Programmierer in der EDV-Abteilung:

Auf der Suche nach einem Berufsbild

09.06.1978

ZÜRICH (hz) - Die typischen Schwierigkeiten des Programmierer-Berufes kann am besten derjenige erkennen und beurteilen, der in verschiedenen

Betrieben und Bereichen Einblick nehmen konnte. Kurt Lingg, Leiter "Kundenprojekte" der Systor AG in Zürich berichtet über seine Erfahrungen auf diesem Gebiet.

Eine Programmiererabteilung mit zwölf Programmierern und einem Chef-Programmierer. Gute Leute, alle aktiv eingeplant, produktiv. Für Ausbildung ist gesorgt: Zwei bis drei Kurse sind vorgesehen (VSAM, PL/1, IMS).

Der administrative Ablauf ist aufwendig, aber zufriedenstellend. Es ist genügend Testzeit im Closed Shop-Betrieb vorhanden, die technische Unterstützung durch die System-Programmierung funktioniert ausgezeichnet. Richtlinien sind vorhanden -aber werden sie auch angewendet?

Die zwölf Programmierer sind jung, sie haben gewisse Vorstellungen über ihre Karriere. Einige wollen gelegentlich in die Analyse überwechseln, die meisten wollen in die System-Programmierung "aufsteigen".

Zeitdruck beeinflußt die Qualität der Programme

Die Leute sind zufrieden, tun ihren Job. Keine wesentlichen Probleme?

Es hat Kündigungen gegeben. Es fehlt an Team-Geist, da jeder

Programmierer an seinem Programm arbeitet, das zu einem bestimmten Termin fertig sein muß. Die Termine werden zwar meistens eingehalten, manchmal aber auf Kosten der Qualität.

Aus der langfristigen Projektplanung ist ersichtlich, daß anspruchsvolle Aufgaben (Datenbanken, Online) auf die Abteilung zukommen. Diese komplexen Programmieraufgaben verlangen langjährige Erfahrungen und stellen hohe Anforderungen an die Methodik und die Technik des Vorgehens. Ein Konzept der angewandten Softwaretechnologie muß erarbeitet, die Programmierer müssen sorgfältig ausgebildet, Teams müssen zusammengestellt werden.

Applikationsprogrammierer als Übergangslösung

Ist "Applikationsprogrammierer" ein Beruf oder nur eine Übergangslösung? In einem Beruf möchte man vorwärtskommen, sich finanziell und im Status verbessern. Ist der Anreiz, eine sehr gute Arbeit zu machen, durch den "Aufstieg" in die Systemanalyse oder -programmierung gegeben, ist also ein Berufswechsel notwendig? Für einige ist das sicher der richtige Weg. Aber nicht alle wollen ihn gehen. Um die komplexen Zukunftsaufgaben meistern zu können, braucht es auch in der Programmierung sehr gute Fachleute.

Pragmatische Lösungen

Um zu pragmatischen Lösungen zu gelangen, müssen die einmal aufgedeckten Probleme direkt angegangen werden. Als hilfreiche Maßnahmen bieten sich an:

- Periodische Sitzungen zur Orientierung über Softwaretechnologien und Steuerung der Team-Prozesse

- Erarbeitung eines integralen methodologischen und technischen Konzepts

- Planung interner und externer Ausbildungsveranstaltungen

- Organisation und Durchführung praktischer Versuche mit einem Pilotprojekt

- Auswertung der Ergebnisse, Erfahrungsaustausch.

Die inner- und außerbetriebliche, Information und Ausbildung soll dem Fachmann den Anschluß an die jeweils neuesten Entwicklungen vermitteln. Dies und die Vertiefung des Fachwissens in bezug auf Methoden und

Techniken in Theorie und experimenteller Praxis lassen den Erfahrungsaustausch innerhalb der Abteilung oder auch des Betriebes intensiver und fruchtbarer gestalten. So werden aus guten Programmierern echte Professionals, die sich mit ihrer Aufgabe identifizieren können, was - zusammen mit der verbesserten Kommunikation - eine qualifizierte Teamarbeit ermöglicht.

Außerdem wären eine Laufbahnplanung und gezielte Karriereförderung geeignete Mittel, um zusätzliche Anreize und ein günstiges Berufsbild zu schaffen.