Bank ohne Schalterhalle bleibt eine Vision, aber: Home-Banking: Ueberweisung via Telefon wird selbstverstaendlich

28.10.1994

KOELN (CW) - Home-Banking revolutioniert die Beziehung zwischen den Banken und ihren Kunden. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Koelner BBE-Unternehmensberatung GmbH, wonach noch in diesem Jahr das sogenannte "Telefonbanking", den Durchbruch erzielen duerfte.

Die Banken stellen beim Home-Banking sowohl Informationen als auch spezifische Bankdienstleistungen zur Verfuegung. Die Kommunikation zwischen dem Kunden und seiner Bank laeuft entweder ueber Datex-J, den Austausch von Datentraegern (PC-Banking) oder das Telefon. Nachdem sich die optimistischen Prognosen in Sachen Btx/Datex-J lange Zeit nicht erfuellten, reagierte in Deutschland 1989 die in Frankfurt ansaessige Citibank als erste mit der Einfuehrung von Telefonbanking. In den folgenden Jahren zog eine Reihe weiterer Geld- und Kreditinstitute nach; inzwischen planen fast alle grossen Bankhaeuser, diesen neuen Service einzufuehren.

Das Jahr 1994 duerfte dem Telefonbanking nach Meinung der Koelner BBE-Unternehmensberatung GmbH, die vor kurzem mit einem Spezialreport eine umfassende Analyse dieses neuen Marktsegmentes vorgelegt hat, den Durchbruch bringen. Nachdem die Grossbanken erst mit Pilotprojekten in einzelnen Niederlassungen operierten, erfolgt jetzt, so die BBE-Untersuchung, auch die bundesweite Einfuehrung der neuen Angebote. So stieg die Zahl der Telefonkonten von 30000 im Jahr 1989 auf 700000 im vergangenen Jahr. Bis Ende 1994 duerfte die Zahl der Telefon-Bankkunden nach Schaetzung von Experten auf knapp zwei Millionen hochgeschnellt sein. So gesehen ist das Telefonbanking aus dem Vergleich mit den "Btx-Bankkonten" als eindeutiger Etappensieger hervorgegangen, heisst es in der BBE- Studie weiter.

Mit Ausnahme der Bartransaktionen, bei denen der Kunde weiterhin eine Zweigstelle oder einen Geldautomaten aufsuchen muss, sind viele der von den Kreditinstituten angebotenen Leistungen - zumindest theoretisch - auch ueber das Telefon abrufbar. Nach BBE- Recherchen umfassen die momentan angebotenen Services weitgehend standardisierte Produkte und unterscheiden sich von Bank zu Bank nur geringfuegig. Hierzu gehoeren zum Beispiel: Abfrage des Kontostandes, Durchgabe von Ueberweisungsauftraegen, Anlage und Aenderung von Dauerauftraegen sowie die Bestellung von Eurocheques. Naturgemaess weniger geeignet fuer das Telefonbanking sind Transaktionen, die einen hohen Beratungsaufwand erfordern - etwa ein Grossteil des Firmenkundengeschaefts.

Altersschichten querbeet nutzen Telefonbanking

Die Vermutung, dass mit dem telefonischen Service vor allem juengere Kunden angesprochen werden koennen, da diese neuen Techniken aufgeschlossener gegenueberstehen, hat sich bisher nicht bestaetigt, konstatieren die BBE-Marktforscher. So hat beispielsweise die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig bei ihren "Kontophone"-Nutzern ein Durchschnittsalter von 40,9 Jahren ermittelt, eine Konzentration auf eine bestimmte Altersgruppe sei, wie es heisst, nicht nachweisbar gewesen.

Zielgruppe seien vielmehr Kunden, fuer die sich die offiziellen Schalterzeiten aus Zeitmangel als problematisch erweisen oder deren Wohn- beziehungsweise Arbeitsort nicht in unmittelbarer Naehe einer Bankfiliale liege. Sollten die Banken, was zu erwarten ist, die Kundenselbstbedienung preislich guenstiger gestalten als den persoenlichen Schalterservice, duerften, so die BBE-Experten, Kunden, denen Kostenvorteile wichtiger als persoenlicher Kontakt sind, eine weitere wichtige Abnehmergruppe darstellen.

Im Schlusskapitel ihrer Untersuchung werfen die Koelner Unternehmensberater einen Blick in die Zukunft. So duerfte den heutigen Home-Banking-Konzepten schon sehr bald neue Konkurrenz in Form des interaktiven Fernsehens erwachsen. Mit anderen Worten: Waehrend die jetzigen Moeglichkeiten des elektronischen Bankschalters noch gar nicht ausgereizt sind, kuendigen sich bereits neue Konzepte an, die langfristig zur Einfuehrung interakiver multimedialer Dienste fuehren werden.

Doch Multimedia und Virtual Reality vor Augen, scheint es ueberraschend, dass nicht eine einzige Bank ernsthaft darueber nachdenkt, ihr Geschaeftsstellennetz vollkommen aufzugeben. Die Vision der Bank ohne Schalterhalle wird jedenfalls nach BBE- Meinung nur selten Wirklichkeit werden. Vielmehr duerfte sich eine weitere Ausduennung der jeweiligen Filialnetze einstellen bei gleichzeitiger Differenzierung der Geschaeftsstellenstruktur nach Kundengruppen. Hinzu gesellen sich, so das BBE-Zukunftsszenario, vollautomatische Kundenselbstbedienungszentren und alternative Vertriebswege.