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BCG: Aufsteigen und tief tauchen

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Gegen den Branchentrend wuchs die Boston Consulting Group 2002 beim Umsatz und bei der Mitarbeiterzahl - das soll sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Das Strategieberatungsunternehmen sucht mehr als 100 neue Berater.

"Boston Consulting? Was ist denn das?", wurde jüngst Late-Night-Talker Harald Schmidt von seinem Sparringspartner Manuel Andrack gefragt. Vor fünf Jahren erging es Andreas Dietze mit seinen Kommilitonen ähnlich, als er sich für die Beratungsfirma als erstem Arbeitgeber entschied. "Boston Consulting war unter Informatikstudenten kaum bekannt. Für mich bot sich aber hier die Möglichkeit, als Generalist anzufangen, Einblick in die unterschiedlichsten Branchen zu erhalten und auch vergleichsweise früh mit verschiedenen Führungsebenen zusammenzuarbeiten", beschreibt der Diplominformatiker die Gründe seiner Entscheidung. Verlockend war für ihn auch die Aussicht, später eine zweijährige Auszeit nehmen und promovieren zu können.

Arbeiten und promovieren

Mittlerweile schreibt der heute 30-Jährige an seiner Dissertation, ist aber auch während des Sabbatical weiter im E-Mail-Verteiler und mit seinem Arbeitgeber verbunden. Auch wenn Boston Consulting wie andere große Strategieberatungen hohe Anforderungen an den Nachwuchs stellt, ist die Promotion nicht Pflicht. Gefragt sind Wirtschaftswissenschaftler, Naturwissenschaftler, Ingenieure und auch verstärkt Informatiker, die nicht nur von ihrer akademischen Leistung her zu den besten zehn bis 15 Prozent ihres Jahrgangs gehören, sondern auch über Auslands- und einschlägige praktische Erfahrung verfügen.

Für Recruiting Director Just Schürmann zeigt ein Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland, dass der Kandidat die Initiative ergreifen kann und mit anderen Kulturen umzugehen weiß. Auch die sehr gute akademische Leistung zeuge von einer gewissen Einsatzbereitschaft, die für eine Strategieberatung wie Boston Consulting unerlässlich ist: "Da wir mit unseren Kunden neue Wege finden wollen, um Wettbewerbsvorteile zu schaffen, müssen die bestehenden Geschäftsmodelle oft in Frage gestellt werden.

Dafür brauchen wir Berater mit ausgeprägten analytischen Fähigkeiten: Sie müssen nicht nur mit Zahlen, sondern auch kreativ mit unvollständigen Daten umzugehen wissen. Im Unterschied zum Studium verfügen die Berater im Berufsalltag nie über sämtliche Informationen, die sie bräuchten. Da sind oft pragmatische Lösungen gefragt."

60-Stunden-Woche ist üblich

Darum sollte der ideale Bewerber laut Schürmann schon während des Studiums über den Tellerrand hinausgeschaut und sich etwa in Jugendgruppen oder sportlich engagiert haben. Schürmann selbst war anno dazumal in einer Theatergruppe aktiv und hatte ein Musical geschrieben. Interessen, die ihm im Auswahlprozess sicher Pluspunkte brachten, die er aber seit seinem Einstieg bei Boston Consulting nicht mehr weiterverfolgen kann. Denn die hohen Anforderungen verursachen eine hohe Arbeitsbelastung, eine Woche hat für die Berater in der Regel 60 Stunden, an mindestens vier von fünf Tagen sind sie vor Ort beim Kunden, und dieser sitzt nur in den seltensten Fällen in der Stadt, in der man wohnt.

Just Schürmann: "Wir erwarten mehr, als zahlen wir auch deutlich besser."
Just Schürmann: "Wir erwarten mehr, als zahlen wir auch deutlich besser."

Private Interessen mit festen Terminen unter der Woche sind damit nicht vereinbar. "Wir erwarten mehr, also zahlen wir auch deutlich besser als die Industrie", lässt sich Schürmann zum Thema Gehalt entlocken, das er für Einsteiger deutlich über 50 000 Euro im Jahr ansiedelt. Doch bevor Bewerber in den Genuss dieser Privilegien kommen können, müssen sie einen strengen, mehrstufigen Auswahlprozess überstehen. 10 000 Bewerber melden sich bei Boston Consulting im Durchschnitt pro Jahr, 130 bis 150 davon sollen 2003 als Berater eingestellt werden.

Zunächst wird in einem einstündigen Gespräch der Lebenslauf hinterfragt, der Kandidat muss die Gründe für seine Entscheidungen erklären. In den folgenden vier Gesprächen gehen die Bewerber gemeinsam mit Boston-Beratern Fallstudien aus aktuellen Projekten durch und sollen demonstrieren, wie sie den Fall angehen und lösen würden. Abschließend diskutieren alle Interviewer, ob der Kandidat geeignet ist. Sie müssen zu einer einstimmigen Entscheidung kommen. "Hat der Bewerber das Potenzial, den Durchschnitt der Berater zu heben? Kann ich mir vorstellen, mit diesem Kandidaten in einem Team zusammenzuarbeiten?", nennt Schürmann zwei wesentliche Fragen des Entscheidungsprozesses.

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