High Tech im Kontrast mit heiligen Kühen

Auf Reisen durch die indische Softwarelandschaft

07.03.1997

Indien ist voll von High-Tech-Schmieden. Acht davon, alle mit deutschen Kunden oder deutschen Beteiligungen, habe ich besucht*.

Zuerst fällt der Nebel auf, mir bleibt die Luft weg. Schuld sind die Abgase. Wir sind in Delhi gelandet. Begleitet werde ich von Gerhard Reckel, der von indischen Ladies im Sari schwärmt und die Kleinkinder hier "zum Piepen" oder "goldisch" findet. Reckel, der die Reiseroute zusammengestellt hat, ist Executive Managing Director des Institute for International Trade Promotion, lehrt Außenhandel an der Universität Worms und steckt voll von Anekdoten über europäische Agrarsubventionen aus seiner Brüsseler Zeit. Außerdem stellt er den Kontakt zu kleineren indischen Softwarehäusern her. Seine Spezifikationen bilden die Basis für eine Art Ausschreibung.

Bereits nach dem ersten Tag in Delhi zerbröselt das amerikanisierte eurozentrierte Weltbild. Inder, die die Welt in Asiaten, Europäer, Amerikaner und Briten aufteilen, erstarren keineswegs in Ehrfurcht vor amerikanischen High-Tech-Leistungen, ihnen erscheint eher das schnell wachsende Singapur als wirtschaftliches Vorbild.

Das Programm des ersten Tages sieht einen Besuch beim Indo-German Export Promotion Project (Igep) in der ehemaligen DDR-Botschaft in Delhi vor, heute das "German House", in dem auch die deutsch-indische Handelkammer untergebracht ist. Vom Flur aus läßt sich das geschäftige Treiben der Jeans-Girlies und Sari-Sekretärinnen genauso gut beobachten wie der in Fantasieuniform stekkende Türsteher und der Angestellte, der mit einer antiquiert anmutenden Telefonanlage hantiert.

Überall in Indien gibt es für jede Tätigkeit eine Position: Neben dem Bediener des Faxgeräts sind es Fahrer, Männer, die die Wagentür öffnen, jemanden, der einen begrüßt, einen anderen, der einem Gepäck abnimmt ... Diese aufs feinste abgestufte hierarchische Gesellschaftsstruktur schafft Arbeitsplätze für viele. Sie verhindert damit aber auch etwa einen reibungslosen Informationsfluß. Es ist wie im Kinderspiel "Stille Post". Die Information geht durch so viele Hände, daß sie entweder verfälscht oder gar nicht bei dem Betroffenen anlangt. Es kann passieren, daß auch das siebte dringende Fax unbeantwortet bleibt.

Unser Programm ist allerdings straff. Noch am selben Tag besuchen wir die National Association of Software and Service Companies (Nasscom). Hinter den Edelauslagen heimischer Handwerkskunst des Nobelhotels "Ashok" findet sich der einflußreiche Verband in zwei Hinterzimmern untergebracht. Die Erklärung für die wenig repräsentative Enge liegt nahe: Die Mieten für Gewerbeflächen in Delhi dürften denen der Münchner Innenstadt nichts nachstehen.

Der distinguierte S.** Ramachandran, von allen "Colonel" genannt, gibt sich die Ehre. Seine Klienten seien natürlich vor allem an Outsourcing-Projekten interessiert. Der Colonel will wissen, warum sich die Deutschen hier so zurückhalten - im Gegensatz zu den Amerikanern.

Die indische Software-Industrie brauche das Geld aus der Offshore-Programmierung, um in die Entwicklung eigener Produkte zu investieren. Die Zeiten, in denen stupide Aufgaben von indischen Billigprogrammierern sklavisch ausgeführt wurden, seien vorbei. Auch vom Bodyshopping, dem Einkauf und Import von Manpower für die Entwicklung in zeitlich begrenzten Projekten, will der Colonel lieber nicht reden - obwohl er mit trauriger Mine die Existenz dieser legalen Form des Menschenhandels bestätigt. So bleibt nach dem Gespräch ein schaler Geschmack: Noch immer lassen Unternehmen aus reichen Ländern in einem Land der sogenannten Dritten Welt billig für sich arbeiten.

