Gesucht: Open Source-Experten

Aufgabe wichtiger als Geld

General Manager für das Training bei der Linux Foundation
Qualifizierte IT-Arbeitskräfte für Open-Source-Projekte werden dringend benötigt, sind aber schwer zu finden. Der Arbeitsmarkt für solche Experten bleibt unstrukturiert und ist schwierig zu steuern. Offene Trainings und leistungsorientierte Zertifizierungsverfahren könnten Abhilfe schaffen.

Open Source ist weiterhin im Aufschwung. Ob es sich um Telekommunikation, Finanz- und Gesundheitswesen, den Einzelhandel oder die Unterhaltungsindustrie handelt - fast jede erdenkliche Branche benutzt heutzutage gemeinschaftlich entwickelte und betreute Software. In den kommenden Monaten und Jahren wird dieser Trend weiter anhalten.

Diese Entwicklung sorgte für eine völlig neue Form des Arbeitnehmers: den Open Source-Experten. Dabei handelt es sich nicht um durchschnittliche IT-Arbeitskräfte. Im Open Source Jobs Report 2016 - einer neuen Studie der Linux Foundation und Dice - gaben lediglich zwei Prozent an, dass Geld und Zulagen das Beste an ihrer Arbeit wären. Vielmehr arbeiten Open-Source-Experten gerne an interessanten Projekten (31 Prozent) mit den allerneuesten Technologien (18 Prozent) und in einer globalen, kollaborativen Gemeinschaft (17 Prozent).

Fast jede erdenkliche Branche benutzt heutzutage gemeinschaftlich entwickelte und betreute Software.
Fast jede erdenkliche Branche benutzt heutzutage gemeinschaftlich entwickelte und betreute Software.
Foto: v.schlichting - shutterstock.com

Sie leben für die gemeinschaftliche Arbeit. Sie sind ehrgeizig und innovativ. Und sie sind sehr gefragt: Im Open Source Jobs Report gaben 65 Prozent der Personal-Manager an, dass sie Open-Source-Stellen mehr als alle anderen Bereiche ihrer Unternehmen ausweiten. 59 Prozent sagten, sie würden innerhalb der nächsten sechs Monate mehr Open-Source-Experten anstellen. Aber die Identifizierung von Open Source-Talenten ist nicht einfach. Im Open Source Jobs Report gaben 87 Prozent der Personal-Manager an, dass sie Schwierigkeiten hätten, qualifizierte Leute für ihre offenen Stellen zu finden.

Open source ist anders geartet

Warum ist das der Fall? Ein Teil dieser Frage ist einfach zu beantworten: Open Source ist anders geartet. Die Gemeinschaft arbeitet innerhalb eines wesentlich loser definierten Rahmens als eine entsprechende Standard- oder proprietäre Software. In einer Welt, in der Zusammenarbeit das höchste Prinzip darstellt, folgt eine Karriere nicht zwangsläufig einer vordefinierten Bahn. Die Maßstäbe sind unterschiedlich und die Kriterien, nach denen sich Personalvermittler üblicherweise richten, sind nicht so klar definiert.

Eines der größten Probleme stellt die Qualifikation dar. Wie kann ein Unternehmen wissen, ob jemand für eine bestimmte Position qualifiziert ist? Die Open Source-Gemeinschaft hat erkannt, dass Professionalisierung und Normierung ihres Bereichs spezielle Werkzeuge, Zulassungssysteme und Projektführung erfordern sowie Anlässe, die Zusammenarbeit ermöglichen. In anderen Worten: ein unterstützendes Ökosystem, ähnlich dem, das seit langem Standard für proprietäre Software ist, jedoch mit Open Source-Prinzipien operiert.

Autodidaktische Kurse

Die Linux Foundation, eine gemeinnützige Organisation, die die Förderung des professionellen Open Source-Managements betreibt, führt ein Programm autodidaktischer und von Lehrern geführter Kurse durch. Es umfasst die Gesamtheit des Linux-Einsatzbereichs, deckt aber auch entstehende Open Source-Technologien ab wie zum Beispiel OpenStack und Open Daylight. Open Source-Experten können überall auf der Welt an diesen Kursen teilnehmen.

Seit 2014 umfasst das Trainingssystem ein Zertifizierungsprogramm, das auf Systemadministratoren abzielt, die eine frühe Karriere anstreben oder Ingenieursniveau besitzen. Die Anregungen für die Prüfungen kamen von der Linux Foundation und einem Komitee, zusammengesetzt aus zwanzig Industrieexperten aus über zehn Ländern der ganzen Welt. Die Prüfungen sind aufgrund ihrer leistungsorientierten Struktur so gestaltet, dass sie wichtige Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten erkennen lassen. Genauso wie die Linux Foundation-Trainingskurse kann man auch diese Prüfungen überall auf der Welt absolvieren, wo Internetzugang und eine Webcam vorhanden sind, was eine qualitativ hohe Zertifizierung wesentlich zugänglicher macht, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Kandidaten, die ein Linux Foundation-Zertifikat erhalten, weisen ein ausführliches technisches Fachwissen auf, das weit über das eines durchschnittlichen Open Source-Experten hinausgeht. Linux Foundation Certified System Administrators (LFCS) und Linux Foundation Certified Engineers (LFCE) können sich mit Recht als "die Besten der Besten" bezeichnen. Zertifizierungsprogramme befähigen Arbeitgeber dazu, Mitarbeiter leichter zu identifizieren und eine Position mit dem richtigen Kandidaten zu besetzen.