Autoindustrie bietet interessante Jobchancen

22.10.2002
Von Helga Ballauf
In der deutschen Kfz-Branche herrscht verhaltener Optimismus. Als bewegliches Hightech-Wohnzimmer sorgt das Auto für gute Absatzzahlen. Das erhöht die Jobchancen für Young Professionals, die etwas von Fahrzeugelektronik verstehen.

Vor sieben Jahren prognostizierte das Institut der deutschen Wirtschaft: "In der Informationstechnik wird es um die Jahrtausendwende zehnmal so viele Beschäftigte geben wie in der Automobilindustrie." Eine falsche Voraussage, wie sich inzwischen gezeigt hat: Nach Angaben der jeweiligen Branchenverbände haben IT- und Autowirtschaft in Deutschland im Jahr 2002 mit jeweils rund 800 000 Mitarbeitern gleichgezogen.

Dabei wuchs in den vergangenen Jahren der Anteil der Beschäftigten in den IT-Abteilungen der Kraftfahrzeugindustrie kontinuierlich: Rund ein Drittel der weltweiten Patentanmeldungen rund ums Auto stammt aus Deutschland, "ein Beleg für die hohen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen der Branche", so der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. Die fortwährende Suche nach technologischen Neuerungen im Automobilbau kurbelt gleichzeitig die Innovationsmaschine in anderen Sparten wie Elektronik, Elektrotechnik und Telekommunikation an. Dies ergab eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands.

Quelle: Audi
Quelle: Audi

Die Beschäftigungsperspektive für hochqualifizierten Ingenieurnachwuchs im Automobilsektor sieht nicht schlecht aus, trotz der Einbrüche bei einzelnen Pkw-Herstellern und der anhaltenden Absatzschwierigkeiten im Nutzfahrzeugbau. Zulieferer nicht vergessen Im VDA haben sich mehr als 500 Autokonzerne und Zulieferer zusammengeschlossen. Präsident Gottschalk gesteht den Zulieferern zu, "einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Technologie, zum Wachstum und zur Beschäftigung" der Branche zu leisten. Auch VDA-Sprecher Karsten Eichner bestätigt: "Die Chancen für qualifizierte Berufseinsteiger mit IT-Know-how sind derzeit bei den Zulieferern größer als bei den Autoproduzenten selbst."

Das liegt hauptsächlich daran, dass die Neuerungen rund ums Auto immer seltener in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Kfz-Hersteller entstehen. Laut VDA tragen die Zulieferer heute bereits ein Drittel der Entwicklungskosten für das Automobil, im Jahr 2010 soll es sogar die Hälfte sein. Dabei haben heute andere innovative Ideen Priorität als noch vor etwa drei Jahren. Damals galt die Devise: Die Konzerne wandeln sich vom reinen Autoproduzenten zum Mobilitätsdienstleister. Mittlerweile steht das Auto als Ereignis im Mittelpunkt.

"Der Trend zum Nischenfahrzeug ist ungebrochen und wird mit attraktiven Angeboten voll bedient", beschreibt Gottschalk die Lage. "Cabriolets, Geländewagen und Vans haben bald einen Marktanteil von 15 Prozent erreicht. Dabei legt der Kunde immer größeren Wert auf eine reichhaltige Ausstattung. Auf der Wunschliste stehen vor allem Klimaanlagen und Navigationsgeräte." Der VDA-Präsident folgert: "Autokauf ist heute mehr denn je ein Produkt aus Psychologie und Emotion." Ein Blick auf die Internet-Präsentationen wichtiger deutscher Hersteller bestätigt dies. BMW und VW laden die Kunden samt Familien in "Erlebnis- und Auslieferungszentren" ein. Das neue Opel-Cabriolet wird mit der Web-Adresse www.wegohneverdeck.de beworben.

Daimler-Chrysler preist die Luxusmarke Maybach 62 als "neue, faszinierende Highend-Limousine" und den Jeep Cherokee als "einzigartige Kombination von Robustheit, Leistungsfähigkeit und besonders kultivierten Straßen-Eigenschaften" an. Volkswagen will bei einer Leserumfrage im Netz wissen: "Wie wichtig ist der passende Wagen zum Job?"

Entwicklungsingenieure gefragt

Das Wohlfühl-Auto mit all seinen Accessoires will erst einmal erdacht und entworfen sein: In den Jobofferten der Konzerne und Zulieferer ist die Nachfrage nach Entwicklungsingenieuren groß - vom Bordnetz- und Infotainment-Entwickler bis zum Modellentwickler für Fehlersimulation oder dem Softwareentwickler für Business-Intelligence-Lösungen. Langsamer und zäher als angenommen laufen allerdings die lückenlose Verknüpfung der kompletten Wertschöpfungskette im Autobau sowie der Einstieg ins E-Business.

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