Technical Preview

Azure Stack soll Microsoft die Hybrid Cloud öffnen

Wolfgang Herrmann ist seit März 2013 Chefredakteur des TecChannel. Zuvor war er stellvertretender Chefredakteur der TecChannel-Schwesterpublikation COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete unter anderem für den Vogel Verlag, den PC Magazin Verlag und die Suse Linux AG.
Mit der ersten Technical Preview von „Azure Stack“ will Microsoft demonstrieren, wie Unternehmen die Vorzüge von On-Premise- und Public-Cloud-Services kombinieren können.

Jeden Monat registrieren sich fast 100.000 neue Abonnenten für Azure-Cloud-Services, schreibt Mike Neil, Corporate Vice President Enterprise Cloud bei Microsoft, in einem Blog Posting zu Azure Stack. Dennoch hätten viele Unternehmen ein Problem damit, voll auf die Public Cloud zu setzen. Mit einem Fuß in der Public Cloud und dem anderen in der klassischen On-Premise-Welt entstehe für viele eine schwierige Situation. Sein Rat: Entscheider sollten Cloud Computing nicht als Ort, sondern als Modell begreifen. Demzufolge kommt es nicht darauf an, wo Anwendungen und Services liegen, sondern wie diese den Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Notwendig ist laut Neil ein Hybrid-Cloud-Ansatz, der sowohl die Anforderungen von Private wie auch von Hosted und Public Clouds abdeckt.

Ebendies soll der neue Azure Stack ermöglichen, den Microsoft am 29. Januar als Technical Preview präsentierte. Die interne IT, so das große Versprechen, könnte damit ebenso einfach und flexibel werden wie eine Public Cloud. Microsoft spricht in diesem Kontext von einer "Cloud Consistent"-Plattform. Gemeint ist damit, dass der Azure Stack unter anderem die gleichen Portal-, Management- und DevOps-Tools mitbringt wie das Public-Cloud-Pendant. Ein Beispiel ist das Azure Active Directory (Azure AD), auf das der Azure Stack zurückgreift. Unternehmen können damit eine einzige Authentifizierungs-Infrastruktur für On-Premise- und Cloud-Szenarien nutzen.

Mit Azure Stack sollen interne IT-Ressourcen so flexibel und einfach nutzbar sein wie Microsofts Public-Cloud-Services.
Mit Azure Stack sollen interne IT-Ressourcen so flexibel und einfach nutzbar sein wie Microsofts Public-Cloud-Services.

IT-Verantwortliche, Softwareentwickler und Organisationen profitierten von einer "konsistenten" Hybrid-Cloud-Plattform auf vielfache Weise, wirbt der Microsoft-Manager. So ließen sich etwa für Azure geschriebene Programme unverändert auch in der Private Cloud auf dem Azure Stack betreiben. Entwickler könnten dabei auf identische APIs zurückgreifen und auf dieser Grundlage Open-Source- oder auch .NET-Anwendungen schreiben.

IT-Manager würden in die Lage versetzt, ihre On-Premise-Rechenzentren zu Lieferanten von Azure-basierten IaaS- oder PaaS-Diensten umzubauen. Sie könnten auf die gleichen Management- und Automation-Tools wie in der Azure-Cloud zurückgreifen. Damit beschleunige sich das Ausliefern neuer Services an das Business. Zugleich erlaube es die Plattform, den Nutzern Compute- und Storage-Ressourcen je nach Verbrauch in Rechnung zu stellen. Die interne IT könne sich so vom Cost zum Profit Center wandeln.

Unterm Strich, so Neil, könnten Unternehmen mit Azure Stack ihren eigenen Weg in die Hybrid Cloud finden und jeweils unabhängig von einer Technologie zu entscheiden, wo Anwendungen und Workloads liegen. Theoretisch lassen sich demnach Applikationen nahezu beliebig zwischen On-Premise- und Public-Cloud-Umgebungen hin- und herschieben. Ähnliches verspricht beispielsweise auch VMware mit seiner vCloud Air-Plattform.

René Büst, Senior Analyst bei Crisp Research, sieht Microsoft auf dem richtigen Weg, seine Hybrid-Cloud-Strategie umzusetzen: "Anders als Azure Pack bildet Azure Stack einen deutlich größeren Funktionsumfang der Azure Public Cloud nach. (…) Unternehmen werden damit in die Lage versetzt, sich eine auf Azure-basierte Cloud-Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum aufzubauen." Dies sei insbesondere für solche Organisationen interessant, die eine historisch gewachsene Microsoft-Infrastruktur-Umgebung betreiben und nun vorhaben, ihre interne IT-Organisation in Richtung eines IT-as-a-Service-Modells zu transformieren. Allerdings setze der nachhaltige Einsatz der Plattform in einem Kundenrechenzentrum voraus, dass Microsoft seinen Azure Stack-Kunden neue Azure-Public-Cloud-APIs und Services sehr zeitnah zur Verfügung stelle.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist für den Analysten die Möglichkeit, nahtlose hybride Szenarien zwischen dem On-Premise Azure Stack" und der Azure Public Cloud unter einer Kontrollinstanz aufzubauen. So ließen sich etwa unkritische, aber von Lastspitzen abhängige Anwendungen auf der Azure Public Cloud betreiben. Rechtlich sensible Anwendungen könnten dagegen auf Azure Stack laufen.

Unterm Strich positioniere sich der IT-Konzern mit Azure Stack genau dort, wo schon immer Microsoft-Produkte eingekauft wurden. Denn anders als bei modernen SaaS-Lösungen, die immer häufiger direkt von Fachabteilungen bezogen würden, entscheide auf Infrastruktur- und Plattform-Ebene weiterhin die IT-Abteilung. Allerdings sieht Büst dabei den Anbieter in der Pflicht: "Microsoft nimmt sich damit selbst in die große Verantwortung, langfristig an diesem Modell festzuhalten und seine Kunden mit technischen Updates ständig auf dem aktuellen Stand zu halten."

Microsoft will das Technical Preview von Azure Stack schrittweise erweitern. Mit einem Final Release ist zum Jahresende nach der Freigabe von Windows Server 2016 zu rechnen.