Banken zahlen immer noch gut

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Wie viel verdienen IT-Freiberufler? Branche, Berufserfahrung und Kundenbeziehung entscheiden über die Höhe der Stundensätze.

Fast jedes vierte Projektangebot erhalten IT-Freiberufler aus dem Bankenumfeld, andere Branchen wie Industrie (elf Prozent), Telekommunikation (neun Prozent) und Versicherungen (8,5 Prozent) folgen erst mit deutlichem Abstand. Das ergab eine Erhebung des IT-Projektportals Gulp unter 2826 registrierten Freiberuflern.

Damit bleiben die Kreditinstitute die wichtigsten Auftraggeber, auch wenn die Sparmaßnahmen der Großbanken in jüngster Vergangenheit vor allem die selbständigen IT-Profis trafen. Ein Beispiel: Die HVB Systems, die als IT-Dienstleister für die Hypovereinsbank fungiert, musste die Zahl ihrer externen Mitarbeiter von ehemals 1000 auf 400 reduzieren.

Allerdings sind die Banken immer noch in der Lage beziehungsweise bereit, Stundensätze zu zahlen, die leicht über dem Durchschnitt liegen: Knapp 76 Euro in der Stunde verdienen IT-Freiberufler laut Gulp-Analyse im Finanzsektor im Schnitt, im Automotive-Bereich und in der Logistik müssen sie sich dagegen mit 69 beziehungsweise 70 Euro zufrieden geben. Am besten zahlen die Industrie und die Pharmabranche (beide etwa 78 Euro in der Stunde). Allerdings stammen nur 2,5 Prozent aller Projektangebote aus letzterem Bereich.

Wie viel ein Freiberufler tatsächlich für seine Arbeit bezahlt bekommt, hängt nicht nur von der Branche, sondern von vielen anderen Faktoren ab. Eine wichtige Einflussgröße ist die Art des Projekts. Wenn der IT-Experte seinen Kunden bereits kennt und in einem früheren Projekt einen guten Eindruck hinterlassen hat, kann er bei einem neuen Auftrag mehr Geld verlangen. Außerdem hat er auf der Basis des vormals bezahlten höheren Stundensatzes eine weit bessere Verhandlungsposition.

So erhielten die von Gulp befragten Freiberufler, die bei einem Altkunden beschäftigt sind, einen Stundensatz von knapp 79 Euro. Wird ein bestehendes Projekt jedoch verlängert, ist der IT-Experte offensichtlich bei den Verhandlungen in einer schwächeren Position und muss sich mit durchschnittlich 76 Euro zufrieden geben. Am wenigsten ist in Projekten beim Neukunden zu verdienen (knapp 73 Euro). "Alle IT-Freiberufler mussten gegenüber dem vorigen Projekt finanzielle Abstriche machen - aber das ist bekannt und spiegelt die gegenwärtige Situation im IT-Projektmarkt wider", so das Fazit von Stefan Symanek von Gulp.Berufserfahrung lohnt sich

Ausschlaggebend für die Höhe der gezahlten Honorare ist auch die Berufserfahrung. Ab zehn Jahren steigen die Honorare deutlich an, erklärt Symanek: "Wenn ein IT-Freiberufler so lange im Geschäft ist, scheint er die richtige fachliche und persönliche Reife erlangt zu haben, um in einem Projekt nicht nur über 75 Euro verlangen zu können, sondern sie auch bezahlt zu bekommen." Das biologische Alter der selbständigen IT-Profis scheint dagegen für die Auftraggeber weniger wichtig zu sein. Lediglich diejenigen, die jünger als 30 Jahre sind und in der Regel auch wenig Berufserfahrung haben, müssen sich mit niedrigeren Honoraren zwischen 50 und 67 Euro bescheiden.

Dass sich unter den IT-Freiberuflern viele Quereinsteiger tummeln, zeigt eine weitere Umfrage von Gulp. Von den 842 Befragten haben 14 Prozent ein Informatikstudium an der Fachhochschule und elf Prozent an der Universität abgeschlossen. Demgegenüber stehen 24 Prozent, die nach einem abgebrochenen Studium, einer anderen Berufsausbildung oder direkt nach der Schule sich selbständig gemacht haben.

Formalen Qualifikationen, insbesondere herstellerabhängigen Zertifikaten, räumt die Mehrheit der Befragten keinen großen Stellenwert ein: So sind 69 Prozent der Teilnehmer noch nie und weitere 21 Prozent nur selten explizit nach Zertifikaten gefragt worden. Von diesem Ergebnis sollte man sich aber nicht in die Irre leiten lassen, sagt Symanek: "Manche Projektanbieter fragen zwar nicht nach einem Abschluss oder Zertifikat, lesen sich aber das Freiberufler-Profil genau durch, ob die entsprechenden Informationen aufgeführt sind. Kurz gesagt: Das Zertifikat bringt das Interview mit dem Projektanbieter, die praktische Erfahrung den Auftrag." (am)

Freiberufler des Jahres gesucht

In Deutschland gibt es über 50000 IT-Freiberufler. Um eine breitere Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, startet das "IT Freelancer Magazin" einen Wettbewerb. Mit Hilfe der Gesellschaft für Informatik (GI) wird der "IT Freelancer des Jahres 2005" gesucht. Bewertungskriterien sind eine marktfähige Qualifikation, eine aussagekräftige Präsentation, Referenzen von Kunden und Stärke der Persönlichkeit, erklärt Initiator Ulrich Bode: "Welche Unterlagen die Teilnehmer dafür auswählen, liegt bei ihnen. Wir wollen mit dieser Aktion Bewusstsein für ganzheitliche, persönliche Bestleistungen schaffen." Die Bewerbungen können noch bis zum 31. Januar 2005 per E-Mail an itfreelancer2005@it-free.info geschickt werden.