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Azul Systems verklagt Sun wegen Lizenzstreit

16.03.2006
Die auf Server für Java-Anwendungen spezialisierte Start-up-Firma Azul Systems fühlt sich von Sun Microsystems bedroht und hat die McNealy-Firma daher vorsorglich verklagt.

Azul will sich vom Bezirksgericht für Nordkalifornien bescheinigen lassen, dass es nicht gegen eine Liste von 20 Sun-Patenten verstößt beziehungsweise dass diese Patente unwirksam sind. Sun habe mit einer Klage gedroht, falls Azul ihm nicht eine Beteiligung an der Firma gewähre und außerdem "exorbitante" Vorauszahlungen und laufende Lizenzgebühren verlangt.

Sun zeigte sich angesichts der Klage überrascht, unter anderem weil es Azul zusätzliche Verhandlungszeit eingeräumt habe. "Sun über ein Jahr lang versucht, bezüglich Azul unerlaubter Nutzung von Suns geistigem Eigentum eine Übereinkunft zu erzielen", erklärte Firmensprecherin Stephanie van Allmen in einer E-Mail gegenüber dem "IDG News Service". "Während dieser Zeit hat Azul mehrfach gemauert und die Sache verschleppt."

Die Klage von Azul sei dafür der letzte Beweis, und Sun habe nun keine andere Wahl als mit einer Gegenklage zu regieren, um seine Intellectual Property zu schützen.

Azul baut spezielle Server mit selbst entwickelten Multicore-Prozessoren (siehe "Azul will den Server-Markt aufmischen"). Diese mittlerweile als "Network Attached Processing" bezeichneten Systeme sind speziell auf Software zugeschnitten, die in virtuellen Maschinen wie von Java oder .NET abläuft. Zielgruppe sind vor allem Großunternehmen mit komplexen Java-Plattformen.

"Sun behauptet, unsere Technik sei von ihrer abgeleitet, was nicht der Fall ist", erklärte Azul-Chef Stephen DeWitt (der seine vorige Firma Cobalt Networks im Jahr 2001 an Sun verkauft hatte). "Das ist, als würde man Wasserstoff-Brennstoffzellen mit einem Verbrennungsmotor vergleichen wollen. Aus technischer Sicht sind das Äpfel und Birnen, aber wir beide liefern Rechenleistung."

In der Vergangenheit hatten Azul und Sun - nicht nur wegen der Cobalt-Vorgeschichte - bislang ein gutes Verhältnis, auch weil Azul ein offizieller Java-Lizenznehmer ist. Die Beziehung habe sich aber eingetrübt, nachdem es zum Streit über die Technik von Systemarchitekturen kam, so DeWitt. Welche Rechte Sun dabei für sich reklamiert, weiß DeWitt bislang selbst nicht. "Wir kennen ihre Forderungen nicht, da sie uns diese nie mitgeteilt haben", so der Azul-Chef weiter.

Azul wurde im April 2002 von Gil Tene, Shyam Pillalamarri und Scott Sellers gegründet. Die in Privatbesitz befindliche Company hat 150 Mitarbeiter in den USA sowie 20 Entwickler im indischen Bangalore. (tc)