Ein Bummel durch die abendliche Altstadt soll eigentlich die nachdenkliche Stimmung vertreiben. Hier pulsiert das Leben. Während Neu Delhi großzügig angelegt ist, die Slums in Straßen zwischen den Villenvierteln wie Fremdkörter wirken, ist Alt Delhi ein Gewirr aus mittelalterlich wirkenden Gassen und eine Attacke auf alle Sinne. Bei jedem Schritt ein neuer fremder Geruch von widerlich bis faszinierend, Bettler, Händlergeschrei, Gehupe, Fahrradgeklingel, Gedränge.

Am Eingang von Alt Delhi steht eine digitale Reklametafel. Im Verkehrsstau wirbt sie in Englisch für eine reinere Luft. Der Großteil der Bewohner dürfte sie nicht einmal lesen können.

Mittendrin in dem Gewühl hocken auf gegenüberliegenden Straßenseiten dicht an dicht in Reih und Glied die Armen der Armen. Sie warten vor riesigen Pfannen und Kesseln auf Spenden. Erst werden die Köpfe gezählt, kassiert und dann erst gekocht. Von 350 Rupien (etwa 17 Mark) werden 80 bis 100 Leute satt. Mir reichts. Ich möchte weg.

Im Hotel fällt der Strom aus. "Powercut", nicken die Bediensteten - das passiert in Delhi mehrmals an einem Tag. Dann geht das Licht wieder an.

Zu dem gesamten Chaos will nicht passen, daß Rashmi Jane, Projektleiterin bei Software Moguls, am nächsten Tag kompetent und sicher über Qualitätssicherung in der Software-Entwicklung doziert. "Wir haben im Offshore-Geschäft einiges lernen müssen", kommentiert Vice-President P.R. Apte, "zum Beispiel, daß elf Uhr Punkt elf bedeutet und nicht etwa halb zwölf. Telefax-Anfragen an uns werden bei uns vordringlich und umgehend beantwortet."

Apte spielt auf Mentalitätsunterschiede an. Gewöhnlich ist mit "No problem" gemeint: Es stehen jede Menge und keine kleinen Probleme ins Haus, aber: bitte nicht aufregen.

Das 30-Mann-Unternehmen Software Moguls hat sich in der Export Processing Zone von Noida niedergelassen, einem zollfreien Gebiet, das heruntergewirtschaftet wirkt. Die elektrischen Leitungen sehen abenteuerlich aus.

Laut Apte bietet die Export-Zone allerdings auch Vorteile. Anders als sonst im Land stellt es kein unüberwindliches Hindernis dar, einen Internet-Anschluß zu bekommen oder Hard- und Software preisgünstig zu importieren. Außerdem lassen sich hier 64-Kbit/s-Funkleitungen mieten.

Das Durchschnittsalter der Software-Moguls-Belegschaft deckt sich nahezu mit dem jeder anderen Softwarefirma, die wir aufgesucht haben. Es liegt bei 26. Indische Studenten beginnen mit 17 ihre Ausbildung und sind früher fertig als die deutschen, etwa mit 22. Das Studium ist schulischer als hierzulande und zugleich praxisorientierter. Der hohe Frauenanteil ist augenfällig. Bei Software Moguls müssen sich die Entwickler zusätzlich einem Einstellungstest und anschließenden Basisschulungen unterziehen, bevor sie ins erste Projekt entlassen werden.

Eines der Hauptprobleme indischer Softwarefirmen begegnet uns auch in diesem Betrieb, die hohe Fluktuation. Ein Programmierer, der zwei Jahre lang für ein und dasselbe Unternehmen arbeitet, gilt bereits als ungewöhnlich anhänglich. Häufig wechseln die Entwickler bereits nach einem halben Jahr ihren Arbeitsplatz und gehen entweder zu den Niederlassungen ausländischer IT-Firmen oder vorzugsweise ganz in die USA. Mit den erarbeiteten Devisen sind sie bei ihrer Rückkehr nach Indien gemachte Leute.

Das ISO-9000-geprüfte Software Moguls glänzt mit organisatorischem und IT-Know-how. Bei der Chemtrols Software Pvt. Ltd. versprüht ein Marketing-gewandter und rühriger P.N. Namboodiri Charme. Gemeinsam mit S. Mani hat er 1993 das 15- Mann-Softwarehaus in Delhi gegründet. Beide kommen aus der Prozeßfertigung in der chemischen Industrie. Mani, der seine Abschlüsse in Chemie und Business Management an der Michigan State University machte, mußte, bevor er seinen deutschen Kunden, die Paul Hildebrandt GmbH (Hima), Brühl, von den Qualitäten seiner Firma überzeugen konnte, erst einmal einige Monate in Deutschland mitarbeiten.

