-Home-Netz einzubinden. Dabei misst er Parameter wie Vibrationen und Temperatur, um die entsprechenden Informationen an die SmartThinQ-App auf dem Smartphone des Nutzers weiterzuleiten. Befestigt man den Sensor beispielsweise an der Tür einer gewöhnlichen Waschmaschine, verwandelt er diese in ein smartes Gerät, das den Nutzer verständigt, wenn der Waschgang beendet ist. Angebracht an einem Kühlschrank wird der Sensor eine Benachrichtigung an das Smartphone schicken, sobald bestimmte Lebensmittel abzulaufen drohen. Der Sensor protokolliert auch, wie oft die Tür geöffnet wird, selbst wenn der Nutzer nicht zuhause ist. Wird der SmartThinkQ Sensor an einem Klimagerät oder einem anderen Apparat angebracht, kann ein Nutzer das Gerät mit der SmartThinQ App aus der Ferne bedienen.

Darüber hinaus zeigt der Konzern auf der IFA in Berlin einen Lichtwellenofen, der es den Benutzern erlaubt, Rezepte aus dem Internet zu laden, anzupassen und mit ihrer Familie und Freunden über ihr Mobilgerät zu teilen. Hierzu verfügt er über WLAN-Komponenten, so dass der User via Smartphone die Kochmethode, Temperatur und Kochzeit für ein bestimmtes Gericht einstellen kann. Der Lichtwellenofen ist zudem zur Selbstdiagnose fähig und hilft seinem Nutzer, Lösungen und Reparaturinformationen online im LG Service Center zu finden. Ebenso vernetzt LG die Klimaanlage, die so aus der Ferne gesteuert werden kann und etwa über einen erforderlichen Luftfiltertausch informiert.

Smile for coffee

Bitte Lächeln - sonst gibt es im Smart Home keinen Kaffee.
Bitte Lächeln - sonst gibt es im Smart Home keinen Kaffee.
Foto: digitalSTROM

Diese Liste über Devices und Ideen für das Smart Home ließe sich noch beliebig fortführen, denn 2015 hat das Gros der Aussteller entsprechende Smart Devices im Gepäck. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob diese Geräte wirklich so Smart sind, wie ihre Hersteller behaupten. Dem Autor erschließt sich beispielsweise nicht, was daran so smart sein soll, das Smartphone mit zig unterschiedlichen Apps zuzumüllen, nur um dann die Geräte steuern zu können oder das Waschmittel nachzubestellen. Wie ein Bedienkonzept der Zukunft aussehen könnte, demonstriert in Berlin die digitalSTROM AG. So zeigt der Smart Home-Anbieter mit dem Showcase "Smile for a coffee" ein neues Konzept als potenzielle Serienanwendung. Dabei reicht beispielsweise ein einziges Lächeln aus, um dem Bewohner den Wunsch "Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee" direkt von den Lippen abzulesen und augenblicklich zu erfüllen. Hierzu nutzt digitalStrom die hochsensiblen Sensoren der Intel RealSense, um optische Bewegungen und selbst kleinste Veränderungen der Mimik zu erkennen. Die 3D-Tiefenkamera lässt sich dabei laut Aussteller über offene Schnittstellen in ein Smart-Home-System integrieren. Voraussetzung ist allerdings ein ganzheitliche Vernetzung des Smart Home mit digitalSTROM.

Am Thema Usability müssen viele Hersteller von Smart-Home-Lösungen noch arbeiten.
Am Thema Usability müssen viele Hersteller von Smart-Home-Lösungen noch arbeiten.
Foto: Brian Jackson – Fotolia.com

Hierstellt sich die Frage, warum sich die Hersteller im Interesse der User nicht auf eine interoperable Plattform einigen können, über die alle Geräte zentral gesteuert und administriert werden - statt, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht? Damit wäre dann auch gleich das leidige Thema Bedienbarkeit erledigt. Denn von Technikfreaks einmal abgesehen, wird kaum ein Benutzer die Lust verspüren, sich in die unterschiedlichsten Bedienkonzepte der Apps einzuarbeiten.

Last but not least könnte eine zentrale Plattform noch zwei weitere Vorteile bieten. Das Thema Datenschutz - das ja gerade in Deutschland sehr sensibel ist - könnte für das heimische Haus ebenfalls über ein solche Plattform einheitlich geregelt werden. Gleichzeitig könnte diese Plattform als zentrales Gateway dienen, über die die Geräte ins Netz gehen. Also könnten hier an einem Ort Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Wie schlecht es um das Thema Security im Smart Home bestellt ist und was Sie selbst dagegen tun können, lesen Sie in unserem Beitrag "Tipps: So schützen Sie vernetzte Geräte im Haushalt".

 

Olaf Barheine

Darauf haben Hausfrauen und -männer(!) bestimmt schon immer gewartet, auf Waschmaschinen, die Waschmittel nachbestellen können. Es herrscht bei den Herstellern erschreckende Phantasielosigkeit (und wohl auch Ratlosigkeit), wenn es um den sinnvollen Einsatz der neuen technischen Möglichkeiten geht, die das Internet der Dinge bietet. So wird das nichts!

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