Suchmaschinen in China und Russland

Baidu - Nutznießer der Zensur

Mathias von Hofen arbeitet als Freier Autor, unter anderem für mehrere Landeszentralen für politische Bildung. Er war zuvor als Abteilungsleiter bei Kubon&Sagner sowie bei Interfax tätig. Von Hofen ist Diplom-Politologe mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Politik in Russland und Osteuropa.
Google und Wikipedia haben in China einen schwierigen Stand - mit weitreichenden Konsequenzen für deutsche Betriebe. Mathias von Hofen berichtet.

Die Volksrepublik China ist der bedeutendste Online-Markt der Welt. Die Zahl der Internetnutzer in China liegt bei über 600 Millionen mit weiter steigender Tendenz. Das sind bereits jetzt zehnmal mehr Menschen, die regelmäßig das Internet nutzen als in Deutschland. So gewinnt der chinesische Online- und Suchmaschinenmarkt zunehmend an Bedeutung.

Allerdings unterliegt das chinesische Internet eigenen Gesetzen. Soziale Dienste, die sich in westlichen Ländern außerordentlicher Popularität erfreuen, werden in China zum Teil kaum beachtet. So nutzten im Jahr 2011 ganze 400.000 Chinesen Facebook. Das einheimische soziale Netzwerk Ren/Ren wurde jedoch von 117 Millionen Menschen regelmäßig genutzt.

Google hat in China einen schwierigen Stand.
Google hat in China einen schwierigen Stand.

Auch bei den Suchmaschinen sind die Marktverhältnisse gänzlich anders als in westlichen Ländern. Google spielt auf dem chinesischen Markt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die amerikanische Suchmaschine kommt in China auf einen Marktanteil von lediglich 2 Prozent. Dies hat zum einen den Grund, dass sich Google im Jahr 2010 vom chinesischen Markt weitgehend zurückgezogen hat. Google begründete damals seine Entscheidung mit der Internetzensur der chinesischen Behörden. Das Unternehmen war erst im Jahr 2006 in den chinesischen Markt eingetreten, doch eroberte sich bis zum Jahr 2010 einen Marktanteil von 36 Prozent.

Dann kam es allerdings zu einem Konflikt mit der chinesischen Administration, da sich Google weigerte, seine Suchergebnisse weiter zensieren zu lassen. Das Unternehmen verkündete diese Entscheidung öffentlich und leitete die Suchanfragen aus China auf die Google-Seite in Hongkong um, wo aufgrund des Sonderstatus, den die ehemalige britische Kolonie in China genießt, die Suchmaschinen nicht zensiert werden. Die chinesische Regierung empfand dieses Vorgehen als offene Konfrontation und sperrte die Seite google.cn umgehend.

Auch im Jahr 2014 wird man beim Versuch, eine Anfrage auf google.cn einzugeben, automatisch auf google.com.hk weitergeleitet. Google wird aber nur noch von einer Minderheit der chinesischen Internetuser benutzt - meist von Personen mit besonders intensiven persönlichen oder beruflichen Kontakten in den Westen.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich Google ganz aus dem chinesischen Markt zurückzieht. Doch es ist auch nicht abzusehen, dass Google in größerem Maße Marktanteile zurückgewinnt, da mittlerweile andere Unternehmen den Platz von Google erfolgreich besetzt haben und zudem die Furcht vor staatlicher Überwachung im Netz die Nutzung einer "eher unliebsamen" Suchmaschine risikoreich erscheinen lässt. Zudem ist in Teilen der chinesischen Gesellschaft ein wachsender Patriotismus zu beobachten, der oft mit antiamerikanischen Einstellungen verbunden ist. Damit geht eine sehr kritische Einstellung gegenüber dem Informationsmonopol einher, dass Google in großen Teilen der Netzwelt besitzt.