Vertrauenserweckend sieht das Büro in Delhi tatsächlich nicht aus. Irgendwie paßt unser Gespräch über Software-Tools, Qualitäts-Management, Ausbildungsinhalte und -standards, über Betriebssystem-Vor- und -Nachteile nicht so recht zum Treiben in der Straße unter uns.

Dort trottet eine Kuh trotz lebhaftestem Verkehr gemächlich und ungestört durchs Chaos. Die Straßenküche wird belagert, schmutzige Kinder betteln die Autofahrer an, sobald diese halten. Autos, Lastwagen oder "Tuck-Tucks", die sämtlich geradewegs aus den 50ern zu stammen scheinen. Kaum zu glauben, daß wir ernsthaft über eine durchs Internet veränderte Welt philosophieren.

Am nächsten Morgen hat Igep-Direktor Kepschull zum deutschen Frühstück mit indischem Houseboy zu sich geladen. Ich erfahre, daß inzwischen sowohl elektronische Kataloge für Quelle, Neckermann, Otto und Hennes & Mauritz in Indien angefertigt werden, als auch Goldpfeil-Ledertaschen, Salamander-Schuhe und Cerruti-Lederjacken. Hungersnöte habe es in dem Entwicklungsland seit langem nicht mehr gegeben. Dennoch leben schätzungsweise 30 Prozent der indischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Indien ist flächenmäßig das siebtgrößte Land der Erde und ab der Jahrtausendwende vermutlich das bevölkerungsreichste. Es besteht aus 34 Bundesländern und Territorien, in denen 15 Hauptsprachen gesprochen und in unterschiedlichen Schriftzeichen geschrieben werden. Im Durchschnitt können 52,11 Prozent der Bevölkerung lesen; in Kerala gibt es nahezu keine Analphabeten, in Rajastan können rund 80 Prozent der Mädchen nicht lesen. Witwenverbrennung und Brautopfer kommen immer noch vor, ebenso wie das Kastenwesen, das offiziell seit langem abgeschafft ist. 83 Prozent der Inder gehören dem hinduistischen Glauben an, elf Prozent dem muslimischen und 2,5 Prozent dem christlichen. Zwei Prozent sind Sikhs.

Eine Programmierstunde kostet etwa 25 Mark; damit gehören Entwickler zu den Spitzenverdienern unter den Akademikern. Eine gutverdienende Teepflückerin dagegen erhält etwa drei Mark pro Tag. Rund 55000 Studenten machen jährlich ihren Abschluß in Computerwissenschaften oder verwandten Fächern.

Eine gute Privatschule kostet die Eltern im Monat etwa 50 bis 100 Mark, eine öffentliche Schule viel weniger. Die Zulassung zu den Hochschulen und Universitäten, in denen "wild gebüffelt" wird, ist durch Quoten für die unteren Kasten und schlechteren Schulen geregelt.

Die guten Verdienstmöglichkeiten lassen viele Entwickler in die USA auswandern. Kepschull spricht von einem "aktiven Braindrain". Der Kulturschock und der Verlust der Heimat habe allerdings hohe Selbstmodraten unter den Emigranten zur Folge.

Laut Kepschull unterscheidet sich die indische Mentalität gar nicht so sehr von der deutschen. Die Inder gelten als Individualisten, arbeitsam und trotzdem sehr familienverbunden.

Letzteres führt dazu, daß die großen Gewerkschaften - es gibt mehr als 50000 Betriebsgewerkschaften im Land - sich für Auszeiten der Arbeitnehmer eingesetzt haben, sollte ein Familienmitglied Hilfe benötigen. Unter Umständen kann so auch ein Geschäftsführer oder Projekt-Manager mehrere Monate abwesend sein.

Bangalore, die Fünf-Millionen-Blumenstadt, in der Heerscharen von Sari-Frauen mit Passion die Straßen fegen, ist das derzeitige DV-Mekka Indiens und ein Muß auf der Reise durch die indische Softwarelandschaft. Vor den Toren der Stadt liegt der Technopark "Electronics City", der rund 120 Firmen beherbergt. Rege Bautätigkeit zeugt von einem prosperierenden Geschäft.

