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Augenjucken muss nicht Allergie bedeuten

28.02.2008
Von pte pte
Forscher der Universitätsaugenklinik in Graz http://www.meduni-graz.at haben erstmals entdeckt, dass auch Nicht-Allergiker von den gleichen Pollenreaktionen wie Allergiker betroffen sein können. Während der Blütezeit leiden Allergiker neben Nasenreizungen und Niesen häufig unter geröteten, trockenen und juckenden Augen. Die Grazer Wissenschaftler haben nun in einer Studie herausgefunden, warum Nicht-Allergiker genauso unter Augenjucken leiden können: Die Pollen enthalten nämlich bestimmte Eiweißstoffe, die für die Befruchtung notwendig sind und die auf die Tränenflüssigkeit zerstörend wirken.

"Wir raten jeden, der heuschnupfenähnliche Symptome verspürt in ein Allergieinstitut zu gehen und sich austesten zu lassen", meint der Studienleiter Otto Schmut im pressetext-Interview. Würde man mit den Symptomen nämlich nur eine Apotheke aufsuchen, erhielte man höchstwahrscheinlich ein Antihistaminikum gegen die allergischen Reaktionen. "Das ändert am nicht allergischen Augenjucken allerdings gar nichts, sondern es macht lediglich müde." Schmut hat mit seinen Experten die in den Pollen enthaltenen Proteasen als die "Übeltäter" identifizieren können. "Wenn diese Eiweißstoffe über die Pollen mit Tränenflüssigkeit und Nasenschleim in Kontakt gebracht werden, kommt es zu entzündlichen Prozessen, da die Pollen Substanzen enthalten, die zerstörende Wirkung auf die Flüssigkeiten haben", führt der Forscher aus. Daher komme es bei Menschen, die zuwenig "Gegensubstanzen" in der Tränenflüssigkeit und im Nasenschleim haben, zu den mit Allergien vergleichbaren Reaktionen.

Das Grazer Forscherteam arbeitet bereits jetzt intensiv an der Entwicklung eines Medikaments gegen diese Symptome. "Wir haben bereits einige viel versprechende Ansätze. Bis es allerdings marktfähig Medikamente sind, werden noch einige Jahre intensiver Anwendungsforschung investiert werden", meint der Mediziner. "Wir haben allein in der Steiermark einige Tausend von den Pollenreaktionen Betroffene", erklärt der Wissenschaftler. Ehe es zur Marktreife neuer Medikamente kommt, rät der Mediziner während der Blütezeit zum Aufenthalt in geschlossenen Räumen.

Ebenfalls erforscht wurde von Schmut das so genannte "trockene Auge", an dem immer mehr Menschen leiden. Beim trockenen Auge ist die Tränenflüssigkeit reduziert oder der Tränenfilm ist in seinem Aufbau gestört und kann somit die Hornhaut nicht benetzen, was zu unangenehmen Rötungen, Brennen, Jucken und Fremdkörpergefühl führt. In schwereren Fällen kann dies Schmerzen und hohe Lichtempfindlichkeit auslösen. "Die Zahl der Betroffenen hat in den vergangenen Jahren extrem zugenommen", erklärt Schmut. Einerseits sind Umweltfaktoren wie etwa verstärkte UV-Strahlung, Feinstäube oder die Zunahme von bodennahem Ozon dafür verantwortlich. Andererseits ist es aber auch die Veränderung der Lebensbedingungen, die zu einer Verschärfung des Problems beiträgt. "Untersuchungen an Menschen, die vor Computermonitoren sitzen, haben deutlich gezeigt, dass die Blinzelfrequenz enorm herabgesetzt ist", meint der Mediziner. Zudem haben manche Medikamente wie etwa Psychopharmaka, Antibabypille oder Betarezeptorenblocker trockene Augen als Nebenwirkung. "Statistiken zeigen, dass jeder vierte Patient in Deutschland unter trockenen Augen leidet." Schmut hat eine Therapie in Form von "Hylo-Comod" entwickelt, die gänzlich ohne Konservierungsmittel hergestellt wird und auch über viele Jahre nebenwirkungsfrei verwendet werden kann. (pte)