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Jetzt offiziell

Axel Springer kauft "Business Insider"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Der Berliner Verlag Axel Springer SE treibt mit der Übernahme des US-amerikanischen Wirtschaftsnachrichten-Portals "Business Insider" seine Digitalisierung weiter voran.

Das Blog "Re/code" hatte vergangene Woche bereits berichtet, Springer wolle "Business Insider" komplett übernehmen. Kaufpreis und Bewertung sind allerdings niedriger als dort kolportiert - Springer zahlt laut Mitteilung noch 343 Millionen Dollar (306 Millionen Euro) für weitere 88 Prozent an "Business Insider"; den Berlinern gehörten zuvor bereits neun Prozent. Die restlichen drei Prozent wird die persönlich Investment-Firma von Amazon-Chef Jeff Bezos halten.

Henry Blodget ist 'enorm beeindruckt, wie sich Axel Springer für unabhängigen Journalismus einsetzt'.
Henry Blodget ist 'enorm beeindruckt, wie sich Axel Springer für unabhängigen Journalismus einsetzt'.
Foto: Business Insider

Insgesamt wird "Business Insider" bei der Transaktion cash and debt free mit 390 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) bewertet. Axel Springer finanziert die Akquisition, der die zuständigen Kartellbehörden noch zustimmen müssen, nach eigenen Angaben mit Mitteln aus bestehenden Kreditlinien. "Business-Insider"-Gründer und CEO Henry Blodget und seine COO und President Julie Hansen bleiben im Unternehmen und sollen durch ein "umfassendes und langfristiges Aktienoptionsprogramm" auch darin gehalten werden. Neu in den Aufsichtsrat zieht der Fonds-Manager Kenneth Lerer ein, Mitgründer der "Huffington Post" und Chairman von "Buzzfeed".

Axel-Springer-Haus, Berlin
Axel-Springer-Haus, Berlin
Foto: Axel Springer AG

"Mit dem Erwerb von Business Insider setzen wir unsere digitale Wachstumsstrategie fort und investieren wie angekündigt in digitale journalistische Unternehmen im anglo-amerikanischen Raum", kommentiert Springer-Chef Matthias Döpfner. "Business Insider" habe neue Maßstäbe im digitalen Wirtschaftsjournalismus weltweit gesetzt; Henry Blodgets Art des digitalen Storytellings erreiche die Entscheider von morgen. Gemeinsam werde man Wachstumspotentiale ausschöpfen mit neuen Themenangeboten, neuen Standorten und neuen digitalen Inhalten. "Wir freuen uns darauf, mit Henry Blodget, Julie Hansen und dem außergewöhnlichen Business Insider-Team gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Ich freue mich außerdem sehr, dass unser enger Partner Ken Lerer mit von der Partie ist."

Springer-Chef Mathias Döpfner macht weiter ernst mit der Digitalisierung.
Springer-Chef Mathias Döpfner macht weiter ernst mit der Digitalisierung.
Foto: Axel Springer

"Business Insider" wurde 2007 von Blodget, Kevin Ryan und Dwight Merriman gestartet und beschäftigt knapp 330 Mitarbeiter, davon rund die Hälfte Journalisten. Das Unternehmen ist zurzeit neben den USA in sieben weiteren Ländern mit eigenen Ausgaben oder über Lizenzen präsent. Das Portfolio von Business Insider umfasst mit "BI Intelligence" außerdem ein kostenpflichtiges Recherche- und Nachrichtenangebot.

Christin Martens wird Chefredakteurin von Business Insider Deutschland.
Christin Martens wird Chefredakteurin von Business Insider Deutschland.
Foto: Axel Springer SE

In der vergangenen Woche hatte Axel Springer bereits angekündigt, dass Christin Martens Chefredakteurin der deutschen Ausgabe von "Business Insider" werden soll, welche die Springer-Tochter finanzen.net umsetzen soll. Martens (38) arbeitet seit Jahresbeginn als stellvertretende Ressortleiterin Politik und Wirtschaft bei Bild.de. Zuvor war die Diplom-Kauffrau im Los-Angeles-Büro sowie im Wirtschaftsressort und Parlamentsbüro der "Bild"-Zeitung tätig.