Falls ich je angesichts der abenteuerlich aussehenden Bambusverschalungen auf den Zustand der hier angesiedelten Softwarehäuser geschlossen haben sollte, nach Bekanntschaft mit Infosys-Chef N.R. Naranayana Murthy würde ich das nicht mehr wagen.

Neben zahlreichen Hochschuldozenten, die den Leistungswilligen das Neueste in Objektorientierung, Entwicklungs- und Projektorganisations-Methoden sowie -Tools vermitteln, beschäftigt das Haus auch Sprachenlehrer, die den Mitarbeitern je nach Projektzugehörigkeit Englisch, Französisch, Kanji oder Deutsch beibringen. Ein hauseigener Arzt, ein Fitneßcenter, Tenniscourt, Erholungspark, die Ausstellung von Mitarbeitern geschaffener Bilder und eine Kantine sorgen für Wohlbefinden. Die Bibliothek mit internationaler Fachliteratur und zahlreiche Besprechungsräume schaffen die Infrastruktur für Kommunikation und Information.

Bei Infosys, das seit einigen Jahren ISO-9000-zertifiziert ist, hat jeder Arbeitsplatz einen Internet-Anschluß. Darüber hinaus besitzt die Firma eigene Satellitenleitungen. Murthy wurde 1996 vom bedeutendsten indischen Magazin "Dataquest" zum Manager des Jahres gekürt: "Deutschland ist eines der Länder, mit denen wir Geschäfte machen sollten", sagt er schlicht. Über die Vorbehalte deutscher IT-Manager, die die Güte indischer Software-Entwicklung und -Produkte mehr oder weniger offen anzweifeln, schüttelt Murthy ärgerlich und enttäuscht den Kopf.

Mir scheint die Frage angebracht, ob die von indischen und deutschen Regierungsstellen verordnete Entwicklungshilfe überhaupt notwendig ist. Das Ma- nagement schweigt verlegen. Schließlich bekennt Nandan M. Nilekani, Deputy Managing Director bei Infosys, mutig: "Wir würden den freien Handel begrüßen und uns sogar freuen, Steuern auf unseren Export zu bezahlen."

Das Management der Siemens Information Systems Ltd. (Sisl), das sich beim darauffolgenden Termin in Bangalore vorstellt, mutet wie das Infosys-Team eher amerikanisch denn deutsch an. Managing Director Anil Laub begreift sich als Unternehmer und Sisl als eigenständige Firma, die sich ihre Kunden zum Großteil außerhalb der Siemens-Gruppe sucht.

Siemens-Mann Horst Lumbeck, für drei Jahre zum Leiter des R&D Department in Indien bestellt, stimmt sparsam dreinschauend einer solchen Sichtweise nicht gänzlich zu. Die Abnabelung von der Muttergesellschaft sei im Interesse von Siemens mit Skepsis zu betrachten. Von den Fähigkeiten indischer Entwickler zeigt er sich allerdings angetan: "Die Deutschen sind besser organisiert, die Inder zeigen mehr Kreativität", lautet sein Fazit.

Nach dem offiziellen Termin kommt auch das Thema Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland, Schaffung von Arbeitsplätzen in Indien auf den Tisch. Der Zwang zur Effektivität läßt laut Lumbeck in Deutschland kaum noch Raum für kreatives Entwickeln. Ein Experimentieren mit Tools etwa, wofür er bei den Indern geradezu eine "Besessenheit" ausmacht, sei nicht mehr machbar und akzeptanzfähig. Offshore-Programmierung sichert Arbeitsplätze in Deutschland, so Lumbeck. Ohne sie stehe aus Gründen der Wirtschaftlichkeit der gesamte Standort Deutschland in Frage. Immerhin kämen Anforderungs- und Designanalysen für die IT-Projekte noch immer von den Muttergesellschaften.

Für die SAP-Niederlassung in Bangalore ist Offshore-Programmierung allerdings kein Thema. Rokiah Ahamed, Director Sales & Marketing Asia, macht klar, daß sie gedenkt, von Indien aus den gesamten asiatischen Markt für R/3 aufzurollen. Der smarten und eleganten Managerin aus Singapur steht in Bangalore eine brandneue, auf Hochglanz polierte Büroetage zur Verfügung. Die Chefin läßt keine Zweifel aufkommen, daß sie alsbald ihre indischen Machos durcheinanderwirbeln und auf Trab bringen wird.

