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Bea will kein Serviceanbieter sein

25.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Trotz schwacher Zuwachsraten im Produktgeschäft denkt der US-amerikanische Softwareanbieter Bea Systems nicht an eine Ausweitung des Portfolios auf IT-Dienstleistungen. "Unser Geschäft ist und bleibt Software", erklärte Malhar Kamdar, Vice President Emea Professional Services, gegenüber der COMPUTERWOCHE. Zwar unterhalte Bea in Europa eine Consulting-Organisation mit rund 150 Beratern. Deren Aufgabe aber sei es ausschließlich, Kunden und Geschäftspartnern beim Einsatz von Beas Softwareprodukten zu helfen. Darüber hinausgehende Pläne etwa im klassischen Projektgeschäft verfolge das Unternehmen nicht.

Stattdessen setzt Bea große Hoffnungen in seine im Juni vorgestellte Produktlinie "Aqualogic" für den Aufbau Service-orientierter Architekturen (SOA). Von Konkurrenten im SOA-Umfeld unterscheide sich Bea in mehrfacher Hinsicht, so Kamdar. Zum einen lägen die Wurzeln des Unternehmens im Bereich Middleware: "Bea hat eine andere DNA als Oracle, Microsoft oder SAP." Zum anderen sei man überzeugt, dass eine Service-Infrastruktur unabhängig von anderen Interessen eines IT-Anbieters aufgebaut werden müsse.

Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie IBM habe Bea kein Interesse an Datenbanken, Applikationen oder Desktop-Systemen. "Wir glauben an das Modell der Schweiz", warb der Manager am Rande der Kundenveranstaltung Beaworld in Prag. Seine Position unterstrich er mit einem Seitenhieb auf SAPs ESA-Strategie (Enterprise Services Architecture), die ebenfalls auf SOA abzielt: "Man kann keine glaubwürdige Services-Infrastruktur-Strategie verfolgen, die um ein Portfolio aus bestehenden Applikationen herum aufgebaut ist."

Im zweiten Fiskalquartal (Ende: 31. Juli) konnte Bea die Kapitalanleger noch nicht von der Tragfähigkeit seiner Strategie überzeugen (siehe: Beas Lizenzeinnahmen steigen wieder). Trotz eines Anstiegs der Lizenzeinnahmen um knapp zwei Prozent, dem ersten Zuwachs seit sechs Quartalen, zeigten sich Analysten skeptisch. Die Frage nach künftigen Wachstumsfeldern beantwortete Kamdar mit einem Rückgriff auf die zehnjährige Firmenhistorie: "Bea befindet sich in seinem dritten Leben." Nach den Erfolgen mit dem Transaktionsmonitor "Tuxedo" und dem Application Server "Weblogic" rechne er fest damit, dass in Zukunft Aqualogic-Produkte die nötigen Zuwachsraten einbrächten.

Bea setze dabei sowohl auf organisches Wachstum als auch auf eine aggressive Akquisitionsstrategie. Zukäufe dienten nicht nur der Geschäftsausweitung, sondern auch dazu, Lücken im Portfolio zu schließen. Erst kürzlich kündigte das Unternehmen den Kauf von Connecterra an, einem Anbieter von RFID-Middleware (siehe: Bea Systems übernimmt RFID-Softwareanbieter ConnecTerra). Ende September erwarb Bea das Softwarehaus M7. Die privat gehaltene Firma offeriert mit "Nitrox" Entwicklungswerkzeuge für Java-basierende Web-Anwendungen, die auf dem quelloffenen Eclipse-Framework aufsetzen. Mit der Übernahme von Plumtree hatte Bea zuvor bereits sein Portalangebot verstärkt. (wh)