Deutsche Post

Aufbruchstimmung auch ohne Startup-Partys

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Bereichsvorstand Georg Rau über die digitale Strategie der Deutschen Post und die Bedeutung von IT-Talenten für den Erfolg.
Foto: Deutsche Post DHL, Georg Rau

CW: Sie sind 2008 von SAP zur Deutschen Post gewechselt. Laut aktuellem IT-Graduate-Barometer ist das ein Abstieg um 74 Ränge. Warum haben Sie sich das angetan?

Rau: Auch wenn es überraschend klingt - ich bin aus gutem Grund zur Post gegangen. Der Konzern ist im Umbruch, neue Geschäftsfelder entstehen und werden erschlossen, persönliche Chancen tun sich auf, und man kann tatsächlich etwas bewegen. Die Aufbruchstimmung macht unsere Arbeit und das Umfeld extrem spannend.

CW: Sie sind nicht der einzige Manager, der das von seiner Firma behauptet.

Rau: Von außen betrachtet, mag es ein kleiner Schritt vom Brief zum E-Postbrief sein. Aber wir starten hier keinen Testballon. Ich will nicht den Vergleich mit einer Revolution bemühen, aber wir arbeiten daran, unser Geschäft in eine andere Dimension zu führen. Die Aufbruchstimmung in der Post ist nicht die Vision einiger Manager, die fröhliche Web-Startup-Partys feiern. Sie ist Folge eines Commitments, das sich von der obersten Management-Ebene durch das Unternehmen zieht. Wir arbeiten daran, unsere Leistungsangebote gezielt in den digitalen Raum zu erweitern. Alle Mitarbeiter sind auf die Strategie eingeschworen, und gemeinsam werden wir sie zum Erfolg führen.

CW: Für die Umsetzung brauchen Sie viele IT-Talente und erfahrene Spezialisten. Wie können Sie die für ein Engagement bei Ihnen interessieren?

Georg Rau ...

... verantwortet als Bereichsvorstand im Unternehmensbereich Brief der Deutschen Post DHL die Produktentwicklung und den Betrieb des E-Postbriefs. Der Physiker hat an der University of Oxford promoviert, bevor er 1999 zu McKinsey nach Frankfurt am Main wechselte. Von 2004 bis 2008 arbeitete Rau für SAP, zuletzt als Vice President Emea Ecosystem & Partner Group.

Rau: Der Umbruch bringt auch für IT-Profis spannende Tätigkeitsbereiche - weil wir neue Grundlagen schaffen müssen, die es vorher nicht gab. Zudem geht es nicht um technische Banalitäten. Unsere große Herausforderung beim E-Postbrief liegt darin, ein bequemes Interface für Millionen Nutzer mit effizienten Prozessen und einem Höchstmaß an Sicherheit zu kombinieren. Das ist wie die Quadratur des Kreises. So hat die Arbeit hier von den Details bis zu den Rahmenbedingungen einen besonderen Reiz.

CW: Welche zentralen Aufgaben werden der IT im Konzern der Deutschen Post übertragen?

Rau: Einerseits, und da sind wir keine Ausnahme in der Industrie, muss unsere IT die steigenden Leistungserwartungen der Kunden erfüllen. In den Bereichen Brief und Paket wird die Flexibilität immer wichtiger, aber auch die Skalierbarkeit und der Automatisierungsgrad. Das schaffen Sie nur durch IT. Parallel dazu wird die IT zunehmend integraler Bestandteil unserer erweiterten Produktpalette. Das ist eine neue Qualität.

CW: Wie hat die Deutsche Post ihre IT in das Business integriert?

Rau: Bei uns sind alle Geschäftsprozesse von IT durchdrungen, anders können Sie in der Logistik nicht bestehen. Für die klassische IT-Bereitstellung haben wir die Sparte "IT-Services" in der Dienstleistungsorganisation Global Business Services. Die Geschäftsbereiche selbst steuert die IT aus einer Anforderungssicht heraus mit Spezialisten, die eine Brücke zwischen Business und IT schlagen können. Deshalb ist die Aussage unseres Vorstands gerechtfertigt: Wir sind ein IT-Haus mit angeschlossener Zustellung.

CW: Das Image des Konzerns ist noch durch historische Symbole geprägt - das Amt, der Bote, die Kutsche. Wie wollen Sie das ändern, um den Konzern für IT-Talente interessanter zu machen?

Rau: Dass wir ein ernst zu nehmendes IT-Powerhouse sind, wird sich im Rahmen unserer Strategie zeigen, weil unsere IT-Produkte im täglichen Leben viel präsenter werden. Spätestens wenn eine zunehmende Zahl der Briefe über den PC kommt, wird den Kunden klar, dass wir viel mehr können, als Papier zuzustellen. Je deutlicher die IT in den Produkten erkennbar wird, desto schneller wird sich das Image wandeln. Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber in naher Zukunft sollten wir das grundsätzlich gedreht kriegen. Wichtig ist, dass unsere Kunden die Expansion in die IT-Welt und den damit verbundenen Nutzen wahrnehmen.

CW: Welche elektronischen Bereiche sind denn für Sie neben dem E-Postbrief lukrativ?

Rau: Die Deutsche Post baut in der digitalen Welt auch ein Standbein für Dialog-Marketing auf. Mit der Akquisition von Nugg.ad 2010 wurde ein wichtiges Signal gegeben, und im April haben wir den Online-Vermarkter Adcloud akquiriert.

CW: Entwickelt die Deutsche Post auch eigene Angebote?

Rau: Die Marketing-Kollegen haben den "Werbemanager.de" ins Rennen geschickt, um kleine Firmen bei ihrer Online-Vermarktung zu unterstützen. Ohne innovative IT-Lösungen können Sie heute in unseren Branchen keine zeitgemäßen Angebote mehr schaffen. Der E-Postbrief ist dabei ein zentraler Baustein für das elektronische Geschäft, und er steht sinnbildlich für die digitale Strategie der Deutschen Post.