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Bei tele.ring droht Streik gegen Übernahme durch T-Mobile

02.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Beim viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieter tele.ring droht ein Streik gegen den geplanten Verkauf des Unternehmens an den Wettbewerber T-Mobile. Der Betriebsrat kündigte bei einer Betriebsversammlung am Montagnachmittag einen mindestens 24-stündigen Streik ab diesem Dienstag um 15 Uhr an. Die Kunden sollen davon so gut wie nichts merken. Der Netzbetrieb werde aufrecht erhalten, versprach der Betriebsrat.

Mit dem Protest will der Betriebsrat den amerikanischen Eigentümer Western Wireless zum Abbruch der Verkaufsverhandlungen mit T-Mobile zwingen. Ein Verkauf an einen Mitbewerber würde das Aus für tele.ring bedeuten, fürchtet der Betriebsratsvorsitzende Adolf Beauvale. 600 Mitarbeiter würden dann "auf der Straße stehen". Bei der Betriebsversammlung habe sich die Belegschaft geschlossen für die Streiks ausgesprochen, sagte Beauvale am Montagabend.

Die Telekom hat nach Angaben aus konzernnahen Kreisen ein Angebot von 1,3 Milliarden Euro für tele.ring vorgelegt und würde damit die Offerte des Finanzinvestors Permira leicht übertreffen. Am Donnerstag wollen die Aufsichträte von Telekom und T-Mobile über das Angebot für tele.ring sprechen. Ein Zuschlag für die Telekom gelte als sicher, hieß es. Sprecher von T-Mobile und tele.ring lehnten einen Kommentar dazu ab. Durch die Fusion würde T-Mobile Austria mit dann in Summe 3,1 Millionen Kunden beinahe mit dem Marktführer Mobilkom Austria (3,3 Millionen Kunden) gleichziehen.

Maßnahmen gegen den für Dienstag angedrohten Streik hat das Unternehmen bisher nicht angekündigt. "Wir warten vorerst ab, wie der Eigentümer darauf reagiert", sagte tele.ring-Sprecher Walter Sattlberger der APA. In seinem offenen Schreiben an Western Wireless-Chef John Stanton hat der Betriebsrat von tele.ring dem Eigentümer ein klares Ultimatum gesetzt. "Wir fordern Sie hiermit auf, innerhalb von 24 Stunden zu bestätigen, dass die Verhandlungen mit direkten Mitbewerbern in Österreich beendet werden. Sollten Sie diese Bestätigung bis zum Ablauf der Frist nicht abgeben, wird der Betrieb ab 2.8.05, 15 Uhr für die Dauer von mindestens 24 Stunden bestreikt", heißt in dem Schreiben wörtlich.

Die Belegschaft werde sich gegen einen Verkauf an einen Mitbewerber "gemeinsam mit der zuständigen Gewerkschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren". Bei der Abwicklung jeder anderen Verkaufsvariante, die den Fortbestand des Unternehmens tele.ring und seiner Arbeitsplätze sichere, könne der Eigentümer dagegen "mit unserer vollen Unterstützung und Kooperation rechnen", so der Betriebsrat.

Außer dem deutschen Konzern ist laut den Kreisen nur noch die internationale Fondsgesellschaft Permira im Rennen. Sie hat demnach zuletzt 1,23 Mrd. Euro geboten, die Höhe ihres Angebots allerdings im Gegensatz zu T-Mobile auch noch vom Streit um die Handymastensteuer in Niederösterreich abhängig gemacht. tele.ring würde dafür - aus Belegschafts-Sicht positiv - mit einem neuen Eigentümer Permira zumindest vorerst eigenständig weiter bestehen.

Eine Fusion des viertgrößten und zweitgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters könnte auch wettbewerbsrechtliche Folgen haben. Ein solcher Deal würde in jedem Fall von der Bundeswettbewerbsbehörde und dem Telekom-Regulator geprüft. Auch Auflagen seien grundsätzlich möglich, sagte der Chef der österreichischen Telekom-Regulierungsbehörde RTR, Georg Serentschy, am Montagabend. Bisher hätten sich weder tele.ring noch T-Mobile bei der Behörde bezüglich eines möglichen Zusammenschlusses gemeldet. Deals dieser Art würden aber "generell immer einer strengen Einzelbetrachtung unterzogen". (dpa/tc)