Yankee-Group-Studie bricht eine Lanze für das Outsourcing

Auslagerung: Wenn Großanwender über zu hohe DV-Kosten stolpern

07.09.1990

MÜNCHEN (CW) - Systemintegration als Variante des Outsourcing - aufgrund dieser eigenwilligen Begriffsauslegung kommt das amerikanische Marktforschungs-Unternehmen Yankee Group zu einer überwiegend positiven Einschätzung der DV-Auslagerung.

Nach der Definition der Yankee Group ist Outsourcing keine neue Lösung für alte DV-Probleme, sondern eine Antwort auf neu aufgetauchte Schwierigkeiten. Als die drei bekanntesten Ausprägungen nennen die Markforscher in ihrer Studie die klassische Auftragsprogrammierung sowie die Systemintegration, ferner Facilities Management.

Den Hauptgrund für die zunehmende Neigung zur Auslagerung der Datenverarbeitung sieht die Yankee Group in der immer angespannter werdenden Lage der DV-Abteilungen. Das Dilemma: Einerseits mischt sich das Management ständig mit dem Vorwurf der Verschwendung und Ineffizienz ein, zum anderen behauptet es, die DV sei ein Profitcenter, das seine Entscheidungen selbst zu treffen habe.

Nach Angaben der Marktforscher sind die Zeiten vorbei, in denen die Jahres-Budgets entsprechend den Umsätzen erhöht wurden. Heute müssen DV-Leiter mit stagnierenden oder gar geringeren Etats auskommen.

Mit weniger Aufwand mehr leisten, heißt die Vorgabe. Vor allem die Ausgaben für den laufenden Betrieb, die mit einem Anteil von 36 Prozent zu Buche schlagen, sollen zugunsten von Neuentwicklungen (derzeit 20 Prozent) und für die Einführung von Produkten und Techniken (44 Prozent) reduziert werden.

Die Yankee Group sieht angesichts dieser Ziele zwei Möglichkeiten: Insourcing im Sinne der Systemintegration oder aber Outsourcing Ó la Facilities Management. Dabei deutet die Yankee Group die Auslagerung der DV an eine unternehmenseigene Tochter als eine Form des Insourcing und verwischt so die Grenzen zwischen Integration und Outsourcing.

Während sich die Systemintegration mehr um das Zusammenspiel der verschiedenen DV-Komponenten im Vorfeld der Inbetriebnahme befaßt, geht es beim Facilities Management um die DV-Routineaufgaben und die Wartung.

Beide Wege des Outsourcing könnten sich nach Ansicht der Marktbeobachter als durchaus lohnenswert erweisen - zumal die Ziele dieselben seien. Angestrebt sind Rationalisierung, Vereinfachung, Standardisierung, Kostensenkung und Konzentration auf Strategien und zentrale Anwendungen.

Längst hätten die Unternehmen erkannt, daß sich mit dem Outsourcing eine Möglichkeit anbietet, Datenverarbeitung effektiv zu nutzen, ohne dafür ständig mehr Geld ausgeben zu müssen. In den Vereinigten Staaten konnte aber erst das Beispiel von Eastman Kodak dem Konzept der DV-Auslagerung zum Erfolg verhelfen. Dort wurde die gesamte Datenverarbeitung auf IBM, DEC und Businessland verteilt.

Die Yankee Group erwartet, daß fast die Hälfte der größten US-Unternehmen, die sogenannten "Fortune 100", die Möglichkeit von Outsourcing testen werden. Für das Jahr 1989 haben die Analysten einen Markt im Wert von 25,6 Milliarden Dollar ermittelt, wobei die Anbieter EDS, IBM, Andersen Consulting, CSC und Digital Equipment fast die Hälfte abdecken. In den folgenden vier Jahren soll sich dieses Volumen verdoppeln.

Bei einem Fünftel des Auslagerungswilligen liege dabei der Wunsch zugrunde, die bisherigen Unternehmensziele effektiver verfolgen zu können. Immerhin 80 Prozent wolle Outsourcing aber eher zur Reorganisation des Unternehmen nutzen.

Die Analysten sind überzeugt davon, daß die Vorzüge des Outsourcings die zu erwartenden Kosten weit übersteigen, trotzdem warnt das Unternehmen vor den Langzeitrisiken dieser Strategie. Eine wohlüberlegte Abwägung wird nicht immer zugunsten der DV-Auslagerung ausfallen, denn sie muß zu den Zielen und der Kultur des Unternehmens passen.

Außerdem gilt, daß Problemen in der DV meist grundsätzliche Schwierigkeiten zugrunde liegen. In einem solchen Falle helfe auch kein Outsourcing.