Geringe Interoperabilität zwischen den Systemen

Balkanisierung prägt die Server-Virtualisierung

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Mit dem Markteintritt neuer Anbieter vergrößert sich zwar die Auswahl bei Virtualisierungssoftware, gleichzeitig wird die Lage wegen fehlender Standards unübersichtlicher.

Virtualisierung gehört derzeit zu den großen Themen der IT, Gartner sieht darin den Trend mit den größten Auswirkungen bis in das Jahr 2012. Im Vordergrund steht dabei die Konsolidierung von x86/x64-Servern, die den Wildwuchs an Rechnern zügeln und zu einer effizienteren Nutzung der Hardwareressourcen führen soll. Daneben nehmen neue Desktop-Konzepte Gestalt an, bei denen nicht nur die Virtualisierung der Client-Hardware eine Rolle spielt, sondern bei der die vollständige Auftrennung aller Schichten des monolithischen Arbeitsplatzrechners auf der Tagesordnung steht.

Die meisten Aktivitäten drehen sich derzeit um die Server-Virtualisierung, sowohl von Seiten der Industrie als auch der Anwender. Die Analysten von Saugatuck gehen davon aus, dass sich der Anteil der virtualisierten Infrastruktur (ohne Desktops) von fünf Prozent im Jahr 2007 auf über 30 Prozent im Jahr 2010 steigen wird.

Neue Anbieter drängen in den Markt

Dem steigenden Interesse der Unternehmen an Server-Virtualisierung steht ein sich rasch verändernder Markt gegenüber. Während dieses Segment bis vor ein oder zwei Jahren fast vollständig im Besitz des Pioniers VMware war, formt sich eine zunehmend starke Konkurrenz. Sie erweitert nicht nur die Auswahl an Produkten, sondern treibt auch die Preise nach unten.

Während der ersten Phase galt die Basissoftware zur Einrichtung von virtuellen Maschinen auf physikalischen Server als besondere Errungenschaft und bescherte dem Vorreiter VMware hohe Gewinnspannen. Die heute gängigen Ausführungen dieser Abstraktionsschicht setzen direkt auf die Hardware auf und erzeugen gegeneinander abgeschottete virtuelle Rechner. Mit dieser als "Hypervisor Typ 1" bezeichneten Software lässt sich jedoch mittlerweile kaum noch ein Geschäft machen. Entscheidend dafür war neben der Existenz der Open-Source- Implementierung Xen vor allem der Markteintritt Microsofts.

Auch wenn die Basissoftware zu Virtualisierung von Server-Hardware bereits als Commodity gehandelt wird, existieren derzeit noch erhebliche Entwicklungsunterschiede. Der vorschnelle Vergleich von VMware mit Netscape durch Oracles lautstarken CEO Larry Ellison übersieht, dass etwa Microsoft mit Hyper-V derzeit gegenüber VMware ESX einen erheblichen Entwicklungsrückstand aufweist oder dass Sun mit seinem quelloffenen xVM nach mehreren Verzögerungen erst auf den Markt kommen muss.