Mobile World Congress

Aufruhr im Hinterland der Mobil-Revolution

22.02.2013
Samsung und Apple sind die Könige im Mobilfunk-Markt, doch hinter den Kulissen braut sich neue Konkurrenz zusammen. Besondere Aufmerksamkeit bekommen beim Mobile World Congress in Barcelona die chinesischen Hersteller Huawei und ZTE.

Der Wandel des Alltags durch Smartphones und Tablets ist allgegenwärtig, eine Branche nach der anderen wird umgepflügt. PCs verkaufen sich immer schlechter, während der Tablet-Absatz boomt. Computerspiele-Hersteller ächzen unter dem Druck günstiger Smartphone-Konkurrenz. Mobile Bezahlsysteme versprechen einen Einkauf vielleicht sogar ohne Kassen. Der Smartphone-Markt wächst rasant und wird im Moment von wenigen beherrscht: Samsung, Google, Apple. Doch die heutigen Platzhirsche müssen sich auf neue Rivalen gefasst machen: Zur wichtigsten Branchenmesse Mobile World Congress, die am Montag in Barcelona beginnt, bringen sich neue Rivalen in Stellung, die in das lukrative Geschäft wollen.

Im Moment scheint der Smartphone-Markt allerdings hermetisch verschlossen zu sein. Apple, das mit dem iPhone den Umbruch anstieß, schöpft heute noch einen Löwenanteil der Profite ab. Das Google-Betriebssystem Android mit Samsung als Fahnenträger dominiert bei den Marktanteilen.

Die vielen Android-Modelle verschiedener Hersteller und die iPhones saugen allen anderen Smartphone-Plattformen schlicht die Luft weg. Marktforscher wie Gartner und IDC sahen den Anteil des Google-Systems zuletzt bei 70 Prozent und Apple bei gut 20 Prozent. Das heißt, alle anderen Systeme müssen sich derzeit in ein Zehntel des Marktes quetschen. Zwei einstige Spitzenreiter - Blackberry und Microsoft mit Windows Phone - ringen mit bisher mäßigem Erfolg um den dritten Rang.

Und doch wollen in Barcelona neue Rivalen ihren Anspruch auf einen Platz in dem heiß umkämpften Markt anmelden. Da ist das neue Firefox-Betriebssystem der Mozilla-Stiftung, die auch hinter dem populären Internet-Browser steht. Demnächst kommen erste Geräte mit dem Internet-basierten System zunächst in Lateinamerika auf den Markt. Und das einst von Nokia und Intel verworfene Betriebssystem MeeGo soll ein neues Leben in Asien unter dem Namen Jolla bekommen.

Der Optimismus der scheinbaren Außenseiter hat einen Grund: Die Smartphone-Revolution, die in Westeuropa und Nordamerika begann, erfasst inzwischen die ganze Welt. In diesem Jahr dürfte erstmals rund eine Milliarde Smartphones verkauft werden. Das ist zwar viel, heißt aber auch, es gibt immer noch einen riesigen Markt mit Milliarden Menschen zu verteilen. Und die Gewinner von heute werden dabei nicht unbedingt die erste Geige spielen. Denn die Märkte der Wohlstands-Länder sind schon weitgehend gesättigt. Jetzt sind Asien, Afrika, Südamerika an der Reihe. China ist bereits der größte Smartphone-Markt der Welt. Und in diesen Regionen sind vor allem günstige Smartphones gefragt.

Schlägt jetzt die Stunde chinesischer Hersteller wie Huawei und ZTE? Der Smartphone-Boom in Asien und Afrika beflügelt sie. Huawei stieß zum Jahresende 2012 erstmals auf den dritten Platz unter den Smartphone-Herstellern nach Samsung und Apple vor. Experten sehen gute Chancen, dass die Chinesen sich in der Top drei verankern können. "Wir werden in diesem Jahr einen riesigen Schub an günstigen Android-Smartphones sehen", sagt Analystin Annette Zimmermann vom Marktforscher Gartner. Die Devise sei: "Smartphones für die Massen."

Nikolaus Mohr von der Unternehmensberatung Accenture glaubt, dass es nicht bei günstigen Geräten bleiben wird. "Ich gehe davon aus, dass bei Huawei und ZTE Geräte dabei sind, die mit Geräten etablierter Hersteller wie Samsung oder HTC problemlos mithalten können", sagt er. "Viele etablierte Anbieter werden sich warm anziehen müssen." Neben den Chinesen stehen auch Neulinge wie das russische YotaPhone mit zwei Bildschirmen in den Startlöchern.

Es wird ein spannender Konkurrenzkampf, denn auch die einstigen Smartphone-Könige Nokia und Blackberry wollen nicht aufgeben. Den Finnen stärkt der milliardenschwere Windows-Riese Microsoft den Rücken mit seiner Marktmacht, bei Blackberry setzt der deutsche Chef Thorsten Heins auf ein neues Betriebssystem, das auch in Autos oder in der Gesundheitstechnik eingesetzt werden kann. Die aktuellen Spitzenreiter halten sich in Barcelona hingegen vornehm zurück: Google macht weniger Werbung für Android, Samsung wird wohl darauf verzichten, dort seinen nächsten iPhone-Jäger Galaxy S4 vorzustellen. Und Apple blieb solchen Messen schon immer fern. (dpa/ad)

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