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Balda-Misere: Großaktionäre fordern Rücktritt von Richard Roy

10.03.2008
Von pte pte
Nach dem gescheiterten Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts fordern nun Großaktionäre des ostwestfälischen Handy-Ausrüsters Balda AG als Konsequenz den Rücktritt des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Richard Roy, einen ehemaligen Microsoft-Manager.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, sei der aktuelle Aufsichtsrat seiner aktienrechtlichen Sorgfaltspflicht bei der Überprüfung der Geschäftsführung nicht im ausreichenden Maße nachgekommen. Angesichts der Gerüchte um eine Liquiditätskrise in der vergangenen Woche fordert Michael Treichl, dessen Investmentfonds Audley Capital zehn Prozent an Balda hält, "eine Überprüfung der aktuellen Zusammensetzung des Aufsichtsrats". Grund für den Zorn der Anleger ist der Verkauf und jüngst durchgeführte Rückkauf der Balda Solutions Gruppe.

"Bisher gab der Konzern nur bekannt, dass es zwei Investoren gibt, die eine Finanzierung zur Überbrückung bereitstellen und die involvierten Banken ihre Kredite bis auf Weiteres nicht fällig stellen werden. Der Verkauf der Solutions Gruppe fand technisch Anfang Dezember statt. Sollte es tatsächlich einen Gewinnabführungsvertrag bis Ende des Jahres zwischen KS Plastics und der Balda gegeben haben, hätte man die sich daraus ableitenden Mehrbelastungen antizipieren können. Die Frage der Grossaktionäre nach der Rolle des Aufsichtsrats in dieser Angelegenheit ist daher nachvollziehbar", erläutert Sal.-Oppenheim-Analyst Nicolas von Stackelberg, im Gespräch mit pressetext.

Branchenbeobachter werten das Verhalten der Balda-Geschäftsführung unterdessen kritisch und verweisen auf den massiven Kursrutsch der Aktie. So stürzte das Papier von noch über zehn Euro im Dezember des abgelaufenen Geschäftsjahres im Tief bis auf 3,56 Euro im Februar. Zudem enttäuschte das Unternehmen zum wiederholten Mal mit nicht eingehaltenen Prognosen, wobei die inzwischen abgestoßene Handyschalen-Sparte große Probleme bereitet. In diesem Segment verlor Balda 2007 rund 30 bis 40 Millionen Euro. Insider sehen dies als Hauptschwierigkeit, an der die Balda AG verlustbezogen nach wie vor zu knabbern hat. Die Balda Solutions Gruppe, die in der Vergangenheit noch das Balda-Kerngeschäft ausmachte, beschäftigt rund 650 Mitarbeiter und wurde mit 31. Dezember an die KS Plastic Solutions Deutschland GmbH abgegeben.

Ungeachtet des Unmuts sehen Analysten Licht am Ende des Tunnels. So bleibe das Papier vor allem wegen der boomenden Multi-Touchscreen-Technologie interessant. "Diese, auf die Balda teilweise Patente hat, spielt auch bei den Überlegungen des iPhone-Herstellers eine wichtige Rolle. Apple beantragt hier momentan ein Patent nach dem anderen. Daher könnte auch Balda für den Jobs-Konzern strategisch interessant sein", so Armin Brack, Chefredakteur des Geldanlage-Reports, in seiner aktuellen Markteinschätzung. Trotz dieser unter Umständen bei der Konkurrenz geweckten Begehrlichkeiten hatte Balda in der vergangenen Woche davor gewarnt, dass die Belastungen durch die ehemalige Tochtergesellschaft beim Mutterkonzern zur Zahlungsunfähigkeit führen könnten.

Vor diesem Hintergrund fordert der US-amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte, der fünf Prozent an Balda hält, nun den Kopf des Aufsichtsratsvorsitzenden Richard Roy, den ehemaligen Deutschland-Chef von Microsoft. Laut dem Bericht hätte es dieser versäumt, den Vorstandsvorsitzenden Joachim Gut beim Umbau von Balda zu unterstützen bzw. diesen stärker zu beaufsichtigen. "Roy hätte Gut kontrollieren müssen, aber er hat geschlafen. Was Balda da gemacht hat, ist das Dümmste, was man sich vorstellen kann. Roy muss gehen", meint Wyser-Pratte. (pte)