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Bechtle: Bilanzunregelmäßigkeiten bei PSB umfangreicher als erwartet

10.08.2004

Die Bechtle AG hat bei der im März 2003 akquirierten PSB AG Bilanzunregelmäßigkeiten festgestellt. Wie das IT-Systemhaus bekannt gab, werden die Testate der Tochtergesellschaft für die Geschäftsberichte 2001 bis 2003 widerrufen, der Jahresabschluss von Bechtle für 2003 werde von den Änderungen jedoch nicht wesentlich beeinflusst. Möglicherweise haben die Schwaben aber bei der Übernahme von PSB zuviel Geld hingelegt.

Der Verdacht des PSB-Aufsichtsrats und des seit April amtierenden Vorstands habe sich bestätigt, teilte Bechtle mit. So habe der eingeschaltete Wirtschaftsprüfer in den Abschlüssen der vergangenen drei Jahren Unregelmäßigkeiten bei der Bewertung konzernweiter Aktiva und Passiva festgestellt, die deutlich über den bislang angenommen Umfang hinausgehen. Im Detail habe PSB vor der Fusion mit Bechtle zu geringe Abschreibungen auf Lagerbestände und Beteiligungen vorgenommen. Nach vorläufigen Berechnungen ergibt sich damit zum Jahreswechsel 2003/04 ein um rund 4,7 beziehungsweise 3,9 Millionen Euro vermindertes Eigenkapital bei der PSB AG beziehungsweise dem PSB-Konzern. Der Jahresabschluss von Bechtle für 2003 werde von den Änderungen jedoch nicht wesentlich beeinflusst.

Im Zusammenhang mit den Bilanzunregelmäßigkeiten verfolgt der PSB-Aufsichtsrat bereits Regressansprüche gegen den früheren Finanzvorstand Wolfgang Klute und Ex-Vorstandvorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Gosmann, der kurzzeitig sogar Chef von Bechtle war (Computerwoche.de berichtete).

Im Konzernabschluss von Bechtle für das erste Halbjahr seien die bilanziellen Auswirkungen bereits berücksichtigt, teilten die Schwaben mit. Nach vorläufigen Berechnungen steigerte das IT-Systemhaus seine Einnahmen gegenüber dem Vorjahrszeitraum um 36 Prozent auf 492,1 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn legte um rund 78 Prozent von acht Millionen auf 14,3 Millionen Euro zu. Die endgültigen Zahlen will Bechtle am Freitag bekannt geben. (mb)