Weniger Umsatz als in Holland

Ballmer beklagt Piraterie in China

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Microsoft-Chef Steve Ballmer hat bei einem Besuch in China den dort noch immer extrem hohen Anteil an Raubkopien beklagt.
Steve B. ist sauer: In China entgeht Microsoft durch Piraterie ein Milliardengeschäft.
Steve B. ist sauer: In China entgeht Microsoft durch Piraterie ein Milliardengeschäft.
Foto: Microsoft

In China kann man noch immer an jeder Straßenecke die Microsoft-Produkte Windows und Office für zwei oder drei Dollar kaufen. Dadurch gehen Microsoft enorme Umsätze durch die Lappen - vor Mitarbeitern bei der Eröffnung des neuen, 400 Millionen Dollar teuren Pekinger Forschungs- und Entwicklungszentrum sagte Ballmer laut "Wall Street Journal", der Konzern erlöse in China mit 1,3 Milliarden Einwohnern weniger als in den Niederlanden (17 Millionen Einwohner). Der Microsoft-Umsatz pro in China verkauftem PC betrage nur ein Sechstel von dem in Indien.

Nach Einschätzung der Marktforscher von IDC wird China im kommenden Jahr die USA als größten PC-Markt der Welt ablösen. Für dieses Jahr erwarten die Auguren im "Reich der Mitte" 71 Millionen verkaufte PCs (plus zwölf Prozent YOY), knapp hinter den 75 Millionen für die USA prognostizierten.

Ballmer wies einmal mehr den Vorwurf zurück, dass viele Chinesen Microsofts Produkte nicht legal erwerben würden, weil sie zu teuer seien und niemand sie sich leisten könne. "Ich behaupte gar nicht, dass jeder in China sich den Kauf eines PCs erlauben kann", so der Microsoft-CEO. "Aber wer das kann, der kann sich auch die Software leisten." Ballmer steht schon seit geraumer Zeit unter Druck, den dümpelnden Aktienkurs von Microsoft zu erhöhen. Erst in dieser Woche hatte der Hedgefonds-Manager und Microsoft-Großaktionär David Einhorn Ballmers Ablösung gefordert. Der Microsoft-Aufsichtsrat gab dem Gates-Nachfolger allerdings anschließend Rückendeckung.