SOA und Digitalisierung

Bausteine der digitalen Transformation

Christoph Witte ist freier Publizist und Kommunikationsberater.
Serviceorientierte Architekturen (SOA) in der IT bilden das Grundgerüst für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen. Von den bevorstehenden Veränderungen sind fast alle Unternehmen betroffen

"Digitale Services führen zu neuen Geschäftsmodellen, die die alten bedrohen. Die Welt ist in einem gewaltigen Umbruch", sagte Johannes Helbig, Vorsitzender des SOA Innovation Lab, auf den SOA-Days, die Anfang September in Düsseldorf stattfanden. Dabei stehe die IT inzwischen eindeutig im Zentrum der Innovation, sie sei keine Back-Office-Funktion mehr. Damit verändere sich natürlich auch die Rolle des CIO: "Sie sind diejenigen, die in der Lage sind, die neue Welt zu denken und die Vorbereitungen dafür zu treffen", betonte Helbig. Architektonische Grundlage für die digitalisierten Geschäftsmodelle bilde die Serviceorientierung. Ihre im letzten Jahrzehnt entwickelten Prinzipien für den Aufbau interner IT-Landschaften, erhielten jetzt neue Bedeutung, weil sie die notwendige Voraussetzung für die Integration externer Cloud-Services und für die Rekombination bestehender Wertschöpfungsketten bilden.

Alles wird Service

Johannes Helbig, Vorsitzender des SOA Innovation Lab: "CIOs sind diejenigen, die in der Lage sind, die neue Welt zu denken und die Vorbereitungen dafür zu treffen."
Johannes Helbig, Vorsitzender des SOA Innovation Lab: "CIOs sind diejenigen, die in der Lage sind, die neue Welt zu denken und die Vorbereitungen dafür zu treffen."
Foto: Euroforum

Helbig erwartet eine hybride Service-Ökonomie, in der auch physikalische Produkte mit digitalen Services verbunden werden können. Als Beispiele nennt er Skijacken, die ihrer Träger beim Fahren buchstäblich in die richtige Richtung lenken oder Ersatzteile von Maschinen, die "wissen", zu welchem Zeitpunkt, an welcher Stelle und zu welchem Zweck sie eingebaut werden müssen. "Durch die Verbindung von tangiblen Produkten mit digitalen Services wird aus der Perspektive ihrer Nutzer alles zum Service", sagte Helbig. Das zugrunde liegende Delivery-System zeichne sich durch die gleichen Attribute aus wie man sie aus der IT-Cloud kennt: Always on, on demand, skalierbar, personalisiert und vor allem rekombinierbar. Das bedeute aber, dass es sich je nach Kundenwunsch, also "anlassbezogen", zusammensetze.

Er nennt das Beispiel Buchbestellung bei Amazon. Dabei setze sich das Ökosystem, das für die Abwicklung und Zustellung des Auftrags sorgt, zusammen aus Verlag, Finanzdienstleister, Logistiker und dem Online-Plattformanbieter. Bei der Abwicklung etwa einer Reise würden andere Dienstleister das passende Ökosystem bilden. "Das einzige, was in diesem Fall gleichbleibt, ist die Online-Plattform", betonte Helbig.

Die Unternehmen drehen sich um den Kundenprozess

Im Mittelpunkt der neuen digitalen Geschäftsmodelle stehen die Kundeprozesse und nicht die Abläufe des Unternehmens. Diese Umkehrung der Perspektive wirke sich disruptiv auf die Unternehmen aus. Digitalisierte Unternehmen seien zwar nicht per Definition kundenzentriert, aber erst die Rekombination erlaube es, Massenprodukte stark zu individualisieren (Stichwort: Losgröße 1), Marketing interaktiv zu gestalten, tiefgreifende Analysen des aktuellen Kundenverhaltens zu erstellen oder Kooperationen zwischen Lieferanten schnell herzustellen.

Anlassbezogene Ökoysteme sprengen Branchengrenzen

Das sprenge die traditionellen Branchengrenzen und ihrer Hierarchien. In einer digitalisierten Ökonomie stünden plötzlich nicht mehr die größten Unternehmen einer Branche an der Spitze der wirtschaftlichen Nahrungskette, sondern die Online-Plattformen, über die die Güter der Hersteller bezogen würden. Durch das Aufbrechen der Branchengrenzen und den neuen Möglichkeiten der Service-Kombination erwüchsen bisherigen Marktführern unerwartete Konkurrenten. Deshalb hätte Amazon sich zum Beispiel zum weltweit erfolgreichsten Anbieter von Cloud-Services aufschwingen können. In der Entwicklung dieser anlassbezogenen branchenübergreifen Ökosysteme erkennt Helbig große Möglichkeiten, aber auch große Unsicherheiten, mit denen Unternehmen lernen müssen umzugehen: "Natürlich weiß ein Daimler bestens Bescheid über die Entwicklungen in der Automobilbranche, aber die Verantwortlichen konnten nicht ohne weiteres voraussehen, dass ein Internet-Unternehmen wie Google sich anschickt ihnen, über autonome Fahrzeuge zum Wettbewerber in Sachen Mobilität zu werden.