Mikogo Cloud Desktop

BeamYourScreen bietet Windows aus der Cloud

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Der Mikogo Cloud Desktop basiert auf den Terminal-Diensten von Windows Server und enthält einen HTML5-Client, so dass auf dem Endgerät keine Software installiert werden muss.

Die Mannheimer BeamYourScreen GmbH bietet unter der Bezeichnung "Mikogo Cloud Desktop" Windows als Service an. Das Unternehmen verdiente sein Geld bislang mit einer Screensharing-Lösung, die unter dem Namen "Mikogo" als Software-as-a-Service-(SaaS-)Angebot verfügbar ist.

Eines ihrer wesentlichen Features besteht in einem HTML5-Frontend. Dafür benötigt der Hersteller ein Gateway, mit dem das proprietäre Screensharing-Protokoll in HTML5 umgesetzt wird. Dieses hat BeamYourScreen nun für Microsofts Remote Desktop Protocol adaptiert und ermöglicht so den Zugriff auf die Windows-Oberfläche aus einem modernen Web-Browser.

Zunehmendes Angebot an HTML5-Clients

Der Mikogo Desktop beruht auf den Remote Desktop Services von Windows Server 2012 und bildet entsprechend auch den neuen Startbildschirm.
Der Mikogo Desktop beruht auf den Remote Desktop Services von Windows Server 2012 und bildet entsprechend auch den neuen Startbildschirm.
Foto: BeamYourScreen

Mit steigender Verbreitung von HTML5-fähigen Browsern bringen immer mehr Anbieter Lösungen auf den Markt, die den Zugriff auf virtuelle Desktops oder Terminal-Sessions erlauben, ohne dass dafür auf dem Endgerät eine eigene Software installiert werden muss. Erst kürzlich kündigte VMware anlässlich der Freigabe der "Horizon Suite" die Verfügbarkeit seiner Blast-Technik an, die dem gleichen Zweck dient.

Im Unterschied zu den meisten dieser frühen Implementierungen erlaubt der HTML5-Client von Mikogo Cloud Desktop ein flüssiges Arbeiten ohne Darstellungsprobleme. Darüber hinaus überträgt er im Unterschied zu VMware Blast auch die Audioausgabe des Remote-PC.

Hinzu kommt eine relativ gute Integration mit dem lokalen System, unter anderem das Copy and Paste zwischen lokalen und entfernten Anwendungen oder die Ausgabe von Printjobs von entfernten Applikationen auf lokale Drucker. Zu den weiteren Funktionen des HTML5-Frontends gehören der Up- und Download von Dateien, die Unterstützung für Touch-Bedienung sowie die verschlüsselte Kommunikation über SSL.

Unklare Nutzungsszenarien

Der unkomplizierte Zugriff von fast jedem Endgerät aus soll den Desktop aus der Cloud für mobile Mitarbeiter oder externe Projektbeteiligte interessant machen, weil er von überall und fast jedem Gerät aus erreichbar ist und schnell bereitgestellt werden kann. Aber gerade die Einsatzszenarien sind derzeit noch das große Fragezeichen für eine solche Lösung.

Im Gegensatz zu anderen RDP-Clients auf HTML5-Basis überträgt der von BeamYourScreen auch die Audiosignale des Remote-PC.
Im Gegensatz zu anderen RDP-Clients auf HTML5-Basis überträgt der von BeamYourScreen auch die Audiosignale des Remote-PC.
Foto: BeamYourScreen

Der Cloud-Service soll (und kann) nämlich kein Ersatz für einen regulären Firmen-Desktop sein, so dass er parallel dazu oder nur temporär eingesetzt würde. Daher dürfte die einfache Erreichbarkeit des Mikogo Desktop in den meisten Fällen nur dann von Nutzen sein, wenn die Benutzer dort ihre Daten und Anwendungen vorfinden. Dagegen wiederum sprechen die Restriktionen bei der Programminstallation auf einem Terminal-Server, für den der Anwender keine administrativen Rechte hat.

DaaS-Blockade durch Microsoft

Diese Schmalspurvariante von Desktop as a Service (DaaS) verdankt sich wie bei anderen Cloud-Providern den lizenzrechtlichen Vorgaben von Microsoft, das auch für Windows 8 noch keine Service-Provider-Lizenz einräumt. Diese gibt es weiterhin nur für Windows Server. Der einzig gangbare Weg für einen virtuellen Desktop aus der Cloud bestünde also darin, dass die Anwender ihre eigene Lizenz mitbringen.

Die Motive für diese Haltung sind ebenso unklar wie die lizenzrechtlichen Auflagen, mit denen Microsoft die Einrichtung von virtuellen Desktops in den Unternehmen erschwert. Bei seinen eigenen Cloud-Ambitionen spielt der traditionelle Windows-Desktop keine Rolle mehr, wie Office 365 zeigt. Hier geht es ausschließlich um die Bereitstellung von Anwendungen als Service.

Anbindung an die Firmen-IT

Der HTML5-Client des Cloud-Desktops unterstützt auch Copy and Paste zwischen lokalen und entfernten Anwendungen.
Der HTML5-Client des Cloud-Desktops unterstützt auch Copy and Paste zwischen lokalen und entfernten Anwendungen.
Foto: BeamYourScreen

Für die Synchronisierung der Daten sieht der Mikogo Cloud Desktop die Installation des Dropbox-Clients vor. Allerdings ist Verteilung von Firmeninformationen auf diesem Weg nirgendwo gerne gesehen und von kaum einer IT-Abteilung zugelassen. Daher richtet sich diese Option primär an private Anwender des Cloud-Desktops, die der Anbieter ebenfalls ansprechen möchte.

Um Unternehmen die Anbindung des Cloud-Desktops an ihre IT zu vereinfachen, möchte BeamYourScreen ein Site-to-Site-VPN anbieten und die Einrichtung von Vertrauensstellungen mit der AD-Domäne des Cloud-Dienstes erlauben. Das würde die Rechteverwaltung vereinfachen und den Zugriff vom Cloud-Desktop auf interne Ressourcen ermöglichen.

Dennoch dürfte für viele potenzielle Firmenkunden der HTML5-Client zwar interessant, ein weiterer Desktop aus der Cloud jedoch überflüssig sein. Daher plant BeamYourScreen die Bereitstellung des RDP-zu-HTML-Gateways als eigenständigen Service, der über ein VPN auf die Rechner hinter der Firewall des Kunden zugreifen kann.

Preis und Verfügbarkeit

Derzeit befindet sich der Mikogo Cloud Desktop noch in einer Erprobungsphase, und einige der angekündigten Dienste wie die AD-Integration oder die VPN-Anbindung werden nur auf Anfrage bereitgestellt. Die Nutzung des Dienstes ist bis jetzt kostenlos, die Anmeldung für ein Demo-Konto erfolgt über die Website des Anbieters. (hv/sh)