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Keinerlei Verizifizierung

AutoScout24 öffnet Missbrauch Tür und Tor

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und alle drei Minuten klingelt das Telefon.

Die Anrufer interessieren sich allesamt für das Auto, das Sie verkaufen wollen. Nur: Sie haben nirgends ein Fahrzeug inseriert. So etwas kann Ihnen mit der Telekom-Tochter AutoScout24 im Prinzip jeden Tag passieren. Das Münchner Unternehmen "registriert" private Verkäufer nämlich mit beliebigen, gern auch nicht existierenden E-Mail-Adressen, ohne diese in irgendeiner Form zu verifizieren.

Anschließend kann man mit wenigen Mausklicks ein mehr oder weniger glaubwürdiges Fahrzeug zusammenstellen und unter jedem beliebigen Namen mit einer real existierenden Telefonnummer ins Netz stellen.

Den Schaden hat derjenige, dessen Rufnummer (nur die zeigt AutoScout24 öffentlich an) in der Anzeige erscheint - er muss sich dann nämlich selbst darum kümmern, dass sein Telefon wieder zu klingeln aufhört. AutoScout24 ist für Privatkunden übrigens nur von 9 bis 18 Uhr telefonisch erreichbar, und das offiziell auch nur unter einer teuren 0900-Nummer.

Bei einer Beschwerde über das E-Mail-Kontakformular erhält der Absender zunächst nur folgenden Hinweis: "Lieber AutoScout24-Nutzer, vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir werden Ihre Anfrage so schnell wie möglich bearbeiten. In der Regel erhalten Sie spätestens innerhalb eines Werktages die passende Antwort auf Ihre Frage" - und kann dann nur hoffen, dass der Kundenservice schneller reagiert.

Üblicherweise wird dann die vom unerwünschten Telefonterror betroffene Rufnummer in der Datenbank von AutoScout24 gesperrt, so dass ein künftiger Missbrauch ausgeschlossen sein dürfte. In der flankierenden E-Mail schreibt der Kundendienst dann "Sehr geehrter Herr Muster, vielen Dank für Ihren Hinweis. Es ist natürlich nicht in unserem Interesse solche Anzeigen in unserer Datenbank zu führen. Für die Rechtmäßigkeit oder die Richtigkeit der vom Nutzer eingestellten Inhalte ist allerdings ausschließlich der Nutzer verantwortlich. AutoScout24 ist lediglich technischer Dienstleister und wird als solcher weder als Vermittler oder Vertreter des Inserenten noch sonst in dessen Auftrag tätig."

So kann man sich auch fein aus der Sache herausreden. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, warum AutoScout24 bei der Nutzeranmeldung auf jegliche Verifikation verzichtet. Eine Überprüfung zumindest der angegebenen E-Mail-Adresse ist im Online-Umfeld schließlich absolut gang und gäbe und überdies für den Anbieter ohne großen technischen Aufwand zu realisieren. Verzichtet er darauf, muss man unterstellen, dass der Telekom-Ableger einen Missbrauch seiner Plattform für alle möglichen Zwecke billigend in Kauf nimmt. Und das steht AutoScout24 nicht gut zu Gesicht.