Ausverkauf bei Bearingpoint USA

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
In Europa, Lateinamerika und Asien ist ein Management-Buyout wahrscheinlich.

Die unter Gläubigerschutz ("Chapter 11") stehende US-Gesellschaft der IT-Beratung Bearingpoint will ihre wichtigsten Geschäftsfelder an Konkurrenten verscherbeln. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Verkauf der Business-Einheiten den Unternehmenswert maximiert und am meisten Stabilität für alle Beteiligten bringt", erläuterte Bearingpoint-CEO Ed Harbach.

Interesse am gut laufenden Geschäftsbereich Public Services hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte angemeldet. Wie Bearingpoint bekannt gab, ist Deloitte bereit, 350 Millionen Dollar in die Akquisition großer Teile dieses Business-Sektors zu investieren.

Auch für den Löwenanteil des US-Bereichs Commercial Service, einschließlich Financial Services, liege ein Angebot vor, so die vor sieben Jahren aus der Wirtschaftsprüfung KPMG hervorgegangene Beratungsgesellschaft: 25 Millionen Dollar wolle PricewaterhouseCoopers (PwC) dafür ausgeben.

Beiden Angeboten muss noch das US-Insolvenzgericht zustimmen. Möglicherweise treten ja weitere Interessenten mit höheren Geboten auf den Plan.

Buyout-Pläne weit fortgeschritten

Im Gegensatz zur amerikanischen stehen die eruopäischen Ländergesellschaften, also auch die Bearingpoint GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, nicht unter Gläubigerschutz. Wie Marketing-Manager Mike Kronfellner versichert, schrieb das Unternehmen in der Emea-Region (Europe, Middle East, Africa) im vergangenen Jahr schwarze Zahlen. Folglich sei hier auch kein Ausverkauf beabsichtigt.

Vielmehr verfolgt das Emea-Management unter der Leitung von Peter Mockler den Plan, die Geschäfte in Eigenverantwortung weiterzuführen. Die Verhandlungen seien bereits "in einem fortgeschrittenen Stadium", so Kronfellner. Alle europäischen Landesgesellschaft würden den Plan unterstützen, und Mockler sei quasi die "Speerspitze" in diesem Prozess.

Das kommt nicht allzu überraschend: Schon im November 2007 hatte Mockler die Absicht geäußert, das profitable Europa-Geschäft aus dem Mutterkonzern herauszukaufen. Mit einem Abschluss der Buyout-Verhandlungen rechnet Kronfellner innerhalb der nächsten zwei Monate. So lange dürfte das US-Insovenzgericht auch brauchen, um hinsichtlich der Angebote von Deloitte und PwC einen Beschluss zu fassen. (qua)