Spannende Jobs

Behörden wehren sich gegen Langweiler-Image

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Der öffentliche Dienst geht in die Offensive und will im Kampf um die besten Köpfe mit Job-Sicherheit und attraktiven Tätigkeiten punkten.

"Du bist in einer Behörde beschäftigt; schiebst Du dort die Akten von links nach rechts oder umgekehrt?" Mit Fragen dieser Art werden laut Rekrutierungsvideo des Bundesministeriums des Innern IT-Profis im öffentlichen Dienst nach wie vor konfrontiert. Dabei setzen die Behörden mittlerweile alles daran, mit dem Vorurteil, spannende Jobs gäbe es nur in der Industrie, aufzuräumen. Mitarbeiter aus den Personalabteilungen der öffentlichen Verwaltungen und Institutionen sind immer öfters auf Messen vertreten, intensivieren ihre Kontakte zu den Hochschulen, setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda und nutzen das Internet. Dort berichten junge IT-Experten über ihre Tätigkeit bei Vater Staat. Allgemeiner Tenor: Die Behörden haben allemal spannende Jobs zu bieten.

Das bestätigt auch Christian Lange, Referatsleiter für IT-Beratung, IT-Standards und Methoden im Kompetenzzentrum Open Souce Software (CC OSS) in der Bundesstelle für Informationstechnik (BIT) des Bundesverwaltungsamts: "Mir wurde schnell klar, dass die Tätigkeiten bei der BIT ganz und gar nicht dem Image entsprachen, das viele Young Professionals von Behörden haben. Ganz im Gegenteil, die Jobs sind vielseitig und interessant." Der Diplominformatiker ist nach seiner Promotion für einen Job in der Wirtschaft oder im öffentlichen Sektor gleichermaßen offen gewesen.

Die Stellenanzeige der BIT habe ihn vor allem wegen der Kombination zwischen innovativen IT-Techniken und strategischen Aufgaben aus der Verwaltung angesprochen. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil ist seiner Meinung nach die Job-Sicherheit, die der öffentliche Sektor zu bieten habe. Dies sei bei potenziellen Kandidaten gerade in Krisenzeiten zu spüren. Beeindruckt war Lange auch von den guten Weiterbildungsmöglichkeiten. Diese würden gezielt für den Entwicklungspfad eines jeden Mitarbeiters ausgesucht. Ebenfalls als Argument für den Staat führt der Referatsleiter die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle an So gebe es beim BIT ein Modell namens "Fazit", was für "Flexible Arbeitszeit im Team" stehe. Bei diesem Modell seien die Mitarbeiter noch nicht einmal auf Kernarbeitszeiten angewiesen. Es müsse nur sichergestellt sein, dass das Team zwischen acht und 16.30 Uhr funktionsfähig ist. Die Flexibilität sei deutlich größer als bei Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit.

Zurzeit sucht das Bundesverwaltungsamt IT-Spezialisten für eine IT-Konsolidierung. "Ziel ist, den IT-Betrieb von anderen Behörden im Geschäftsbereich des Innenministeriums in der BIT zu bündeln, um übergreifende Verbesserungen von Qualität und Wirtschaftlichkeit zu erzielen", erklärt Lange. Letztlich handle es sich um die Zentralisierung der IT. Aktuelle Jobangebote gibt es in diesem Bereich für IT-Projekt-Manager, Softwareentwickler sowie im IT-Betrieb, also im Rechenzentrum, für Systemadministratoren, Architekten und Datenbankadministratoren. Die neuen Kollegen sollten am besten Fachhochschul- und Universitätsabsolventen in einschlägigen Fächern wie Informatik und Wirtschaftsinformatik sein. Lange rät allen Interessierten, sich im Internet entsprechend schlau zu machen.