17 Referenzkunden stellt sie uns vor, 16 davon hat Sisl betreut, einen Kunden hat ihr indisches Team bereits selbst gewonnen. "Dabei", versichert sie, "ist R/3 in Indien noch um 50 Prozent teurer als in Deutschland. Außerdem sind die Inder sehr kritisch. Die zerpflücken unser Produkt erst einmal." Allerdings werde es in vordefinierter Form angeboten, so daß die Implementierung binnen kürzerer Zeit erfolgen könne. Die Einführung von zwei bis vier Modulen pro Kunde habe jeweils etwa elf Monate gedauert. Außerdem gebe es ein günstigeres Preisschema für die Runtime-Lizenzen.

Doch Indien wäre nicht Indien, wenn nicht immer wieder hausgemachte Krisen die Selbstorganisation und Geduld der Ausländer herausfordern würde. Als wir am nächsten Tag nicht via Madras gen Trivandrum fliegen können, liegt das an einer achtstündigen Verspätung der ersten Verbindung. Dennoch klappen merkwürdigerweise - und das ist ebenfalls typisch Indien - alle vereinbarten Verabredungen in einem Technopark von Trivandrum, in dem alles vom Feinsten ist. Er ist so neu, daß ihn der Taxifahrer nicht kennt, und gehört der Regierung von Kerala, die sich kommunistisch nennt und die Marktwirtschaft augenscheinlich gut beherrscht. Schon am Flughafen fällt ein wesentlicher Unterschied zu den bisher gesehenen auf: keine Bettler - weder drinnen noch draußen. Dörflicher Klatsch und Tratsch funktionieren auch noch in Trivandrum, das sich mit 800000 registrierten Einwohnern unter Palmen versteckt, bestens.

Claude-Alain Fournier, ein schweizerischer Staatsbürger, wirkt genervt und frustriert. Er ist Vice-President Operations des Softwarehauses Transmatic & HIS und möchte unbedingt und möglichst schnell wieder in die Heimat zurück. Die komplizierten indischen Gesellschaftsstrukturen, bei denen geschäftliche Verbindungen zumeist aufgrund persönlicher Beziehungen zustande kommen, grenzen Fremde aus. Dabei wollte Fournier lediglich eine eigene Firma besitzen. Indien wählte er 1992 aufgrund des großen Pools an IT-Know-how und Englischkenntnissen, Trivandrum wegen des Technoparks, der Satellitenleitungen, Konferenzräume, eine Bibliothek, einen Freizeitpark, ein Gästehaus, ununterbrochene Stromversorgung und qualifizierte Arbeitskräfte aus der nahen Universität garantiert.

Unterschätzt hat er die Mühlen der Bürokratie, die hier noch langsamer und störungsanfälligiger arbeiten als Ämter in der europäischen Heimat. Ferner wird in Kerala Englisch, wenn überhaupt, so gesprochen, daß man es kaum versteht, und die jungen Software-Ingenieure sind von vornherein wechselwillig. "Es ist unmöglich, ein erfolgreiches Geschäft von Indien aus zu betreiben", so sein Fazit heute. Nun hat er einen Partner in Indien, Transmatic, und ab Juni ein Unternehmen in der Schweiz, die MCS Management Consulting Systems GmbH AG, Reinach.

Fremdsprachen sind kein Problem

"Schauen Sie sich an, was wir hier machen! Ist das etwa trivial? Sprechen Sie mit meinen Mitarbeitern! Hier, das ist der Sonnenschein in meinem Unternehmen. Sprechen Sie sie in deutsch an! Sie können es nämlich", so beginnt P. Mohanan, General Manager der Case Consult India Pvt. Ltd., einen Hagel von feurigen Statements zur Qualifikation indischer Entwickler und Produkte und wedelt dabei mit einem Lehrbuch für deutsche Sprache herum. Zugegeben, alle bisherigen Firmenchefs wiesen mehr oder weniger darauf hin, daß Indien keine billigen Arbeitskräfte für die Offshore-Programmierung anbiete, sondern eine Qualität, die von überdurchschnittlich gut ausgebildeten Fachkräften, die selbständig denken und arbeiten können, stammt und entsprechend bezahlt werden muß.

Doch die Explosion von Argumenten des Ex-Soldaten Mohanan läßt deutlich werden, daß erstens indische Manager ihren Kunden gegenüber die Argumente ständig wiederholen müssen und daß sie zweitens der ewig sanften Versicherungen auch überdrüssig werden können.