Schwarze Zahlen im Quartal

Bearingpoint gelingt ein kleines Wunder

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Bearingpoint hat das erste profitable Quartal seit mehr als drei Jahren abgeschlossen. Doch der Ausblick für das Gesamtjahr war nicht ganz so gut, und die Suche nach einem Käufer geht weiter.

Der angeschlagenen IT- und Management-Beratung Bearingpoint ist es gelungen, ein Quartal ohne Verlust abzuschließen. Eigenen Angaben zufolge ist es der erste Profit seit mehr als drei Jahren, wobei "mehr" nicht näher eingegrenzt wird. Im dritten Quartal 2004 hatte Bearingpoint noch einen Gewinn von 11,9 Millionen Dollar ausgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Öffentlichkeit auch davon unterrichtet, dass die Bilanzen des Unternehmens und die Angebote für Beratungsprojekte nicht ganz sauber erstellt waren - als Folge gingen CEO Randolph Blazer sowie Finanzchef Robert Falcone im Dezember 2004 von Bord.

Unter der neuen Führung des ehemaligen Oracle-Finanzchefs Harry You wurde im Februar 2006 endlich die Bilanz von 2004 nachgereicht. Die Verluste beliefen sich im Gesamtjahr auf 546 Millionen Dollar. Die Zahlen für 2005 kamen ebenfalls später, hier war das Minus mit 721 Millionen Dollar schließlich noch größer als im Jahr zuvor. In den Jahren 2006 und 2007 summierte sich der Fehlbetrag auf 575 Millionen Dollar. Die Folge des Dilemmas: Am 9. Juli 2008 ging die Aktie von Bearingpoint mit einem Wert von 0,66 Dollar aus dem Handel. Harry You hatte schon im Dezember 2007 gehen müssen.

Seit einem Monat ist wieder Belebung in den Bearingpoint-Kurs eingekehrt, das Papier eröffnete Dienstag mit 1,18 Dollar. Die guten Nachrichten vom Quartal dürften vorab die Runde gemacht haben, denn die Aktien von Accenture und EDS legten im gleichen Zeitraum keine 70 Prozent, sondern weniger als zehn Prozent zu. Bearingpoint wies für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 18,5 Millionen Dollar beziehungsweise acht Cent je Aktie aus. Analysten hatten auf einen Verlust von acht Cent getippt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte sich das Minus auf 64 Millionen Dollar oder 30 Cent je Anteilschein belaufen. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 886,7 Millionen Dollar, was ebenfalls weit über der Analystenprognose lag. Offizielle Gründe für den Profit sind kontrollierte Kosten und gestiegene Einnahmen.

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