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Baan bettelt bei Aktionären

18.07.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das angeschlagene niederländische Softwarehaus Baan hat gestern in der großen Tageszeitung "Telegraaf" eine ganzseitige Anzeige geschaltet, um seine noch unschlüssigen Aktionäre zur Annahme des Übernahmeangebots der britischen Ingenieursfirma Invensys zu bewegen. Im Text heißt es unter anderem, die Offerte der Briten "biete den Aktionären den besten Gegenwert". Weiter hieß es, das Finanzieren weiterer Verluste - wie von der Investorengruppe um den PR-Mann Ernst Sonneveldt vorgeschlagen - biete keine reelle Option. "Das Weiterbestehen von Baan ist sehr unsicher", so die eindringliche Warnung des Vorstands. Invensys hält bislang erst 58 Prozent an Baan. Allein der Widerstand der Bank ING, der mehr als fünf Prozent an Baan gehören, genügt, um die Übernahme durch Invensys zu blockieren -

vorausgesetzt, die bislang geltende 95-Prozent-Klausel bleibt bestehen (Computerwoche.de berichtete).

Gleichzeitig veröffentlichte das Unternehmen eine revidierte und noch desolatere Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr. Diese nennt einen Fehlbetrag von 309,6 Millionen Dollar und 619 Millionen Dollar Umsatz. Bei der ursprünglichen Veröffentlichung hatte Baan 289 Millionen Dollar Verlust und Einnahmen von 635 Millionen Dollar ausgewiesen. Das zweite Quartal werde man mit negativem gezeichnetem Kapital (Equity) abschließen, erklärte Baan. Somit drohe endgültig der Ausschluss von der Amsterdamer Börse (genauer: die Verbannung in den Bereich der so genannten Special Listing Conditions).