Bea schießt scharf gegen SAP und Oracle

23.10.2006
Alfred Chuang, CEO von Bea Systems, erklärt im Gespräch mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann, was hinter der Strategie "SOA 360" steckt und wie sein Unternehmen gegen die mächtige Konkurrenz bestehen will.

CW: Vergangenes Jahr haben Sie die "Aqualogic"-Familie für Service-orientierte Architekturen angekündigt, erst kürzlich "SOA 360", ein Konzept, das alle Infrastruktur-Produkte vereinen soll. Verwettet Bea seine Zukunft auf das Thema SOA?

Hier lesen Sie ...

  • was Beas CEO Alfred CHUANG mit dem Konzept SOA 360 erreichen will;

  • welche Auswirkungen die Strategie auf die bestehende Produktpalette hat;

  • wie sich Bea gegen die Rivalen im SOA- und Integrationsmarkt positioniert.

Alfred Chuang, CEO Bea Systems: "Wir entwickeln auch unsere eigenen Produkte nach SOA-Prinzipien."
Alfred Chuang, CEO Bea Systems: "Wir entwickeln auch unsere eigenen Produkte nach SOA-Prinzipien."

CHUANG: So würde ich das nicht sagen. Bei SOA geht es um die Trennung von Anwendungsfunktionen und Geschäftsprozessen. SAP beispielsweise vereint beides in einem Produkt. Wenn Sie also SAP-Software kaufen, müssen Sie auch den SAP-Prozess nutzen. Das ist nicht besonders logisch. Besser wäre es doch, Funktionen an Geschäftsprozesse anzupassen. In diesem Kontext geht unsere Strategie in zwei Richtungen: Einerseits schaffen wir eine Highlevel-Abstraktionsschicht, mit deren Hilfe Unternehmen Funktionen bauen können. Andererseits stellen wir Werkzeuge und Templates bereit, um Prozesse zu modellieren.

CW: Im Rahmen von SOA 360 soll bis 2008 ein gemeinsames Dach für alle Bea-Produkte entstehen. Die so genannte Microservices Architecture (MSA) bildet dafür die technische Grundlage. Was bedeutet das für Ihr Produktportfolio? Werden Sie bald nur noch Service-Konglomerate vermarkten?

CHUANG: Zunächst geht es darum, unsere eigenen Produkte nach SOA-Prinzipien zu entwickeln. Dabei setzen wir auf MSA. Darüber hinaus wollen wir auch die unabhängigen Softwarehersteller (Independent Software Vendors = ISVs) dazu bringen, unsere Architektur zu benutzen.

CW: Können sich Kunden künftig nur die jeweils benötigten Funktionen herauspicken, wenn Bea etwa den Java-Application-Server "Weblogic" in modulare Services aufbricht?

CHUANG: Das ist das Ziel. Die Kunden werden nur diejenigen Komponenten nutzen oder verwalten, die sie auch tatsächlich brauchen. Das bedeutet auch, dass sie die diversen Komponenten auf unterschiedlichen Rechnerplattformen installieren können.

CW: Müssen Sie nicht mit Umsatzeinbußen rechnen, wenn Kunden nur noch Teile der bisherigen Kernprodukte kaufen?

CHUANG: Es ist ja generell nichts Schlechtes, wenn die Preise sinken, solange die Absatzmenge stimmt. Je modularer unser Angebot ist, desto mehr Auswahl- und Einsatzmöglichkeiten haben unsere Kunden.

CW: Sie verfolgen mit MSA einen ähnlichen Ansatz wie die großen ERP-Hersteller, die ihre monolithischen Applikationen aufbrechen. SAP beispielsweise plant im Rahmen seiner Enterprise Services Architecture einige tausend Softwareservices. Wird Bea eines Tages ähnlich viele Services im Portfolio haben?

CHUANG: Ich finde es schwierig, Bea mit Oracle oder SAP zu vergleichen. Deren Produkte sind nicht modularisiert, die Architekturen auch nicht wirklich offen.

CW: Genau damit werben aber SAP und Oracle.

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