Unrealistische Wachstums- und Umsatzprognosen

Beecham Research warnt vor überzogenen IoT-Erwartungen

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Das Marktforschungsunternehmen Beecham Research warnt Unternehmen, die in den IoT-Markt einsteigen wollen, davor, dem Hype um das Internet der Dinge und den überoptimistischen Prognosen blind zu glauben.
Das prognostizierte Wachstum im Bereich Internet der Dinge ist unrealistisch, findet Beecham Research.
Das prognostizierte Wachstum im Bereich Internet der Dinge ist unrealistisch, findet Beecham Research.
Foto: Macrovector - shutterstock.com

Die von einigen Marktbeobachtern prognostizierten zwischen zehn und 50 Milliarden vernetzen Devices im Jahr 2020 und Billionen von Dollar an neuem Umsatz dank IoT bis 2025 seien unrealistisch und potenziell schädlich für die Branche, erklärte die bereits seit 15 Jahren auf M2M und IoT spezialisierte Beratungsfirma aus London. Es wäre gefährlich, wenn Unternehmen ihre Planungen und Finanzierungserwartungen auf solche "falschen Versprechungen" gründen.

"Es besteht kein Zweifel, dass sich die M2M- und IoT Märkte schnell bewegen und es tolle neue Geschäftsmöglichkeiten gibt", so Robin Duke-Woolley, CEO von Beecham Research. Mit unrealistischen Prognosen rund um das Wachstum der vernetzen Devices bestehe allerdings auch die Gefahr, dass Unternehmen Zeit und Geld ausgehen, bevor sich ihre getätigten Investitionen auszahlen.

"20 Milliarden Connected Devices bis 2020 sind unrealistisch"

"Klammert man Smartphones und Tablets aus, gebe es aktuell deutlich weniger als eine Milliarde Connected Devices weltweit", fügt Duke-Wooley hinzu. "Von dieser Basis aus gehen Marktbeobachter nun ernsthaft von Wachstumsraten von über 50 Prozent pro Jahr aus - selbst wenn das langfristige Wachstum in diesem Markt durchgängig im Bereich von 20 bis 30 Prozent jährlich gelegen hat. Da stellt sich die Frage, warum und was geeignet ist, die gesamte Wachstumsrate so spektakulär zu beschleunigen? Darauf gibt es keine Antwort. Und selbst wenn diese Zahlen erreicht werden, stehen nicht annähernd genügend Ressourcen zur Verfügung, um die Geräte zu installieren und einzurichten."

Die Befürworter der "viele Milliarden bis zum Jahr 2020" wiesen oft darauf hin, dass die wirklich hohen Zahlen durch vernetzte Geräte in Wohnungen und Arbeitsplätzen zustande kämen, also etwa Heizung und Klimaanlagen, Alarmanlagen, Kühlschränke, Gefriergeräte, Waschmaschinen und Büroausstattung, führt der IoT-Spezialist fort. Dennoch gehe Beecham Research davon aus, dass vielen der Nutzen und die Monetarisierung dieser Geräte noch nicht klar sind. Infolge dessen könnten zwar einige Haushalte ein Dutzend oder mehr angeschlossene Geräte in Betrieb haben. Es gebe jedoch keinen Beweis dafür, dass die Nachfrage nach Connected Devices dort im großen Stil ansteigen wird.

Immerhin geht Beecham Research davon aus, dass neue Netzwerk-Technologien mit einem geringen Energieverbrauch, einer niedrigen Datenrate und einer hohen Reichweite wie Low-Power-WANs (LPWAN) für einen Wachstumsschub im IoT-Markt sorgen werden. "Wir erwarten, dass damit bereits bis zum Ende des Jahres 2015 bereits bis zu 5 Millionen Anschlüsse realisiert werden und die Zahl danach deutlich ansteigt", so David Parker, Senior Analyst bei Beecham Research, die vor kurzem einen Bericht zu diesem Thema verfasst hat. "Dies ist gekoppelt mit einer neuen Mobilfunktechnologie namens LTE-M oder NarrowBand IoT, die von der 4G-Technik abgeleitet wurde. Viele glauben jetzt, dass dies einen richtigen Wachstumsimpuls für Anwendungen mit niedriger Datenrate erzeugen wird. "

Besonders kritisch sieht Duke-Wooley die Vorhersagen über neue Umsätze in Billionen-Höhe durch das IoT: "Wir müssen realistisch bleiben. Das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA - der weltweit größten Volkswirtschaft - beträgt aktuell 18 Billionen Dollar. Selbst die Behauptung, dass der mit IoT erzielbare neue Umsatz innerhalb von fünf oder zehn Jahren ein Zehntel davon erreichen wird, ist unrealistisch und wenig hilfreich."