InsideAR 2014

Augmented Reality goes Business

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Auf der diesjährigen AR-Hausmesse InsideAR in München demonstrierte Metaio eindrucksvoll, dass Augmented Reality nicht nur Spielerei ist, sondern sich bereits in vielfältiger Art und Weise im Business-Umfeld einsetzen lässt.

Jenseits der zahlreichen Anwendungen für Konsumenten hat sich Augmented Reality längst als nützliche Hilfe in zahlreichen Industriebereichen etabliert. Besucher der InsideAR, die Ende Oktober 2014 in München stattfand, konnten sich von dem erstaunlichen Reifegrad der Anwendungen überzeugen - und erhielten zahlreiche Inspirationen, was die Zukunft im Bereich Augmented Reality bereithält.

Insbesondere der Rundgang durch den Ausstellungsbereich weckte beim Besucher leichte Zweifel an der Gültigkeit des Gartner Hype Cycle für 2014, wonach Augmented Reality bereits den Hype ("Peak of Inflated Expectations") überschritten hat und sich aktuell im Tal der Desillusionierung befindet. Von dort aus sollen den Auguren von Gartner zufolge noch fünf bis zehn Jahre vergehen, bis das Plateau der Produktivität erreicht wird.

Von wegen: Der Gartner Hype Cycle 2014 sieht AR im Tal der Desillusionierung.
Von wegen: Der Gartner Hype Cycle 2014 sieht AR im Tal der Desillusionierung.
Foto: Gartner

Wie auch immer: Die zahlreichen Demos zeigten, dass das Thema Early Adopters bereits heute schon Vorteile bringt. Ein Gros der gezeigten Unternehmensanwendungen drehte sich um Lagerhaltung (Itizzimo), Wartung, Instandhaltung und Prototypisierung. Dominierende Branche war dabei klar der Automotive-Sektor - wobei sich Autos besser präsentieren lassen wie Szenarien beispielsweise im Gesundheitswesen.

Neben den Fahrzeugen - der Expo-Bereich in der "Kleinen Olympiahalle" erinnerte wie bereits im Vorjahr entfernt an eine Automesse - scheinen sich auch die Smartglasses fest im AR-Umfeld etabliert zu haben. Auch diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr, haben doch Hersteller wie Epson oder Vuzix nun neue Datenbrillen hervorgebracht, die nicht nur halbwegs ansehnlich sind, sondern mit zwei Okularen auch besser für AR-Szenarien eignen als Google Glass.

Als wohl bekanntester Smartglass-Vertreter hatte die Google-Brille aber natürlich auch ihren Auftritt auf der InsideAR: Die Designfirma Vectorform führte mit ihr die AR-Anwendung BMW INNOVATION LIVE vor. Zweck der Anwendung ist es, potenziellen Käufern die speziellen Features des neuen BMW i8 zu vermitteln. Besondere Schwierigkeit ist dabei, dass der Hybrid-Sportwagen an Orten präsentiert werden soll, wo weder eine Probefahrt möglich ist, noch Türen und Motorhaube geöffnet werden dürfen (z.B. Flughäfen). Um Interessenten dennoch einen Infos aus erster Hand sowie einen Blick unter die Haube und ins Interieur zu gewähren, setzt Vectorform auf AR, Google Glass wurde von BMW wegen des ähnlich futuristischen Designs wie der i8 ausgewählt.

Aber auch im B2B-Umfeld gab es interessante AR-Szenarien zu beobachten, etwa das Marta-System (Mobile Augmented Reality Technical Assistance) für den Reparaturleitfaden des Hybridautos VW XL1. Die gemeinsam von VW und Metaio entwickelte Anwendung soll Servicemitarbeiter bei den zunehmend komplexeren Wartungsaufgaben unterstützen, indem es Schritt für Schritt die vorzunehmenden Arbeiten aufzeigt und Zusatzinformationen wie die zu verwendenden Werkzeuge, Montageeinstellungen und Prüfvorschriften einblendet.

Ein anderes auf der Messe gezeigtes Beispiel für den AR-Einsatz im Industrieumfeld war die Überprüfung von physischen Prototypen durch Überlagerung mit einem CAD-Modell über Metaio Engineer. Das System greift dabei auf die Informationen von Messarmen, Infrarot- und Lasertrackingsystemen zurück, um in kurzer Zeit Fehler bei Prototypen zu erkennen und später aufwändige Korrekturen zu vermeiden.

Nicht minder interessant war auch ein Blick auf die Entwicklungen, mit den sich Metaio derzeit noch in den Labors beschäftigt, die aber in nicht allzu ferner Zukunft auch ihren Weg in richtige Produkte finden können. Unter dem Titel Thermal Touch beschäftigen sich die Münchner etwa mit einer neuen Eingabetechnik für Smartglasses, die sich - wie der Name bereits andeutet - den mit einer Wärmebildkamera sichtbaren Fingerspuren und Augmented Reality zu Nutzen macht: Bei Thermal Touch werden beliebige Objekte in das Display der Datenbrille eingeblendet, die Reaktion des Nutzers wird von der Infrarotbrille wahrgenommen und anschließend von der Anwendung interpretiert.

Zukunftsweisend sind auch die Möglichkeiten der 3D-Tiefensensortechnik, die mit Googles Project Tango oder Intel RealSense-Tablets allmählich marktreif wird. Auf der InsideAR demonstrierte Metaio, wie mit entsprechendem Equipment (Microsoft Kinect oder Structure Sensor von Occipital für das iPad) die Umgebung "eingescannt" und mit der AR-Software Metaio 6 in ein dreidimensionales Modell umgewandelt wird. Wie Metaio im Live-Demo zeigte, werden durch die räumliche Darstellung AR-Anwendungen wie die IKEA-App deutlich realistischer.